Montag, 25. September 2017

18. Januar 2017 16:30 Uhr

Wallerstein

Briefmarken: Aus 3 Kreuzern wurden 32.000 Euro

Bei der Auktion eines über 150 Jahre alten Briefes aus Wallerstein wurde eine riesige Summe gezahlt. Ein Sammler aus der Region hat sich auf Spurensuche begeben.

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Die Briefhülle aus Wallerstein erzielte bei einer Auktion einen Höchstpreis.
Foto: hum, Repro Auktionshaus Köhler

Ja, es gibt sie noch, die Legenden um sensationelle Sammlerstücke: Jürgen Tandler, Briefmarkensammler aus Wallerstein, sah in einer Fachzeitschrift die Anzeige zu einer Versteigerung im Wiesbadener Auktionshaus Köhler, das auf Briefmarken spezialisiert ist. Die interessantesten Stücke waren abgebildet – sofort stach Tandler „Wallerstein“ im Stempel auf einer Briefhülle aus dem 19. Jahrhundert ins Auge. Der Name seiner Heimatgemeinde prangte neben drei tadellos erhaltenen „Schwarzen Einsern“ aus Bayern, also drei Exemplaren der ersten deutschen Briefmarke zu je einem Kreuzer. In Sammlerkreisen ist nur noch ein weiterer Brief aus Wallerstein mit solchen Marken bekannt.

Der Brief wurde im 19. Jahrhundert verschickt

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Zwar geht aus dem Stempel der Tag hervor, an dem der Brief abgeschickt wurde, nämlich der 27. März; nicht aber das Jahr. Da es sich bei dem Sammlerstück um eine Briefhülle, also den Vorläufer des Kuverts ohne Brief handelt, steht auch kein datierter Text zur Verfügung. Der Wallersteiner Sammler kann den Zeitraum aber mit seinem Hintergrundwissen auf 15 Jahre einschränken: Die „Schwarzen Einser“ waren von 1849 bis 1864 in Gebrauch. Der Weg des Briefes ist nur teilweise rekonstruierbar; er wurde aus Wallerstein an einen „Hochwohlgeborn Herrn Doctor Eikert“ in Neuburg an der Donau geschickt. Dann tauchte die Hülle wieder auf bei Hilmar Kraus, einem bedeutenden Sammler, der sogar ein Buch über seine Sammlung herausbrachte. Er stammt aus dem Sudetenland und gründete unter anderem in Thüringen ein Unternehmen.

Jürgen Tandler wurde neugierig auf den weiteren Werdegang des seltenen Stückes und ließ sich den Auktionskatalog aus Wiesbaden schicken – der Ausruf, also das Mindestgebot für den Brief betrug 8000 Euro. Das lag weit außerhalb des Bereiches eins „normalen“ Sammlers, aber Jürgen Tandler verfolgte den Fall interessehalber weiter. Als er die Ergebnisliste des Auktionshauses bekam, war er dann doch überrascht: 26000 Euro hatte der Brief gebracht, mit Gebühren und Steuern musste der Käufer insgesamt 32180 Euro bezahlen. Ein stolzer Preis, zumal er noch über der Taxierung im Michel-Katalog lag, der Standard-Preisliste in der Sammlerwelt. Ein Paar der Schwarzen Einser ist hier mit 18000 bis 25000 bewertet. „Es kommt nur bei ganz seltenen Exemplaren vor, dass der Katalogpreis erreicht wird“, sagt Jürgen Tandler. „Dass er noch überschritten wird, ist ganz ungewöhnlich.“

Briefmarken dienen oft als Wertanlage

Auf Nachfrage unserer Zeitung bewahrte das Auktionshaus Diskretion, was den Käufer betraf. Doch Jürgen Tandler kann auch hier die Situation mit Hintergrundwissen zumindest aufhellen: „Dass seltene Sammlerstücke wieder sehr teuer gehandelt werden, liegt auch daran, dass sie mangels Bankzinsen zusehends als Wertanlagen gesehen werden. Oft legen Investoren Geld in Kunst an.“ Es kommt in der Sammlerszene tatsächlich immer wieder vor, dass verborgene Schätze gehoben werden – da das Briefmarken-Sammeln nicht mehr so populär ist wie früher, werden Nachlässe oft in großem Umfang zu Pauschalpreisen verkauft; dann tauchen schon einmal in „Grabbelkisten“ einzelne Exemplare auf, die einige Hundert Euro wert sind. (hum)

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