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16. Juni 2008 19:45 Uhr

Facharzt: Nähe zum AKW erhöht Gefahr von Kinderkrebs

Harburg (RN) - Kinder, die in der Nähe eines Atomkraftwerkes (AKW) leben, erkranken häufiger an Krebs. Zu diesem Ergebnis kam im Dezember vergangenen Jahres eine Studie, die Reinhold Thiel, Facharzt für Allgemeinmedizin und Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, in einem Vortrag der Kreisgruppe Donauwörth des Bund Naturschutzes in Harburg vorstellte.

Facharzt: Nähe zum AKW erhöht Gefahr von Kinderkrebs
Foto: ALFA

Eingangs stellte Thiel klar, dass es ihm um eine wissenschaftliche Darstellung der Probleme und nicht um Stimmungsmache gehe. Aber er betonte auch die Notwendigkeit, jetzt zu handeln, um weiteren Erkrankungen vorzubeugen.

Radius von 50 Kilometer

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Durch die ausführliche Darlegung der Arbeitsweise und der Hauptfragestellung, nämlich dem Zusammenhang zwischen den radioaktiven Emissionen aus AKWs und dem Auftreten von Krebserkrankungen bei Kleinkindern, konnte Thiel deutlich machen, welch hohen Aussagewert die Studie hat. Nach dem Ausschluss aller denkbaren Störfaktoren und anderen Ursachen für eine Krebserkrankung kommt sie zu dem eindeutigen Ergebnis: Für Kleinkinder besteht eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit an Krebs oder Leukämie zu erkranken, wenn sie in einem Radius von 50 Kilometern zum AKW wohnen. Diese erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit hat die Studie mit 60 Prozent bei Krebs- und 120 Prozent bei Leukämieerkrankungen belegt. Reinhold Thiel bringt es so auf den Punkt: "Jedes Jahr erkranken fünf bis zwölf Kinder zusätzlich an Krebs und Leukämie, nur weil sie in der Nähe eines AKWs wohnen."

Als Konsequenzen der Studie ergeben sich für ihn: Eine aktualisierte Risikoabschätzung und Grenzwertdiskussion für Strahlenbelastung auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und zum Schutz der betroffenen Menschen, eine Umkehrung der Beweislast zugunsten der Betroffenen sowie eine schnellstmögliche Abschaltung der AKWs, um weitere Neuerkrankungen zu verhindern.

Diese Forderungen trafen unter den Anwesenden auf breite Zustimmung und erfahren angesichts neuester Störfälle im tschechischen AKW traurige Aktualität. In einer anschließenden Diskussion äußerten die Zuhörer ihren Unmut über die bewusste Verschleierungs- und Hinhaltetaktik der Politik, welche die Folgerungen aus der Studie nicht konsequent umsetze. Auch die Information, dass in den vergangenen zehn Jahren sechs von sieben Lehrstühlen für Strahlenbiologie an deutschen Universitäten geschlossen wurden, stieß auf Unverständnis. Eine dringend benötigte weitere Forschung zu diesem Thema werde Thiel zufolge damit erheblich gebremst.

Briefe an Umweltminister

Der Bund Naturschutz (BN) unterstützt die Ulmer Ärzteinitiative sowie die Forderungen des Forums gegen das Zwischenlager Gundremmingen. Außerdem möchte der BN die Öffentlichkeit zur Initiative anregen: Auf der Homepage www.donauries.bund-naturschutz.de kann ein Appellbrief an Umweltminister Sigmar Gabriel heruntergeladen werden. Reinhold Thiel ist überzeugt von der Wirksamkeit solcher Protestbriefe, da es ebenfalls dem Aufruhr der Öffentlichkeit zu verdanken gewesen sei, dass nach anfänglicher Ablehnung der Regierung die Studie überhaupt in Auftrag gegeben wurde.

Weitere Informationen und Anregungen zum Protest gibt die Kreisgruppe Donau-Ries des Bundes Naturschutz in ihrer Geschäftsstelle in der Heilig-Kreuz-Straße 15, unter der Telefonnummer 0906/23638 und unter der E-Mail-Adresse donauries@bund-naturschutz.de.

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