Montag, 23. Oktober 2017

17. April 2017 18:00 Uhr

Naturschutz

Grasäcker und sterile Gärten sind ihm ein Graus

Rudolf Schubert aus Feldheim war 21 Jahre lang Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Während dieser Zeit hat sich aus seiner Sicht einiges zum Positiven geändert. Andere Entwicklungen bereiten ihm große Sorgen.

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Er kämpft seit langer Zeit für die Umwelt: Rudolf Schubert, hier in seinem – selbstverständlich naturnahen – Garten. Nach 21 Jahren gab der Feldheimer sein Amt als Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz ab.
Foto: Wolfgang Widemann

Die Natur hat Rudolf Schubert schon als Kind fasziniert. „Das habe ich von meinem Vater und von meinem Onkel ins Blut gekriegt“, sagt der inzwischen 61-Jährige. Der eine sei Jäger gewesen, der andere Forstamtsleiter. Als kleiner Bub war Schubert, der in Niederschönenfeld aufwuchs, „immer draußen“. Damit meint er die Fluren und Wälder um seinen Heimatort an der Mündung des Lechs in die Donau.

Bereits in jungen Jahren trat Schubert dem Bund Naturschutz (BN) bei – aus Verbundenheit mit der Tier- und Pflanzenwelt: „Ich habe früh mitgekriegt, dass die Natur kaputtgeht.“ Dass Heideflächen und Hecken verschwanden, habe er schon als Zwölfjähriger registriert – und gedacht: „Da muss man etwas tun.“ Bald war Rudolf Schubert Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Rain, dann engagierte er sich auch im Kreisverband. Rund 21 Jahre führte er diesen als Vorsitzender. Nun gab Schubert dieses Amt ab. Seine persönliche Bilanz: Vieles hat sich zum Guten gewendet, aber die Natur wird nach wie vor von vielen Seiten bedrängt und gefährdet.

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Erfreut zeigt sich Schubert, der beruflich als Mittelschullehrer tätig ist, darüber, wie sich die BN-Kreisgruppe entwickelt hat: Die zählt etwa 1900 Mitglieder und zehn Ortsgruppen von Rain bis Oettingen: „Immer wieder stoßen neue, gute Leute zu uns.“

Als beachtenswerten Erfolg wertet der langjährige Vorsitzende die Heide-Allianz. Durch Schäfer und gezielte Aktionen will der BN zusammen mit dem Landkreis sowie der Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried und dem Rieser Naturschutzverein – zu diesen beiden Vereinen pflege man ein äußerst harmonisches Verhältnis – die für die Region charakteristischen Trockenrasenflächen erhalten. Beim Streuwiesenprojekt im Donautal nahm der BN im Raum Tapfheim viele Flächen in Pflege und kaufte auch welche an. Der Erhalt der Mertinger Höll mit ihren besonderen Tieren (unter anderem Wiesenbrüter) und Pflanzen (zum Beispiel Moorveilchen) sei ein Großprojekt des Bund Naturschutz in Bayern. Über 100 Hektar gehören mittlerweile der Organisation.

Man habe in den vergangenen Jahrzehnten aber auch viele Krötenzäune aufgestellt, Tümpel angelegt und Fledermausquartiere geschaffen. Als positiv wertet Schubert zudem, „dass wir über bestimmte Sachen gar nicht mehr reden“. So sei die Mülltrennung heute selbstverständlich, Donauwörth habe eine Fußgängerzone und die Tiefflugzone der Luftwaffe sei Vergangenheit. Schubert begrüßt natürlich auch die Energiewende, die eingeleitet wurde: „Wir sind da noch nicht durch, haben aber den richtigen Weg eingeschlagen.“

Die Agrarwende habe man hingegen noch nicht geschafft. Der BN-Funktionär wirkt tief besorgt, als er näher darauf eingeht: Es müsse sich bei der Landwirtschaft dringend etwas ändern. Das bisherige System produziere nur Verlierer. Futtermittel würden in großen Stil beispielsweise aus Brasilien importiert. Dafür würden dort die Urwälder zerstört. Das Gensoja werde dann in Deutschland und damit auch im Donau-Ries-Kreis in der Massentierhaltung verfüttert. Letztere sorge dafür, dass das Trinkwasser zunehmend mit Nitrat belastet werde. Gleichzeitig gingen die kleinen Bauern zugrunde.

Dies sei eine „völlig verfehlte Agrarpolitik“, kritisiert Schubert. Man müsste die Subventionsgelder anders verteilen. Die Überschussproduktion koste den Steuerzahler eine Menge Geld. Mit Exportsubventionen würden Güter nach Afrika geschafft und ruinierten dort die Landwirtschaft, weil die Produkte aus Europa billiger seien.

Die Auswirkungen seien für die Ökologie in Deutschland ebenfalls fatal: Derzeit werde Grünland immer intensiver bewirtschaftet: „Es gibt bald keine Wiesen mehr, sondern nur noch Grasäcker. Weniger Pflanzenarten bedeuten weniger Insekten, weniger Vögel.“

Mit Sorge beobachtet Rudolf Schubert auch einige andere Entwicklungen in der Region. Er nennt „den Trend zum sterilen, sauberen Garten mit Kiesbeet und Krüppelkonifere“. Die Artenvielfalt nehme dadurch quasi direkt vor der Haustür ab. Vor einigen Jahren seien die Gärten allgemein noch naturnäher geworden, jetzt gehe es wieder in die andere Richtung. Ebenfalls bedenklich ist laut Schubert, dass große Bäume entfernt werden, weil sie „Dreck machen“. Schubert selbst lässt in seinem Garten in Feldheim der Natur freien Lauf. Zwischen Obstbäumen gedeihen momentan Schlüsselblumen, Buschwindröschen und Lerchensporn.

Den Naturschützer ärgert, dass der Flächenfraß in der Region weiter anhält. Die Stadt Rain habe in ihrem Flächennutzungsplan weitere 70 Hektar als Sonder-, Industrie-, Gewerbe- und Wohngebiet deklariert. Für die Umgehungsstraße von Nördlingen seien viele Flächen geopfert worden.

In seiner Tätigkeit als Kreisvorsitzender hatte Schubert viel Kontakt mit Behörden, musste Stellungnahmen abgeben und Gespräche führen. Der BN sei mittlerweile bei den Fachbehörden anerkannt, „weil wir konsequent parteipolitisch neutral sind“, erklärt der 61-Jährige. Man arbeite „sachlich, aber auch oft unbequem“. Der BN achte darauf, dass die geltenden Naturschutzgesetze eingehalten werden – „wir wollen nicht mehr und nicht weniger“. Leider sei zunehmend festzustellen, dass die Vorgaben immer wieder „durch politischen Druck bis hin zur Unkenntlichkeit verwässert werden“.

Auch wenn er als Kreisvorsitzender abgetreten ist, will Rudolf Schubert weiter für die Natur kämpfen: „Ich bleibe voll dabei.“ Er ist nun neben Alexander Helber (Tapfheim) stellvertretender Vorsitzender – „weil es noch sehr viel zu tun gibt“.

In die Natur zieht es Schubert übrigens noch immer. Viele Stunden verbringt er am Lechstausee nahe Feldheim. In dem Schutzgebiet zählt er für das Landesamt für Umwelt regelmäßig Wasservögel.

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Ein Artikel von
Wolfgang Widemann

Donauwörther Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten Donauwörth

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