Freitag, 23. Februar 2018

12. November 2010 16:55 Uhr

Mutige Erinnerungsarbeit

Erinnerungsarbeit und gemeinsames Feiern: Die Gedenkstunde zur Reichspogromnacht in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth, zu der der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth eingeladen hatte, war eine Gedenkfeier in ganz wörtlichem Sinn. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert erinnerte in einem Vortrag an die Ereignisse der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und bekräftigte die Verpflichtung "niemals zu vergessen". Zu einer Feier aber wurde die Gedenkstunde durch den stimmgewaltigen Kantor der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg, Nikola David. In Begleitung von Stephanie Knauer (Klavier) trug er ausdrucksvoll Psalmen und Gebete vor. "Wir sollten mit Freude und im Zusammenhalt in die Zukunft blicken" sagte er nach dem Kaddisch zum Totengedenken und ließ mit jiddischen und sefardischen Liedern, die Gedenkstunde tatsächlich auch mit "Freude ausklingen". Von Heike Jahnz

i

Den Weg zurückgefunden

Ausgesprochen gut besucht war diese Veranstaltung, die an ein Ereignis erinnerte, "bei dem Deutsche schwere Schuld auf sich geladen haben", so formulierte es zu Beginn der Gedenkstunde Professor Jochen Blumbach vom Freundeskreis. Er berichtete davon, dass mittlerweile ein Fundstück aus den Plünderungen in Hainsfarth seinen Weg zurück zum jüdischen Friedhof Hainsfarth gefunden habe: eine gusseiserne Schale, die dem Ritus gemäß, zum Händewaschen nach dem Friedhofsbesuch gedient habe.

ANZEIGE

"Erinnerungen sind an den Ort gebunden, an dem die Tat geschah. Deswegen ist es ganz wichtig heute hier zu sein", sagte Landrat Stefan Rößle. "Ich habe mir bewusst Zeit genommen hierher zu kommen", fügte er hinzu. Um innezuhalten und darüber nachzudenken, was vor 72 geschah, dazu brauche man Gedenkfeiern wie diese, erklärte auch Hainsfarths Bürgermeister Franz Bodenmüller: "Unsere Aufgabe ist es, nicht zu vergessen."

An die Plünderung von Synagogen und Friedhöfen, die Zerstörung von Geschäften und Wohnungen jüdischer Bürger, an die Ermordung von Juden während der Novemberpogrome, bei denen etwa 30 000 vor allem einflussreiche und wohlhabende jüdische Bürger festgenommen und in den Konzentrationslagern gefoltert worden seien, erinnerte dann Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert. Auch in Hainsfarth seien Bücher und Kultgegenstände aus der Synagoge geholt worden, das Gebäude nach der Plünderung als Getreidelager und später als Bauhof genutzt.

Die vier Gebote

Vier "Gebote" machte der Bezirkstagspräsident als Lehren der Vergangenheit für die Gegenwart aus: 1. Der ermordeten jüdischen Bürger und des vernichteten Kulturgutes zu gedenken. 2. Die Mechanismen, die zu diesem beispiellosen Zivilisationsbruch führten, zu erforschen. 3. Sorgfältig in der Gegenwart auf alle Anzeichen von Ausgrenzung und Diskriminierung zu achten und ihren Anfängen zu wehren und viertens eine Kultur der Zivilcourage aufzubauen. "Gedenkorte wie die Hainsfarther Synagoge helfen uns bei dieser Arbeit."

Spende überreicht

"Wir gedenken heute der sechs Millionen ermordeten Juden", so Sigried Atzmon, Freundeskreisvorsitzende. Erinnerungsarbeit, fuhr sie fort, das sei die Aufgabe des Freundeskreises - die Erinnerung an die Gräueltaten der Nazidiktatur mahnend wach zu halten. "Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, dann ist es nicht mehr erlaubt wegzusehen, nicht erlaubt, nichts wissen zu wollen." Für diese "mutige Erinnerungsarbeit" überreichte in der Synagoge Bezirksrat Alois Stadler dem Freundeskreis spontan eine Spende von 500 Euro.

i

Ihr Wetter in Nördlingen
23.02.1823.02.1824.02.1825.02.18
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                wolkig
	                                            Wetter
	                                            wolkig
                                                Wetter
                                                wolkig
Unwetter-8 C | 1 C
-9 C | 2 C
-12 C | -3 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Top-Angebote

Alle Infos zum Messenger-Dienst
Bauen + Wohnen

Unternehmen aus der Region


Adressen für Ihre Gesundheit2

Partnersuche