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04. Januar 2011 21:35 Uhr

E10: Nicht jeder Motor macht mit

Nördlingen/Donauwörth Normalbenzin ist aus dem Alltag fast vollkommen verschwunden. An Tankstellen ist es kaum mehr verfügbar, stattdessen gibt es seit einigen Monaten zwei Superbenzin-Zapfsäulen. Von der EU beschlossen und vom Bundestag genehmigt werden voraussichtlich ab Februar dem herkömmlichen Ottokraftstoff zehn Prozent Bioethanol (E10) beigemischt. Es wird also noch eine dritte Säule geben. Von Helmut Bissinger

Die Einführung von E10 ist also politisch gewollt, aber nicht unumstritten. Der ADAC warnt vor technischen Folgen, die angeblich mehrere Millionen Fahrzeugbesitzer und rund eine Million Oldtimer betreffen könnten. Das Benzingemisch mit dem pflanzlichen Anteil dürften diese Fahrzeuge nicht vertragen.

Die Experten weisen darauf hin: Bereits nach einmaliger Anwendung kann der neue Kraftstoff eine Korrosion von Aluminiumteilen, wie zum Beispiel des Zylinderkopfs oder Teile der Kraftstoffpumpe verursachen. Nur Teflonbeschichtungen vertragen Ethanol, so die Kraftfahrzeug-Werkstätten. Aber Kunststoffe wie Leitungen und Dichtungen seien in Gefahr. Und was, wenn man doch den falschen Sprit getankt hat? "Auf keinen Fall den Motor starten", raten Kfz-Experten. In diesem Fall müsse das Benzin in der Werkstatt abgesaugt werden. In den Werkstätten klingelt in den letzten Tagen das Telefon vermehrt. Am anderen Ende sind Kunden, die sich vergewissern wollen, ob ihr Modell E10 schlucken kann. Die Auskunft: "85 Prozent aller Fahrzeuge sind geeignet." Ein wichtiger Rat der Kfz-Fachleute: Alle, die vor 2008 eine Standheizung einbauen haben lassen, sollten sich dringend bei ihrer Werkstatt erkundigen.

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Bemühungen, mit der Einführung des E-10-Sprits den CO2-Ausstoß zu verringern, lehnt Manfred Seel ab. Er ist Großhändler und beliefert 30 Tankstellen. Seine Gründe basieren nicht nur auf den Mehrkosten für die Autofahrer, er fürchtet auch Zwangsrodungen, um Platz für den Anbau der pflanzlichen Energielieferanten zu gewinnen. Hier ist der Bäumenheimer Kreisrat der DSÖF-Fraktion einer Meinung mit der Grünen-Politikerin Barbara Lochbihler, Mitglied des Europäischen Parlaments. "Die Produktion darf weder direkt noch indirekt neues Land zerstören oder die Ernährungssicherheit der Menschen vor Ort angreifen", wiederholt sie immer wieder. Hauptsächlich Ölsamen, Palmöl, Zuckerrohr sowie Zuckerrüben seien die Energielieferanten. Dafür wurden Tausende Quadratkilometer Land benötigt, das an anderer Stelle dazu führe, dass Land zerstört wird, weil die Menschen für ihre Ernährung neues Land kultivieren müssen. Auch Manfred Seel spricht von einem Etikettenschwindel. "Denn bisher ist umstritten, dass es sich dabei wirklich um ökologisch sinnvolle Energiegewinnung handelt." In einem Brief an alle seine Händler hat er den Sachverhalt klargestellt und sie über die Situation und darüber, informiert, dass die Raffinerien E10 voraussichtlich erst ab Februar liefern können. Dass der ADAC, der bislang gegen die Einführung des E10-Benzingemisches war, sich nun den EU-Plänen und dem Bundestagsbeschluss beugt, ärgert die Tankstellenbesitzer, wie Seel aus Gesprächen mit seinen Kunden weiß. Der Tenor: "So wird der kleine Mann gezwungen, entweder noch teurer zu tanken, nämlich Super Plus, oder er muss sich nach einem neuen Wagen umschauen, der diesen E10-Sprit verträgt." Allgemein erwartet die Branche, dass der neue E10-Superbenzin teurer wird. Damit er sich trotzdem verkauft, wird dann wohl auch an der Preisspirale gedreht. Das bisherige Superbenzin (in welcher Konfigurierung auch immer) wird also teurer werden, damit der Autofahrer E10 tankt.

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