Dienstag, 23. Mai 2017

16. Mai 2017 00:35 Uhr

Kultur

Die Bücher im Feuer

In den Lesungen von Bürgern wurden diverse bekannte und betroffene Schriftsteller fokussiert

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In der früheren Synagoge in Hainsfarth wurde der Bücherverbrennung gedacht.
Foto: Mayer

Es waren nicht nur Bücher jüdischer Schriftsteller, die am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sind. Alle der damaligen Schergen, die Zweifel an den Zielen der Nazis unter Hitler äußerten oder dem vom Rassismus bestimmten Menschenbild widersprachen, wurden verfemt und ihre Bücher verboten. An sie wird alljährlich am Tag der Bücherverbrennung gedacht. In der Synagoge Hainsfarth kamen zwölf betroffene Schriftsteller zu Wort, durch die Lesung von ansässigen Bürgern, eingeleitet durch die „Feuersprüche“ der damaligen Schergen.

Den Dichter, den heutzutage fast jedes Kind kennt, nämlich Erich Kästner, stellten die Geschwister Diener mit seinem Gedicht „Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?“ eindeutig als Gegner der Aufrüstung vor und mit „Verdun, viele Jahre später“ als Mahner vor fatalem Heldentum. Henri Barbusse hatte den Ersten Weltkrieg als Freiwilliger lange an vorderster Front erlebt, was er in seinem „Kriegstagebuch“ beschrieb. Dieses Buch, das seine nunmehrige pazifistische Haltung erklärte, hielten die Nazis als wehrzersetzend und warfen es genauso ins Feuer wie Stefan Zweigs Novelle „Polyphem“, beide in Ausschnitten gelesen von Anton Bürzle und Peter Schiele. Zu diesen wegen ihrer Kriegsgegnerschaft verfemten Schriftstellern zählte auch Heinrich Mann, dessen Roman „Der Untertan“ das Mitläufertum der Obrigkeitshörigen, ohne Mut und Zivilcourage, in einem Lesebeitrag von Matthias Fritsche beschreibt.

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Jaroslav Hasek ist durch Filme und die Theateraufführung vom „Braven Soldat Schwejk“ nach dem Ersten Weltkrieg weltberühmt geworden. Haseks Desertation und das Überlaufen zu den Russen brachte ihm den Hass der Nazis ein. Bert Brecht und Komponist Kurt Weill thematisierten in der „Dreigroschenoper“ die Entlarvung einer korrupten Bourgeoisie. Mit dem Lied des rücksichtslosen Geschäftemachers und Bettlerkönigs Peachum „Der Mensch lebt von dem Kopf“ zeigten die „Nördlinger Musikanten“ eine unbekannte Seite ihres Musikspektrums, dazu Lieder aus den Konzentrationslagern, den „Ghettomarsch“, das „KZ-Lied“ und das „Buchenwaldlied“.

An den als „rasender Reporter“ bekannt gewordenen Erwin Kisch erinnerte Nördlingens Oberbürgermeister Hermann Faul in einer Lesung aus der Komödie „Schreib das auf, Kisch!“ Isaak Babel erwarb sich wegen seines idealistischen Glaubens an den Kommunismus die Ungnade der Nazis, Erich Maria Remarque wegen des angeblichen Verrats an den Soldaten des Ersten Weltkriegs im Roman „Im Westen nichts Neues“ woraus Gisela Eisenschink vorlas. Anni Leberle las aus Isaak Babels „Budjonnys Reiterarmee“. Mit dem Roman „Berlin Alexanderplatz“ wurde Alfred Döblin berühmt (Lesung von Stefan Rößle), war aber als Jude und Sozialist bedroht. Theodor Plivier fiel durch die Kritik an der kaiserlichen Kriegsmarine in Ungnade. Die Schilderung der Missstände war Hans Issler mit „Des Kaisers Kuli“ zugedacht, während Saskia Diener aus „Mussolini ohne Maske“ ein fiktives Interview mit der Frau Mussolinis las, womit Alfred Kurella vor der faschistischen Diktatur Mussolinis warnte.

Mit der Lesung Gabi Burgers aus dem „kunstseidenen Mädchen“ und dem jiddischen Lied „Auf em Wagen ligt dos Kelbl, gebundn mit am Strick“ von den „Nördlinger Musikanten“ endete der von Werner Eisenschink organisierte Leseabend. (emy)

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