Mittwoch, 20. August 2014

12. Juni 2013 07:01 Uhr

RN-Interview

„Ich mache mir keine Illusionen“

Ulrich Lange über seinen neuen Job als Kreisvorsitzender der CSU Von Carl Völkl und Bernd Schied

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„Die Entwicklung war derart dramatisch, dass ich Sorge hatte, sie könnte den Kreisverband der CSU sprengen“: Ulrich Lange gestern in der RN-Redaktion
Foto: Richard Lechner

Nördlingen Seit Montagabend ist der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange auch Kreisvorsitzender der CSU. Mit seinen weiteren Ämtern (Fraktionschef im Kreistag, Stadtrat in Nördlingen) ist er nach dem Sturz von Georg Schmid zum mächtigsten Mann seiner Partei in der nordschwäbischen Region aufgestiegen. Das erste Interview als Kreisvorsitzender gab er gestern Morgen vor seinem Abflug nach Berlin den Rieser Nachrichten:

RN:Herr Lange, wie fühlen Sie sich nach den turbulenten Wochen und Ihrer Wahl am Montag?

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Lange: Jetzt geht’s ans Gedanken sammeln, Strukturieren. Ich fühle eine Riesenverantwortung, dass der Laden zusammenbleibt. Es ist mit die schwierigste Aufgabe, die ich bisher hatte.

RN: Man hatte den Eindruck, die Versammlung am Montag verlief entspannter als die vor einer Woche.

Lange: Deutlich entspannter. Dazu hat aber auch Wolfgang Fackler beigetragen. Insgesamt werden wir den Weg schon wieder finden. Ein wenig Zeit wird die Partei dazu aber auch brauchen.

RN:Die Delegierten aus Donauwörth haben nicht sehr fröhlich geschaut, als Fackler seinen Verzicht auf eine Kandidatur begründet hat.

Lange: Seine Erklärung war an alle gerichtet, aber wohl besonders an seine Donauwörther Unterstützer. RN: Man hat nicht den Eindruck, dass Sie sich um den Job als Kreisvorsitzender gerissen haben, im Gegenteil: Anfang Mai haben Sie auf eine Anfrage von uns noch abgewunken.

Lange: Stimmt. Aber die Entwicklung wurde in den letzten Tagen derart dramatisch, dass auch ich Sorge hatte, sie könnte den Kreisverband sprengen.

RN:Mit Ihrer Wahl sind die innerparteilichen Kämpfe nicht automatisch vorbei, die Gräben nicht zugeschüttet.

Lange: Die Partei braucht Zeit. Deshalb werde ich viele Einzelgespräche führen, in vielen Runden präsent sein und mehr Vorstandssitzungen abhalten – nicht nur zwei oder drei pro Jahr. Wir werden Aufgaben verteilen, als Team arbeiten.

RN: Ihre wichtigsten Aufgaben?

Lange: Die Wahlen. Wir stehen ja praktisch in einem Dauerwahlkampf: Landtagswahl, Bundestagswahl, zusätzlich die Nominierung des Landrates, Aufstellung der Kreistagsliste – übrigens keine leichte Aufgabe für eine Partei, die sich selbst wieder beruhigen und den Ausgleich finden muss. Deshalb müssen wir bei dieser Liste darauf achten, dass sich alle Regionen, die ganze Mannschaft vertreten fühlen. Und dann kommt ja die Kommunalwahl 2014.

RN:Wie wollen die einzelnen Kandidaten vor allem menschlich wieder zusammenfinden? Es sind doch in jüngster Zeit viele Wunden entstanden, insbesondere zwischen Fackler und Bittner, die beide in den Landtag wollen.

Lange: Wir treffen uns am Wochenende zu einer ersten Kandidatenrunde. Ich kenne Reinhold Bittner schon sehr lange, Wolfgang Fackler lerne ich gerade kennen. Ich bin mir sicher, dass wir das hinkriegen. Vielleicht brauchen wir auch zwei Runden mehr.

RN: Wie wollen Sie dem Wähler draußen verkaufen, dass der Landtagskandidat Wolfgang Fackler, der Vorsitzende Ulrich Lange und die anderen Parteigrößen nun plötzlich wieder als ein Herz und eine Seele auftreten? Das glaubt doch keiner.

Lange: Nicht als ein Herz und eine Seele, sondern als Team.

RN: Da werden unangenehme Fragen kommen. Lange: Natürlich. Aber wir werden auch sagen, dass die Politik, die wir gemacht haben, gut war.

RN:Für diese Politik steht aber auch Georg Schmid.

Lange: Natürlich. Die Politik der CSU war in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich, das kann man doch nicht wegwischen. Also geht es darum, zwischen der Politik der Partei und menschlichen Fehlern zu trennen. Ich weiß auch, dass es nicht einfach ist, den Bürgern draußen zu sagen: Unsere Politik ist gut, aber das andere war ein Fehler. Ich glaube aber, das ist der richtige Weg.

RN: Nun gibt es auch Stimmen, die klagen, hat man so mit Schmid umgehen müssen? Als der Landrat ihn aufforderte, sich aus dem Wahlkampf herauszuhalten, wurde ihm Undankbarkeit unterstellt.

Lange: Ich glaube nicht, dass man von Undankbarkeit sprechen kann. Wir wissen, was politisch von Schmid geleistet wurde. Aber man muss sagen können/dürfen, wenn irgendwo etwas falsch gelaufen ist. Nicht zu sagen, was falsch gelaufen ist, wäre falsch verstandene Dankbarkeit. Man kann es auch so sagen: Dankbarkeit für die Leistung auf der einen Seite, Aufarbeitung dessen, was geschehen ist, auf der anderen. Eine Medaille, zwei Seiten.

