Freitag, 28. Juli 2017

22. Juni 2017 11:27 Uhr

Donau-Ries

Gefahr vor Waldbränden: Auf der Suche nach Rauch am Horizont

Seit Tagen ist es trocken und heiß. Dadurch steigt die Gefahr von Waldbränden. Wie zwei Ehrenamtler die Luft in der Region überwachen.

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Glück gehabt: Aus der Entfernung sah die Staubwolke, die aus einem Steinbruch bei Stillnau im Landkreis Dillingen aufsteigt, wie eine Rauchsäule aus.
Foto: René Lauer

Die Sonne brennt auf den Asphalt des Flugplatzes in Genderkingen (Kreis Donau-Ries). Ein startender Helikopter wirbelt den ausgetrockneten Boden auf und hinterlässt beim Aufstieg eine Staubwolke, die zwei Beobachter zum Keuchen bringt. 32,5 Grad Celsius zeigt das Thermometer, das an der Gaststätte des kleinen Flughafens bei Donauwörth hängt.

Seit Tagen hat es nicht mehr geregnet. Der Deutsche Wetterdienst warnt wegen der andauernden Hitzewelle vor erhöhter Waldbrandgefahr. Für Teile der Region gelten seit Dienstag sogar die höchsten Warnstufen vier und fünf. Die Regierung von Schwaben lässt betroffene Landkreise deshalb seit Anfang der Woche aus der Luft kontrollieren. Erfahrene Piloten und Luftbeobachter sind geschult darauf, mögliche Brandgefahren zu erkennen. So wie Peter Kleiner.

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In der Genderkinger Flughalle prüft der 70-Jährige seine Maschine. Der Tank ist voll, der Motor läuft. "Alles bestens." Kleiner lehnt sich an die Tragfläche und grinst zufrieden. Seit 40 Jahren ist der ehemalige Polizeibeamte in der Luft unterwegs, erzählt er, zieht seine blaue Kappe vom Kopf und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Waldbrände erkennen, das könne er gut. Trotzdem ist er wie an diesem Nachmittag in der Regel gemeinsam mit einem Luftbeobachter unterwegs. Vier Augen würden eben mehr sehen als zwei. Heute ist Rudi Siegel sein Partner. Die beiden hätten schon viele Flüge gemeinsam unternommen, dabei einige Waldbrände entdeckt.

"Bisher noch nichts Verdächtiges"

Siegel ist seit zehn Jahren Flugbeobachter, der Nördlinger hat selbst einen Pilotenschein. Nachdem er seine Geräte ins Cockpit geladen hat, fährt Kleiner die Propellermaschine aus dem Hangar. "Die Startbahn ist schön warm, das nutze ich aus", sagt der Pilot und schiebt einen Hebel bis zum Anschlag nach vorne. Das kleine Flugzeug reagiert prompt. "Eine Dieselmaschine mit Turbolader, die zieht uns ohne Probleme bis auf 10.000 Meter", ruft Kleiner durch das Mikrofon und lacht.

Die Lüfte sind heute ruppig, darauf hatte der 70-Jährige vor dem Start noch hingewiesen. Während Kleiner das Flugzeug gen Himmel manövriert, tanzt es nach links und rechts, nach oben und unten, wie ein Gummiball, der von zwei Füßen hin und her getreten wird. Nach wenigen Sekunden streckt der Pilot seine beiden Hände zur Decke. "Das macht alles der Autopilot, ich kann auch nichts dafür", sagt er und lacht.

Von Donauwörth aus steuert Kleiner die Maschine nach Wemding, von dort aus Richtung Rieskrater. "Bisher noch nichts Verdächtiges", sagt Rudi Siegel. Er hält Ausschau nach Rauchsäulen in den Wäldern. Entdeckten die beiden ein Feuer, würde der Pilot nach unten ziehen, um die Stelle genauer zu begutachten. Nebenbei prüfen die Experten Wälder auch auf Borkenkäferbefall. "Dort sieht man braune Baumwipfel", sagt Siegel und zeigt nach rechts. Das sei ein Anzeichen für das Ungeziefer.

"Wir nehmen den Weg übers Stadion", sagt der Pilot

Über Nördlingen hinweg fliegt Kleiner das Flugzeug in Richtung Kesseltal im Süden. "Da hinten ist etwas", ruft Siegel, "auf zehn Uhr." Am Horizont steigt Rauch auf, kaum zu erkennen. Der Luftbeobachter zückt das Funkgerät. Doch von der Leitstelle kommt keine Antwort. "Ich gehe näher ran", meint Kleiner. Der Pilot greift zum Steuerknüppel und zieht die Maschine nach links. Als das Flugzeug die Rauchsäule erreicht hat, kann Siegel Entwarnung geben. "Ah, nur ein Steinbruch." Der Flugbeobachter atmet tief durch. Bei der vermeintlichen Rauchsäule handelt es sich um aufgewirbelten Staub. Kleiner bringt die Maschine wieder auf Kurs nach Süden.

Während sich vor dem Flugzeug die Kühltürme des Gundremminger Atomkraftwerks abzeichnen, erzählt der Pilot, dass allein Glasscherben bei dieser Hitze einen Waldbrand auslösen könnten. Erst kürzlich habe es deshalb an einem Bahndamm in der Region gebrannt.

Auch den Sektor um Augsburg übernehmen die Piloten aus dem Landkreis Donau-Ries. Früher habe es dort eigene Flugbeobachter gegeben, "aber die Kollegen dort sind alle schon etwas in die Jahre gekommen", scherzt der 70-jährige Kleiner. Er und Siegel sind ehrenamtlich für die Regierung von Schwaben unterwegs. Auch in Illertissen und Kempten starten Flugzeuge zur Waldbrandüberwachung. "Wir nehmen den Weg übers Stadion", sagt der Pilot und deutet nach rechts. "Da hinten braut sich etwas zusammen." Kleiner runzelt die Stirn. Die Silhouette der Berge zeichnet sich im Süden ab, darüber hängen dunkelgraue Wolken.

Über Aichach geht es wieder nach Norden, zurück nach Donauwörth. Die Verbindung zur Leitstelle, an die die Waldbrände übermittelt werden, steht noch immer nicht. "Wir können Gefahren aber auch über den Flugfunk oder zur Not über das Handy melden", sagt Siegel. Doch bis der Flugplatz in Genderkingen wieder in Sichtweite ist, bleibt es ruhig. Kleiner schlägt einen Linksbogen und macht sich zur Landung bereit. Mit einem Ruck setzt das Flugzeug auf der Landebahn auf. Die Maschine parkt der 70-Jährige direkt neben der Tanksäule. Denn nach einer Verschnaufpause geht es zum nächsten Kontrollflug. Dieselbe Route noch einmal. Ihre Aufgabe nehmen sie ernst. "Das ist Ehrensache", sagt der Pilot.

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Ein Artikel von
René Lauer

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Ressort: Lokales

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