Donnerstag, 30. Juni 2016

27. Juni 2015 00:33 Uhr

Serie

Die Biogas-Landschaft hat sich verändert

Dass Anlagen, die Strom aus Biomasse erzeugen, im Landkreis boomen, liegt auch an Christian Quirrenbach. Der Unternehmer aus Rudelstetten hat früh in diese Form erneuerbarer Energien investiert. Heute, sagt er, müssten sich Betreiber umstellen. Viele tun das bereits

i

Als Christian Quirrenbach damit anfing, Biogas-Anlagen zu bauen, gab es mal ein Treffen aller Anlagenhersteller aus ganz Deutschland. 1998 muss das gewesen sein, vielleicht war es auch ein Jahr früher oder später. Man traf sich jedenfalls in einem Dritte-Welt-Laden in München. „Wir haben da alle reingepasst“, sagt Quirrenbach. So klein war die Szene.

Heute ginge das nicht mehr. Ende der 1990er-Jahre war Biogas bereits im Kommen, aber noch keine große Sache. Mittlerweile ist das anders. Zwischenzeitlich gab es sogar einen regelrechten Boom, und in kaum einer Region in Deutschland ließ sich dieser Boom deutlicher erkennen als im Landkreis Donau-Ries. Quirrenbach hat dazu seinen Teil beigetragen. „Das ist auch meine Schuld“, sagt er und grinst.

ANZEIGE

Seine Firma, NQ Anlagentechnik, hat ihren Sitz im beschaulichen Rudelstetten, einem Ortsteil von Alerheim mit knapp 300 Einwohnern. Von den 92 Biogas-Anlagen im Landkreis hat die Firma 82 geplant und gebaut. Quirrenbach, 45, ist enthusiastisch, wenn er über die Form erneuerbarer Energie spricht, die ihn schon seit Jahrzehnten begeistert.Anfang der 2000er, sagt Quirrenbach, hatte er die Idee, einen Betrieb mit zwei, drei Mitarbeitern zu leiten. Heute hat das Unternehmen mehr als 100 Beschäftigte. Nachdem Quirrenbach und andere kurz vor der Jahrtausendwende die ersten Biogas-Anlagen im Landkreis bauten, zogen in der Region viele Leute nach. „Man hat gesehen“, sagt Quirrenbach, „dass die Technik funktioniert und sich rentiert“. Der Landkreis liegt heute, betrachtet man die reine Anzahl der Anlagen, auf Platz fünf aller Landkreise in Bayern. Schon das ist beachtlich angesichts der Tatsache, dass Regionen wie der Landkreis Augsburg sich in der Rangliste deutlich dahinter befinden.

Betrachtet man die elektrische Nennleistung, liegt der Landkreis Donau-Ries sogar an erster Stelle in ganz Bayern. Das, erklärt Jörg Singer, Leiter der Bauabteilung im Landratsamt, liege daran, dass in der Region viele sehr große Anlagen angesiedelt sind.

Seit einigen Jahren stockt der Boom allerdings etwas. 2015 ist beim Landratsamt noch kein einziger Antrag für die Neuerrichtung einer Anlage eingegangen. Auch die Jahre zuvor sah es mau aus. „Insgesamt dürfte sich sagen lassen, dass in den letzten Jahren nur wenige Neuanlagen hinzugekommen sind“, sagt Singer. Woran liegt’s? Daran, dass die Bundesregierung 2012 ein Gesetz erlassen hat, sagt Quirrenbach. Ein Gesetz, das den Neubau von Anlagen, die Strom aus nachwachsenden Rohstoffen produzieren, unrentabel mache. Das damalige Erneuerbare-Energien-Gesetz sorgte für eine Kürzung der staatlichen Subvention für Biogas, der Einspeisevergütung. Bestehende Anlagen waren davon jedoch nicht in der Form betroffen.

Vermaisung der Landschaft? Das Stichwort ärgert Quirrenbach

Viele Betreiber rüsten seitdem um und beantragen beim Landratsamt, dass sie etwas an ihrer Biogas-Anlagen ändern dürfen. Sie stellen auf flexiblen Betrieb um. Das heißt konkret: Sie erweitern die Anlagen durch leistungsstärkere Motoren, Transformatoren und Gasspeicher.

Durch die Änderungen können die Betreiber Strom speichern und ins Netz einspeisen, sobald der Bedarf dazu vorhanden ist. Quirrenbach glaubt, dass das die Zukunft der Branche ist. „Wir brauchen nicht mehr Anlagen, aber wir müssen dafür sorgen, dass sie flexibel werden.“

Wenn es um Biogas geht, ist der Mais immer noch das große Reizthema. Mais, sagt Quirrenbach, sei für die Anlagen nun einmal die Pflanze mit dem höchsten Energieertrag. Dass der Biogas-Boom eine „Vermaisung der Landschaft“ hervorrufe, sei aber Quatsch. In den 1980ern, sagt er, sei der prozentuale Anteil der Maisfelder nicht viel geringer gewesen als heute. Das stimmt tatsächlich, zumindest im Kern. 1988 machte der Silomais, also der Mais, der sowohl zur Rinderfütterung als auch für Biogas-Anlagen benötigt wird, 23 Prozent der Ackerfläche im Landkreis aus, wie Hannes Geitner vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Nördlingen erklärt. Heuer sind es 29 Prozent. Keine dramatische Steigerung. Das liege aber auch daran, dass der Maisanbau für Rinderhaltung kontinuierlich zurückgeht. Dieser Rückgang sei durch den Biogas-Boom ab 2004 kompensiert worden. Quirrenbach findet dazu, man sei „flächenmäßig am Ende der Fahnenstange“, was nachwachsende Rohstoffe wie Mais angeht. Wenn zu viel landwirtschaftliche Fläche für die Energieversorgung veranschlagt werde, sagt er, sei das schädlich. Und auch nicht im Sinne der Biogas-Bauern.

i

Ihr Wetter in Nördlingen
30.06.1630.06.1601.07.1602.07.16
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Gewitter
	                                            Wetter
	                                            wolkig
                                                Wetter
                                                Gewitter
Unwetter15 C | 23 C
16 C | 26 C
10 C | 23 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Ein Artikel von
Jan Kandzora

Lokalredaktion Nördlingen
Ressort: Lokalnachrichten

Bauen + Wohnen

Unternehmen aus der Region


Adressen für Ihre Gesundheit2

Partnersuche