Sonntag, 19. November 2017

31. Mai 2011 00:06 Uhr

Hainsfarth

Heimat der Vorfahren

Besuch der Familie Steinharter aus Israel

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Die Besuchergruppe aus Israel am Eingang der ehemaligen Hainsfarther Synagoge mit (von links) der Vorsitzenden des Freundeskreises Sigrid Atzmon, Gerhard Wittig, Bürgermeister Franz Bodenmüller und Gerhard Beck.
Foto: privat

Hainsfarth Einige Wochen organisierte Rabbiner David Schmiedel aus der Nähe von Tel Aviv eine Reise nach Deutschland und knüpfte hierzu auch verschiedene Kontakte ins Ries. Dabei besuchten Angehörige der Familie Steinharter aus Israel auch die Heimat der Vorfahren in Hainsfarth.

Schmiedel war mit seiner Frau Fanny, einer geborenen Steinharter, Sohn, Schwager Aron Steinharter und einem Begleiter angereist. Der Vater von Fanny und Aron war Elieser Steinharter, 1910 in Hainsfarth geboren. Die Familie war seit Generationen in dem Nordriesdorf ansässig und trieb hier Handel.

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Rückblick

Bereits vor dem Krieg hatte einer der Söhne einen Pkw und einen Auslands-Reisepass und in den 1930er Jahren übernahm Familienvater Bernhard Steinharter auch zeitweise die Leitung der inzwischen stark geschrumpften Israelitischen Gemeinde in Hainsfarth.

Nach der sogenannten Reichskristallnacht im Herbst 1938 wurde auch das Vermögen der Hainsfarther Juden beschlagnahmt mitsamt ihrem damals noch seltenen Auto. Die Lage der Juden in Deutschland wurde immer gefährlicher und so beschloss auch die Familie Steinharter die Auswanderung.

Die guten Handelskontakte ermöglichten die Flucht des Vaters mit seinen vier Söhnen und später auch die Ausreise der Mutter mit den beiden Töchtern. Die Familie fand in Palästina und den USA eine neue Heimat, besuchte mit ihren zahlreichen Nachkommen aber immer wieder die alte Heimat.

Besonders die Restaurierung der Hainsfarther Synagoge – zustande gekommen auf Initiative des früheren Bayerischen Wirtschaftsministers Anton Jaumann und den Rieser Nachrichten – begleiteten die Steinharters mit großer Begeisterung. Der Fund der alten Hainsfarther Thora-Rolle – vom damaligen Bürgermeister Wiedemann vor Übergriffen der Nazis gerettet – und ihre Übergabe an die Familie Steinharter in Israel durch Bürgermeister Engelhardt war ein weiterer Höhepunkt. Mit Meier Steinharter, vor Kurzem mit 100 Jahren verstorben, ist der letzte Angehörige der Hainsfarther Familie Steinharter und damit auch der letzte in Hainsfarth geborene Jude verschwunden. Es blieben aber die vielen Nachfahren. Umso bewegender war für diese die Reise in die Heimat der Vorfahren. Auf dem israelitischen Friedhof wurden als Erstes die Gräber der Familie aufgesucht. Der Hainsfarther Judenfriedhof ist sehr gepflegt und nahezu komplett erhalten. Jedoch geht auch an den Grabsteinen die Zeit nicht spurlos vorüber. So ist derzeit eine Sicherung und Sanierung der Gräber in Vorbereitung.

Nachmittagsgebet

Die nächste Station der Gruppe war die renovierte ehemalige Synagoge. Dort verrichtete die kleine Reisegruppe strenggläubiger Juden auch ihr Nachmittagsgebet. Danach stießen auch Hainsfarths Bürgermeister Franz Bodenmüller, Sigried Atzmon vom Freundeskreis der Synagoge und Gerhard Beck, Verfasser der Hainsfarther Chronik, zu der Gruppe. Dabei wurden Geschenke und Informationen ausgetauscht.

Ehemaliges Wohnhaus

Als letzte Station in Hainsfarth machte man sich zum ehemaligen Wohnhaus der Familie Steinharter in der Hauptstraße auf. Das Haus hatte nach der Flucht einen mehrfachen Besitzwechsel erlebt und ist mit einem Nachbarhaus zusammengebaut. In diesem wohnt noch heute Lydia Stangenberg, die ebenfalls angetroffen wurde. Sie kann sich noch gut an die jüdische Nachbarfamilie erinnern und erzählte einige Geschichten. Sie ist eine geborene Griesbauer und in diesem Haus 1931 geboren. Als kleines Kind war sie öfter bei den Steinharters.

Am Tag vor der Flucht 1938 kam Frau Steinharter noch zur Nachbarin und trug ihr auf, im Falle einer Nachfrage zu sagen, dass die Familie „verreist“ sei. Der Frühstückstisch wurde extra so belassen, damit der Eindruck entstand, dass die Familie nur kurz weggegangen sei.

Der Besuch der Israeliten machte deutlich, dass die Zahl der Zeugen aus dieser schlimmen Zeit immer geringer wird und es an den Nachkommen in Deutschland und Israel liegt, das Andenken an diesen Teil unserer Geschichte zu bewahren. (gb)

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