Sonntag, 22. Oktober 2017

11. August 2017 18:00 Uhr

Steinhart

Ein Schmuckstück ist der Arbeit Lohn

Mit dem Erwerb ihres Hauses aus dem 18. Jahrhundert erfuhren Ilona und Matthias Fritzsche alle Freuden und Leiden, die das Abenteuer Altbausanierung mit sich bringt. Von Anne Söllner

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Als engagierte Bauleute rückten Ilona und Matthias Fritzsche aus Steinhart im Jahr 2010 in den Blick der Öffentlichkeit, denn sie wurden mehrfach für die Instandsetzung ihres Hauses aus dem 18. Jahrhundert ausgezeichnet, in dem über mehrere Generationen die jüdische Familie Heymann gelebt hatte. Inzwischen genießen sie das Ergebnis ihrer langjährigen Arbeit, auch wenn Baustellen bis heute dazugehören.

Als die beiden vor vielen Jahren den Entschluss für die eigenen vier Wände fassten, war von vorneherein klar, dass ein Neubau nicht in Frage kam. Viel zu wichtig für die Wohnqualität war der naturverbundenen Sozialpädagogin eine idyllische Lage und ein schöner Blick aus dem Fenster. Und auch ihr Ehemann sagt über sich: „Ich arbeite lieber kreativ mit etwas bereits Vorhandenem, als etwas gänzlich Neues zu erschaffen.“ Die dahinter stehende Wertschätzung für die Arbeit früherer Generationen zieht sich deshalb wie ein roter Faden durch den Altbau, den sie 1999 erworben und in vielen Jahren hergerichtet haben. So fand etwa eine Tür, die wegen ihrer geringen Originalhöhe als Zimmertür nicht in Frage kam, an anderer Stelle Verwendung als seitlicher Abschluss des Treppenaufgangs. Sogar die Schamottsteine im Kaminofen erfuhren eine zweite Würdigung, denn sie stammen ursprünglich von einem alten Brotbackofen aus dem benachbarten Hüssingen.

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Lehmverputzte Wände und charaktervolle Holzböden verleihen den Räumen eine schlichte Schönheit und die „Schokoladenseite“ des Hauses, wie Matthias Fritzsche sie nennt, öffnet sich nach den Plänen ihres Architekten Fritz-Peter Weinberger aus Wemding durch ein großzügiges Treppenhaus und überdachte Freisitze auf jedem Stockwerk, mit Blick auf den nahen Waldrand. Doch was sich heute so harmonisch und gelungen präsentiert, hatte für die beiden „Bauherren“ auch seinen Preis. Das alte Gemäuer bot manche Herausforderung für starke Nerven, zumal die Baustelle gleichzeitig auch Wohnung war, zunächst im 2. Stock, während das Erdgeschoss hergerichtet wurde. Ilona Fritzsche erinnert sich gut an den ersten Winter dort, denn er war vor allem kalt: „Als ich versehentlich einen Eimer mit Wasser umstieß, kam ich nicht einmal zum Aufwischen, denn es gefror auf der Treppe sofort zu Eis.“

12.000 Arbeitsstunden in Eigenleistung

Matthias Fritzsche, als Krankenpfleger nicht eben vom Fach, erwarb sich im Bauarchiv des Landesamtes für Denkmalpflege in Thierhaupten sein Wissen über alte Materialien und deren Verarbeitung, und mit über 12.000 Arbeitsstunden in Eigenleistung trugen beide einen erheblichen Anteil zum Gelingen ihres Bauvorhabens bei. Durchleben wollten sie diese Zeit nicht mehr, doch bereut haben sie ihr Vorhaben nie, denn sie schätzen es sehr, dabei auch viel gelernt und neue Menschen getroffen zu haben, die ihnen weiterhalfen. Mit einem von ihnen unterhält Matthias Fritzsche heute einen Handel mit alten Baumaterialien, und seine Begeisterung für alte Bautechniken setzte er sogar unter seiner neuen Garage um, mit der Errichtung eines Gewölbekellers aus Ziegelsteinen.

Die Wiederaufnahme ihres Hauses in die Denkmalliste, aus der es 1982 gestrichen worden war, war für das Paar ein konsequenter Schritt. 2009 erhielt es einen Denkmalschutzpreis des Bezirks Schwaben und wurde 2010 mit der Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet.

Inzwischen hat sich der Trubel gelegt, nur noch gelegentlich kommen Radfahrer vorbei, um den Bau zu besichtigen. Auch Pilger stoßen auf das Anwesen, denn es liegt direkt am Jakobsweg. Im Garten steht ein Schäferwagen, der den Reisenden zum Übernachten zur Verfügung steht. Wer es etwas komfortabler mag, findet Unterkunft in der idyllischen Einliegerwohnung des Hauses und kann das Abenteuer Altbausanierung, das sich einst darum herum abspielte, wirklich nur noch erahnen.

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Wemding | Thierhaupten | Jakobsweg

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