Samstag, 25. März 2017

17. März 2010 19:00 Uhr

"Mit 17 war ich ein alter Mann"

"Was ich als Kind gefühlt habe, das kann ich nicht erzählen. Ich kann nur die Fakten wiedergeben." Vielleicht ging gerade deshalb der Bericht von Abba Naor, dem heute 82-jährigen Überlebenden des Holocaust, in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth so unter die Haut. Von Heike Jahnz

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Fast nüchtern sprach Naor von seiner Kindheit in Litauen, dem Einmarsch der deutschen Truppen dort, der Errichtung der jüdischen Ghettos in Kaunas, der Deportation seiner Familie in die Konzentrationslager Stutthof, dann über Utting in eines der großen Außenlager des KZ Dachau nach Landsberg/Kaufering. Er erzählte von der Ermordung seiner Mutter und seines kleinen Bruders in Auschwitz. Verzweiflung und Leid des Jungen und Jugendlichen waren durch den sachlichen Ton so ganz in die Vorstellungskraft und das Mitgefühl der Zuhörer gegeben.

13 Jahre alt war Abba Naor, als die Deutschen Litauen besetzten. "Es gab bis dahin ein ganz normales jüdisches Leben in Litauen. Die Juden hatten dort keine Probleme." Dennoch: "Aber gerade unsere litauischen Nachbarn waren die Ersten, die angefangen haben mit dem brutalen Mord an der jüdischen Bevölkerung." In den kleinen Dörfern seien die Menschen auf brutale Weise in die Wälder geschleppt und erschlagen worden. Oder man habe sie in die Synagogen eingeschlossen und verbrannt. "Mein älterer Bruder wurde erschossen, weil er Brot einkaufen wollte. Das war den Juden verboten. Aber man konnte nicht glauben, dass sie auch Kinder ermorden."

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Hauch einer Überlebenschance

Naor beschrieb, wie die Kinder im Ghetto systematisch "eingesammelt und dann nach Auschwitz deportiert wurden". Wer arbeiten konnte, hatte den Hauch einer Überlebenschance. Aber was geschieht, wenn es zu viele Arbeitskräfte sind? "Ende September wurde das kleine Ghetto umzingelt, alle knapp 10 000 Bewohner wurden in die Festung gebracht und getötet." Das Krankenhaus, in dem vor allem die Waisenkinder untergebracht waren, wurde angezündet. "Auch das wollten wir nicht glauben", wiederholte er. Nur vier Prozent der litauischen Juden hätten den Holocaust überlebt: "150 Kinder - eins davon war ich." Litauen sei der "größte Umschlagplatz für die Ermordung der Juden" gewesen.

Kartoffeln der Schweine geklaut

Überleben im KZ - was man dazu braucht? "Vor allem braucht man Freunde. Wir waren vier Freunde." Als Nächstes müsse man aufpassen auf die Aufpasser und man müsse organisieren können. "Wir haben Kartoffeln von den Schweinen in einer Metzgerei geklaut. Das war gefährlich, aber lebensnotwendig." Eine Tasse Wasser, eine Scheibe Brot, eine Schüssel Suppe pro Tag, in dünner Häftlingskleidung und Holzschuhen. Statt Unterwäsche gab es Papier. "Das war sinnvoll. Gegen die Kälte."

Todesmarsch

Als 16-Jähriger verrichtete Abba Naor zwölf Stunden Zwangsarbeit pro Tag. Schließlich kam der "Todesmarsch" der 25.000 Häftlinge von Dachau in Richtung Alpen: "Neun Tage und neun Nächte ohne Wasser und Verpflegung. Wer nicht mehr konnte, wurde erschossen."

Ein neues Leben in Israel begonnen

Abba Naor überlebte all dies und begann in Israel ein neues Leben. Heute stellt er sich als Zeitzeuge zur Verfügung und berichtet vor allem Jugendlichen von seinem Schicksal: "Ich war 17, als ich meinen Vater nach der Befreiung wieder sah, nach vier Jahren im Lager. Ich war ein alter Mann."

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