Zipplingen (gne) - Weithin sichtbar thront die barocke, vom Deutschorden zwischen 1762 bis 1765 erbaute Pfarrkirche St. Martinus auf dem Zipplinger Kirchberg, einer Randscholle des Rieskraters. Ihr prächtiger Innenraum wird dominiert von dem Hauptaltar und den beiden Seitenaltären. Doch an den Stuckaltären nagt der Zahn der Zeit.

Aus den Fundamenten über den Sandstein aufsteigende Feuchte hat an dem Stuckmarmor große Salzschäden verursacht. Der bemalte Stuck aus Gips reißt und platzt ab. Und das nicht erst seit den vergangenen Jahren. Dem Feuchtigkeitsproblem versucht man in Zipplingen bereits seit über einhundert Jahren durch verschiedene Sanierungsmaßnahmen beizukommen, bislang vergeblich.
Nun setzen die Verantwortlichen, die katholische Kirchengemeinde und das katholische Verwaltungszentrum Ellwangen sowie Architekt Patrick Duttlinger auf ein neues, patentiertes Verfahren des Restaurators Alexander Ikonomu aus Lindach bei Augsburg. Dabei wird der vorhandene Stuckmarmor abgesägt, in der Werkstatt aufgearbeitet und mit Hilfe einer Fasertragschicht auf der Rückseite stabilisiert. Diese Stuckmarmorplatten werden dann so wieder vor die Altäre montiert, dass zwischen dem feuchten Mauerwerk und dem Stuck ein Zwischenraum bleibt. Jetzt kann die Luft zirkulieren und die Feuchtigkeit der Mauer an den Raum abgegeben werden. Zwischen dem Mauerwerk und dem Stuck gibt es keine Verbindung mehr.
Das Problem sei damit "nachhaltig" beseitigt, betonten Xaver Stempfle vom katholischen Verwaltungszentrum und Architekt Duttlinger bei einem Ortstermin. "Die Ursache können wir nicht abstellen, also schützen wir die Dekoration", erklärte der Restaurator seine Idee, die er schon erfolgreich in der Pfarrkirche in Herrieden umgesetzt habe.
Der 2. Vorsitzende der Kirchengemeinde, Bernhard Humpf, und Kirchenpflegerin Hildegard Felber waren froh, dass nun endlich, nach jahrelangen Vorgesprächen und Planungen, mit der Renovierung begonnen wird. Zuerst am Josefsaltar, dann am Marienaltar und zuletzt am Hauptaltar. "Bis Ende 2009 möchten wir die Restaurierung abschließen", sagt Duttlinger, dies sei aber von zahlreichen Faktoren, unter anderem von den Temperaturen abhängig. In diesem Zusammenhang sollen die Altäre auch gereinigt werden.
Mit diesem neuen Verfahren können 95 Prozent der alten Marmorstucks erhalten werden, versichern die Fachleute. Mit ein Grund dafür, dass die 507 000 Euro teure Sanierung großzügig mit Bundes- und Landesmitteln unterstützt wird.
Sonderprogramm
Thomas Freymüller, für die Finanzen beim Verwaltungszentrum zuständig, stellte zufrieden den voraussichtlichen Finanzierungsplan vor: Aus einem Sonderprogramm des Beauftragten für Kultur und Medien fließen 100 000 Euro Bundesmittel, dazu kommen 116 900 Euro an Denkmalfördermitteln des Landes, 44 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und 176 000 Euro aus dem Ausgleichsstock der Diözese. Für die Kirchengemeinde bleibt ein Rest von 70 100 Euro, der aus Eigenmitteln und Spenden finanziert werden muss.
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