RN: Wie wollen Sie Ihre vielen Ämter unter einen Hut bringen?

Lange: Das funktioniert nur mit einer breiteren Aufgabenverteilung innerhalb der Vorstandschaft. Die Stellvertreter werden stärker eingebunden, die bekommen eigene Aufgaben. Ein Ulrich Lange wird das Ganze anders strukturieren.

RN: Also nicht mehr die Devise: Einer gibt die Richtung vor, in die dann alle marschieren?

Lange: Ich bin ein Teamspieler und glaube, auch im Kreisverband besteht ein Bedürfnis nach Teamarbeit. Ich traue das der neuen Mannschaft auch zu, und ...

RN: Die von langer Hand vorbereitet war...

Lange: Nein, die stand erst Montagnachmittag um 17 Uhr, also kurz vor der Delegiertenversammlung.

RN: War der schwäbische Bezirksvorsitzende Markus Ferber die entscheidende Person, die am Sonntag den Knoten durchschlagen hat?

Lange: Ferber war keine unwesentliche Figur. Wer meint, der Landkreis Donau-Ries sei ein Sandkasten, wo wir von Nord nach Süd mit dem Schäufelchen Sand werfen können, ohne dass es den Bezirksverband interessiert, der irrt. Deswegen war der Termin mit dem Bezirksvorsitzenden auch richtig und weichenstellend.

RN: Zu Ihren Hauptaufgaben wird gehören, nach der Schlacht integrativ zu wirken, dem Süden die Hand zu reichen. Schließlich haben viele Delegierte Ihre Wahl mit knapp 75 Prozent mit geballter Faust in der Tasche zur Kenntnis genommen.

Lange: Ich setze auf Gespräche, auf meine Kontakte. Seit 21 Jahren bin ich in dieser Partei in diversen Funktionen tätig und kenne den überwiegenden Teil der Akteure gut. Wir werden das schon hinkriegen, das gelang mit Dillingen nach meiner ersten Nominierung auch.

RN: Also wird Ihr Hauptaugenmerk auf dem südlichen Landkreis liegen.

Lange: Ja, ich kann mir vorstellen, den Wahlkampf in Donauwörth oder Mertingen zu starten, um klare Signale, die wir gegenseitig immer brauchen, zu setzen. Aber zurück zu Ihrer Frage nach Integration: Ich weiß, dass es nicht einfach wird, und gebe mich keinen Illusionen hin.

RN: Wie ist denn Ihr Verhältnis zum Donauwörther OB Armin Neudert, der nicht Sie sondern Fackler als neuen Kreisvorsitzenden wollte?

Lange: Grundsätzlich sehr gut, wir haben bis vor ein paar Tagen regelmäßig telefoniert.

RN: Dann brach der Kontakt ab.

Lange:Etwas. Aber wir haben am Montag nach der Delegiertenversammlung wieder miteinander geredet. Wir beide kennen uns seit meiner ersten politischen Stunde. Neudert und ich – das kriegen wir hin.

RN: Wolfgang Fackler ist nach Meinung von Parteigängern vor allem aus dem Süden durch seinen Verzicht geschwächt worden, noch ehe er als Landtagskandidat loslegen kann. Lange: Das glaube ich nicht. Er hat gezeigt, dass er zusammenführen will, dass er die Eigenständigkeit hat, an der mancher zweifelte.

RN:Wird es in der Geschäftsstelle in Donauwörth nun personelle Veränderungen geben oder bleibt alles beim Alten?

Lange: Die Strukturen in der Geschäftsstelle werde ich mir in einem Organigramm zusammenstellen und schauen, wie wir die künftigen Aufgaben bürotechnisch leisten können. Personell sind wir in einer Stärke aufgestellt, wie kaum ein anderer Bundeswahlkreis. Da wird es keine Veränderungen geben.

RN: Im Vorfeld Ihrer Wahl deutete Stefan Rößle an, er könne sich vorstellen, dass Fackler in ein paar Jahren doch den Kreisvorsitz übernimmt. Haben Sie sich selbst eine Frist gesetzt?

Lange: Selbst wenn ich sie mir gesetzt hätte, würde ich das jetzt nicht mitteilen.

RN: Wollen Sie nächstes Jahr wieder Fraktionsvorsitzender Ihrer Partei im Kreistag werden?

Lange: Bis 30. April 2014 bin ich gewählt. Danach wird die neue Fraktion über den Vorsitz entscheiden. Sie wird einen Vorsitzenden brauchen, und ich glaube, meinen Job ordentlich gemacht zu haben.

RN:Also stellen Sie sich wieder zur Verfügung?

Lange: (schweigt)

RN: Rößle hat eine wichtige Rolle in diesem innerparteilichen Kampf gehabt. Er plädierte von Anfang an für einen Kreisvorsitzenden aus dem Ries. Das werden ihm einige Delegierte aus dem Süden nicht vergessen. Ihre Aufgabe wird es sein, ihm zu einem ordentlichen Ergebnis bei der Nominierung zu verhelfen.

Lange: Seine Wiederwahl. Das ist meine Aufgabe.

RN: Aber es sind Rechnungen offen.

Lange: Natürlich ist Unmut vorhaben. Darüber werde ich reden, aber auch der Landrat wird auf die Leute zugehen. Da muss man offen sein, um wieder zusammenzufinden. Am Ende hoffe ich, dass wir wieder alle in einem Boot sitzen.

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