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22. April 2010 20:00 Uhr

Das Schweigen scheint schlimmer als die Kündigungen

Nördlingen Wie berichtet, sollen bei der Schwaben Präzision Nördlingen (SPN) 22 der insgesamt 323 Mitarbeiter entlassen werden. Die Geschäftsführung begründet diese Maßnahme naturgemäß rechnerisch: Vor der Krise, also bis Oktober 2008, betrug der monatliche Umsatz rund drei Millionen Euro. Im letzten Quartal 2008 brach er auf 1,5 Millionen monatlich ein. Von 2008 auf 2009 fiel der Jahresumsatz insgesamt um rund 40 Prozent. Von ronald Hummel

"Schwarze Null" angestrebt

Freilich spürt man auch bei Schwaben Präzision die Erholungstendenzen im Maschinenbau, heuer soll der Umsatz wieder um 20 Prozent zulegen. Aber um einen Einbruch von 40 Prozent wett zu machen, wäre rein rechnerisch ein Plus von 66 Prozent nötig. Die für heuer angestrebte schwarze Null ließe sich nur durch die Kündigung von 22 Mitarbeitern, sprich einer Einsparung von rund einer Million Euro Personalkosten erzielen, rechnen die Geschäftsführer Josef Seitz und Dr. Jörg Eidam vor.

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Die Kündigungen erfolgen noch diesen Monat, die Mitarbeiter werden das Unternehmen zwischen Juli und September verlassen. "Ohne diese Maßnahme wäre das Eigenkapital der Firma gefährdet", so Josef Seitz. "Bei dieser einmaligen Maßnahme steht die soziale Verantwortung für alle Arbeitsplätze im Vordergrund, sie dient dem Erhalt von SPN."

Bislang wurde noch niemand während der Krise entlassen, vielmehr habe man sie mit verschiedenen Maßnahmen überbrückt: Kurzarbeit, mit der man Anfang 2009 begann, läuft nach maximal 24 Monaten, also Anfang 2011 aus. Einen ganzen Jahrgang von Auszubildenden habe man nach dem obligatorischen auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag nicht übernommen. Gleichzeitig habe man auf das allgemein umstrittene Instrument der Leiharbeiter-Politik fast ganz verzichtet. Die Geschäftsführung rechnet bis 2013/14 mit einer Erholung auf das Niveau vor der Krise. Den damit verbundenen erhöhten Bedarf an Arbeitskräften decke man vorrangig durch die Übernahme der derzeit 27 Azubis, die man über drei Jahre hinweg übernehmen wolle.

"Bruch in der Unternehmenskultur"

Die Vertreter von Betriebsrat und Gewerkschaft haben ein grundsätzliches Problem: "Die Geschäftsführung verweigert jegliche Verhandlung mit der IG Metall und den Betriebsräten", erklärt Christiane de Santana, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Augsburg, in einem Pressegespräch. "Der Betriebsrat wurde am Freitag über die wirtschaftliche Lage informiert, am Mittwoch sollte uns dann eine Liste mit 22 Kündigungen vorgelegt werden", rekapituliert die Betriebsratsvorsitzende Simone Saur. "Das ist ein absoluter Bruch in der Unternehmenskultur", entrüstet sich Christiane de Santana.

"Es herrscht eine Kultur des Nein-Sagens im gewerkschaftlich gesteuerten Betriebsrat", entgegnet Dr. Eidam gegenüber unserer Zeitung auf diese Vorwürfe. Man habe jederzeit ein gutes Verhältnis mit dem Betriebsrat gepflegt, wie auch dessen Vorsitzende bestätigte. Aber in den letzten Jahren sei von den Augsburger Gewerkschaftsvertretern einiges abgeblockt worden - das Behalten eines Teils der ausgestellten Azubis verweigerte man als Selektion, bei Vorschlägen zum Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld habe man darauf verwiesen, so etwas solle man mit Mitarbeitern außerhalb der Gewerkschaft versuchen. Außerdem habe die Geschäftsführung die Notwendigkeit von Kündigungen bei nicht ausreichend verbesserter Wirtschaftslage im November letzten Jahres auf einer Betriebsversammlung klar angesprochen, so Josef Seitz.

Individuelle Lösungen

Die Augsburger Gewerkschaftsvertreter sind sicher, dass man im Gespräch individuelle Lösungen zur Vermeidung von Kündigungen finden könne, von erweiterter Kurzarbeit bis hin zu unkonventionellen Maßnahmen wie zinslosen Darlehen der Belegschaft an den Betrieb in Form eines vorläufigen Verzichtes von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Aktuell wolle man alle gekündigten Mitarbeiter hinsichtlich Kündigungsschutzklagen beraten, einen runden Tisch mit Vorstand, Gewerkschaft, Betriebsrat und lokalen Politikern einberufen und den politischen Druck über die Gewerkschaften erhöhen. »Kommentar

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