Montag, 21. August 2017

19. April 2013 06:51 Uhr

Vortrag

Gezeichnet für die Ewigkeit

Max Mannheimer ist einer der letzten Holocaust-Überlebenden. In der Synagoge in Hainsfarth sprach er über seine Erlebnisse

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„Wir sind nicht verantwortlich für das, was geschehen ist. Sondern für das, was geschehen wird.“ Max Mannheimer sprach in der ehemaligen Synagoge in Hainsfarth.
Foto: Madeleine Schuster

Hainsfarth Die tiefen Furchen in seinem Gesicht, die Schwielen an seinen faltigen Händen, die gebrochene Stimme, mit der er spricht: Die Zeit hat tiefe Spuren in Max Mannheimers Leben hinterlassen. Ein Leben, das gekennzeichnet war von Angst und Verfolgung, von Zufällen und Schicksalen, von Leiden und Tod. Seine Arbeit als Zeitzeuge, so sagt er, sei auch eine Art Therapie für sich selbst. Als einer der letzten Holocaust-Überlebenden sprach der 93-Jährige am Mittwochabend in der Synagoge in Hainsfarth über seine Erlebnisse während der Nazi-Zeit. Eine dramatische, bedrückende, aber dank Mannheimers Naturell so trotzig lebensbejahende Geschichte.

Er sei nicht einmal 23 Jahre alt gewesen, als das, was er sein erstes Leben nennt, zu Ende ging. „Am 27. Januar 1943 wurde ich mit meiner Familie ins KZ Theresienstadt deportiert“, erinnert sich Mannheimer. Von da an habe ein neues, grausames Leben begonnen: im KZ Theresienstadt, im KZ Warschau und im KZ Dachau, das von den acht Familienmitgliedern nur er und sein Bruder Edgar überlebten. Immer wieder rezitiert er einzelne Passagen aus seinem Buch „Drei Leben“, das er erst im vergangenen Jahr veröffentlicht hatte.

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Wenn Mannheimer spricht, ist es nicht nur seine Geschichte, die die Zuhörer in den Bann zieht. Die Geschichte von der grenzenlosen Unmenschlichkeit im Lager, von der Todesangst bei der täglichen Selektion und von dem Moment, als er seinen kleinen Bruder zum letzten Mal sah. Es ist auch die Art, wie er erzählt – sein Charme und sein Witz, die hinter all den erlebten Grausamkeiten immer wieder zum Vorschein kommen. Ob seine Krawatte auch gut sitze, bei all den Fotos, will er wissen. Sein Ausdruck ist mild, seine Stimme bestimmt: Er wirkt anmutig, aber nicht traurig. Streng, aber nicht wütend. Emotional, aber nicht klagend.

„Ich bin als Zeuge der Zeit unterwegs, nicht als Ankläger oder Richter“, betont Mannheimer. Überhaupt freue es ihn sehr, dass so viele Menschen gekommen seien. Beeindruckend vor allem, dass viele Jugendliche den Weg in die Synagoge gefunden haben: „Die heutige Urenkelgeneration will wirklich wissen, was passiert ist“, sagt er. Wenn er den jungen Menschen in seinen Vorträgen etwas mit auf den Weg geben wolle, dann der Glaube an Freiheit und Humanität: „Wir sind nicht verantwortlich für das, was geschehen ist. Sondern für das, was geschehen wird.“

Er selbst habe lange Zeit gebraucht, bis er über seine Erlebnisse im KZ sprechen konnte. Erst 1964, nach dem Tod seiner Ehefrau, und als er sich selbst todkrank wähnte, habe er die Kraft gefunden, seine Erinnerungen für die Nachwelt festzuhalten. „Nach einer Kieferoperation dachte ich, ich hätte Krebs“, erzählt er. Letztlich sei es Zufall gewesen, dass sein Arzt jedes Mal vergessen habe, ihm die positiven Befunde zu bringen.

Mannheimer spricht gerne und oft von solchen Zufällen. Dass er sich nach Kriegsende ausgerechnet in eine Deutsche verliebte – Zufall. Dass er aus Liebe nach Deutschland zurückkehrte, obwohl er den festen Vorsatz hatte, nie wieder „das Land der Täter“ zu betreten – Zufall. Dass er just in diesem Moment, am 17. April 2013, hier in Hainsfarth stehe – Zufall.

Er erinnert sich an jedes Datum, jeden Moment. Die Zeit scheint sich eingebrannt zu haben in Max Mannheimers Leben. Eingebrannt, wie die dunkelblauen, dicken Ziffern auf seinem linken Unterarm: 99728, Synonym für den unmenschlichen Massenmord im Lager in Auschwitz. Eine Nummer, die ihn zeichnet für die Ewigkeit. Seinem Publikum zeigt er sie ganz nebenbei.

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Hainsfarth | Deutschland

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Ein Artikel von
Madeleine Schuster

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