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26. März 2010 19:00 Uhr

Ministerium bringt Jäger in Rage

Wallerstein/München Stocksauer sind Bayerns Jäger über ein geheimes Gutachten aus dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium, das Vorschläge unterbreitet, wie die Gesellschaft auf den geplanten Umbau der Wälder - Stichwort Klimawandel - und auf eine grundlegende Veränderung der Jagd vorbereitet werden soll. Weil die im Bayerischen Landesjagdverband zusammengeschlossenen Grünröcke ohnehin "konservativ und uneinsichtig" seien und "verfilzten Strukturen" unterlägen, sollten Waldbesitzer künftig Front gegen sie machen.

Wie das geschehen soll, liest sich in dem Dossier der eigens gebildeten Projektgruppe, zu der neben einem Marketing-Unternehmen auch hochrangige Mitarbeiter der Landwirtschaftsämter, der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft sowie Ministeriumsmitarbeiter gehörten, so: Wildschadensmeldungen, Argumentationsketten und "rhetorische Fallen". Oberste Priorität habe das Gesetz in Bayern: "Wald vor Wild".

Öffentliche Gleichstellung

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Gleichzeitig wird empfohlen, den kleinen Ökologischen Jagdverband dem ungeliebten Bayerischen Landesjagdverband (BJV) mit immerhin 43 000 Mitgliedern "öffentlich gleichzustellen und jeweils immer beide Spitzen zu öffentlichen Anlässen einzuladen." Die Demontage des BJV soll nach Ansicht der Projektgruppe zudem von einer Aufklärungskampagne in den Medien begleitet werden, um die Öffentlichkeit auf den Umbau von Wald und Jagd günstig einzustimmen.

Wörtlich heißt es in dem Abschlussbericht an das Ministerium: "Es geht um den medialen Humus, den wir ausbringen, auf dem neue Sichtweisen entstehen und neue Handlungsoptionen gesellschaftlich akzeptiert werden." Schließlich "hat auch das Rauchverbot mit der Neudefinition des Rauchens begonnen: vom hedonistischen Genießer zum suchtkranken Egoisten".

Es hagelt Proteste

Aufgeschreckt durch einen Bericht in der Fachzeitschrift "Wild und Hund" hagelt es nun Proteste aus der Jägerschaft und der Politik. "Mit äußerster Schärfe" protestierte dieser Tage der BJV "gegen forstministerielle Bestrebungen, die Jäger aus ihrer Aufgabe eines artengerechten Wildmanagements zu verdrängen", und Vizepräsident Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein legte am Donnerstag gegenüber den Rieser Nachrichten nach: "Der Leiter der Bayerischen Forstverwaltung, Georg Windisch, und Ministerialrätin Helene Bauer gehören für dieses Papier in die Wüste geschickt."

Inzwischen ist auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (FDP), vor dessen Amtsantritt das Geheimpapier verfasst wurde, unter Druck geraten: Auf eine entsprechende Anfrage der Freien Wähler im Landtag ließ er sein Ministerium erklären, ihm sei der Abschlussbericht nie vorgelegt worden und er habe ihn inzwischen für nichtig erklärt. Was wiederum Fraktionschef Hubert Aiwanger einen "haarsträubenden Vorgang" nennt: "Eine hochkarätige Projektgruppe erarbeitet im Auftrag des Ministeriums ein 130-seitiges Gutachten mit dem Ziel, bis 2020 nicht weniger als 100 000 Hektar Privat- und Körperschaftswald in Mischwald umzubauen und dafür zehn Millionen Euro auszugeben - und davon will der Minister nichts gewusst haben?"

Schriftlich entschuldigt

Auf Brunners Druck hin hat sich inzwischen Georg Windisch bei BJV-Präsident Jürgen Vocke schriftlich für die "überspitzt festgehaltenen Formulierungen" entschuldigt, und auch der Minister selbst war in einer Rundmail an die Kreisgruppen des Landesjagdverbandes um Schadensbegrenzung bemüht. So solle am Ministerium eine "gemeinsame Arbeitsgruppe" eingerichtet werden, die in regelmäßigen Abständen zur Erörterung aktueller Probleme zusammentreffe und nach einvernehmlichen Lösungen suche.

Für den Wallersteiner Fürsten ist die Windisch-Entschuldigung freilich nur eine Floskel: "Das Papier ist eingestampft, aber der Inhalt sitzt in den Köpfen der Beamten fest. Die Rehe sollen in den Wäldern ausgerottet werden, wie das bereits mit dem Rotwild geschieht. Uns Waldeigentümern will man vorschreiben, welche Baumarten wir anzupflanzen haben - und das alles unter dem Deckmäntelchen der Klimaveränderung." Tatsächlich aber sei die Glaubwürdigkeit des Weltklimarates erheblich abgestürzt, seit bekannt geworden sei, dass einer ganzen Reihe von Aussagen und Vorhersagen des Rates der wissenschaftliche Beweis fehle.

Brief an Horst Seehofer

In einem Brief an den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bat der Fürst zudem um Überprüfung, ob es notwendig sei, über "1000 hoheitlich beschäftigte Beamte" zur Umsetzung der aufwendigen Vegetationsgutachten einzusetzen, mit denen alle drei Jahre Verbissschäden an jungen Bäumchen festgestellt werden sollen.

Härtere Gangart verlangt

Am heutigen Samstag ist Jürgen Vocke, von dem inzwischen eine härtere Gangart in der "Diffamierungskampagne" verlangt wird, zu Gast bei der Kreisgruppe Nördlingen in Maihingen.

Auch dort wird das Reizthema Nummer eins das Gutachten sein, von dem im Ministerium niemand mehr etwas wissen will. »Bayern

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