Anfang März ist Nikolas Hubel für ein Wochenende nach Frankfurt an der Oder gereist. In einem grünen T-Shirt. Am Bahnhof dort traf er andere Leute in grünen Klamotten. Mit denen machte er dann zwei Tage lang lustige Spiele, entwickelte ein Theaterstück und stellte seinen Teamgeist unter Beweis. Einige Tage später klingelte bei dem Nördlinger das Telefon - und ein Traum ging in Erfüllung.
Nördlingen Anfang März ist Nikolas Hubel für ein Wochenende nach Frankfurt an der Oder gereist. In einem grünen T-Shirt. Am Bahnhof dort traf er andere Leute in grünen Klamotten. Mit denen machte er dann zwei Tage lang lustige Spiele, entwickelte ein Theaterstück und stellte seinen Teamgeist unter Beweis. Einige Tage später klingelte bei dem Nördlinger das Telefon - und ein Traum ging in Erfüllung: "Das Warten auf den Anruf war die Hölle. Als er kam, bin ich ausgeflippt", sagt Nikolas Hubel, der im August nach Chile fliegen wird, um dort seinen Zivildienst abzuleisten.
Nikolas baut einen Spendenkreis auf
Bis er ins Flugzeug steigt, kann er sich allerdings nicht auf die faule Haut legen. Zum einen stehen noch zwei Vorbereitungstreffen im Terminkalender. Zum anderen muss der 20-Jährige Spenden sammeln. Und zwar nicht, um notleidenden Menschen zu helfen, sondern um selbst helfen zu können: Die Trägerorganisation "Alegro", die Freiwilligendienste im Ausland vermittelt und organisiert, wird zwar vom Bund gefördert, kann aber nicht sämtliche Kosten für Flug, Versicherung und Verpflegung bezahlen. "Das heißt, ich muss den Rest, rund 4500 Euro, über einen Spenderkreis finanzieren", erklärt Nikolas Hubel. "Ich kann schließlich nicht verlangen, dass ich in einem Entwicklungsland Geld für meine Arbeit bekomme." Wo er um eine kleine Finanzspritze bitten könnte, darüber hat er sich schon allerlei Gedanken gemacht: bei Verwandten, Bekannten, Freunden, bei Nördlinger Firmen und eventuell bei der Stadt. "Wobei die Leute nicht nur Geld spenden, sondern an meiner Erfahrung teilhaben sollen." Er hat deshalb vor, regelmäßig, etwa in einem E-Mail-Rundbrief, von seinen Erlebnissen in Chile zu berichten.
Der Traum von einem Auslandsaufenthalt beschäftigt Nikolas Hubel schon länger: Bereits vor acht Monaten hat der junge Mann, der momentan ein Berufsgrundschuljahr im Fachbereich Holztechnik absolviert, angefangen, sich über das Thema Zivildienst bzw. Anderer Dienst im Ausland zu informieren. Dann war Bewerbungen schreiben angesagt: Bei verschiedensten Trägerorganisationen hat Nikolas Hubel es versucht, es wurden Lebensläufe und Motivationsschreiben verschickt. "Ich musste immer wieder begründen, warum ich das machen will." Schwer gefallen ist ihm das nicht: "Ich wollte unbedingt nach Lateinamerika", erzählt der 20-Jährige. Eine Freundin von ihm sei als Austauschschülerin in Argentinien gewesen, ein anderer Bekannter habe bereits als Zivi ein Straßenkinderprojekt in Guatemala betreut. "Und die haben beide sehr gute Erfahrungen gemacht." Deshalb wollte er selbst einmal über den "Tellerrand Europas" hinausschauen und eine gänzlich andere Kultur und Lebensart kennenlernen.
Besuch bei Sheila
Ein anderer Beweggrund ist, dass er als Zivi viel Kontakt zu Einheimischen haben wird und dadurch seine Spanischkenntnisse - die bisher noch recht gering sind - aufbessern kann. Und dann ist da noch Sheila, das bolivianische Patenkind der Familie, das immer wieder Fotos schickte. Da habe man schnell ein Klischee im Kopf von den Indio-Kindern und dass es überall so aussehe, sagt Nikolas. "Deshalb will ich mir das jetzt mal anschauen, und Sheila vielleicht sogar besuchen, wenn es klappt."
Mit dem Zivildienst jedenfalls wird es jetzt ja klappen: Nach einigen Absagen - mal reichten die Spanischkenntnisse nicht aus, mal wollte man ihn nach Afrika schicken - suchte der Verein "Alegro" den Nördlinger aus 85 Bewerbern aus und lud ihn zusammen mit 14 anderen jungen Leuten zu einem Auswahlseminar ein. Fazit: Nikolas Hubel ist einer von vier Freiwilligen, die jeweils ein Jahr in Chile verbringen dürfen.
Sein Einsatzort ist das Projekt "La Granja", eine Farm im Westen der Hauptstadt Santiago. Dort werden junge Menschen mit einer geistigen Behinderung und ohne Ausbildung auf ein normales Arbeitsleben vorbereitet. Tiere versorgen, Ackerbau und Arbeiten in den verschiedenen Werkstätten stehen also auf dem Programm. "Da ist auch handwerkliches Geschick erforderlich, und das hab ich ja", sagt er. Die Arbeit mit Behinderten sei ihm zudem von seiner Mutter, die bei der Lebenshilfe in Nördlingen Kunstunterricht gibt, vertraut. "Ich hab da keine Berührungsängste."
Auch Bammel vor einem ganzen Jahr in der Ferne kennt Nikolas Hubel bisweilen nicht. "Das kommt jetzt langsam erst." Ob er gut aufgenommen wird, ob die Arbeit Spaß macht und was seine Freunde machen, wenn er in einem Jahr wieder nach Nördlingen kommt - das sind Fragen, die ihn allmählich beschäftigen. Aber: "Jetzt hab ich Fernweh - später bestimmt auch mal Heimweh."
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