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04. Februar 2012 01:53 Uhr

Rieskratermuseum

Offener Brief – Leserbrief in Sachen Rieskrater-Museum  

Berlin, den 1. Februar 2012

Adressaten:
Rieser Nachrichten
Oberbürgermeister der Stadt Nördlingen
Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns


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Die unten genannten Forschungseinrichtungen und deren Wissenschaftler, die sich in den vergangenen 25 Jahren aktiv um die Gründung und Weiterentwicklung des weltweit renommierten Rieskratermuseums in Nördlingen engagiert haben und auch im Nördlinger Ries geowissenschaftliche und planetologische Forschung betreiben, nehmen mit großer Sorge die Krise in der Führung des Museums und die dadurch ausgelöste, in der Presse geführte, Kontroverse zur Kenntnis.

Die Probleme im Rieskratermuseum, die im Zusammenhang mit dem im Jahr 2010 in Gang gesetzten Verfahren zur Wiederbesetzung der Stelle des Museumsleiters entstanden sind, haben sich seit kurzem in einer für die Zukunft des Museums potentiell negativen Weise zugespitzt. Wir sehen uns daher zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst und hoffen, damit einen konstruktiven Beitrag für die dringend erforderliche Weiterentwicklung des Museums, d. h. für eine in regelmäßigen Abständen auf den aktuellen Stand des Wissens gebrachte Erneuerung, leisten zu können, die eine sichere Zukunft des Museums gewährleistet.

Wir möchten zunächst klar festhalten, dass das von der Generaldirektion der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns durchgeführte Besetzungsverfahren im Januar 2011 formal korrekt abgelaufen ist und ein neuer Leiter nach bestem Wissen und Gewissen aus einer großen Zahl von Bewerbungen ausgewählt wurde. Die Gründe für dessen Ausscheiden nach sechs Monaten Probezeit wollen und können wir hier nicht diskutieren oder bewerten. Gegenseitige Schuldzuweisungen der in den Vorgängen des vergangenen Jahres involvierten Personen und Organisationen, wie sie sich u. a. auch in verschiedenen Leserbriefen an die „Rieser Nachrichten“ manifestieren, helfen bei den entstandenen Problemen nicht weiter und können dem Museum einen schwer reparablen Schaden zufügen. Es sind wohl von verschiedener Seite Fehler gemacht worden. Insbesondere sind aber unsachliche und nicht klar begründete Formulierungen in Leserbriefen wenig geeignet, um die Probleme des Rieskratermuseums konstruktiv und zielorientiert zu lösen. Wenn z.B. ein Mitglied des Vereins der Freunde des Rieskratermuseums, dem einige der Unterzeichnenden auch angehören, sich zu der Aussage versteigt „die Suche nach einem neuen Leiter(in) ist hoffentlich beendet, denn wir brauchen keinen „Showman“ mit akademischen Titeln“ (Rieser Nachrichten vom 10.01.2012), dann schadet dieses dem Museum genauso wie ein Kommentar, in dem der Verdacht geäußert wird, „dass ein Fortschritt durch Innovation und wissenschaftliche Kompetenz im Rieskratermuseum nicht gewollt sei“ (Rieser Nachrichten vom 21.01.2012).

Das Rieskratermuseum ist kein „heimeliges Heimatmuseum“ für das Ries, sondern ein Museum, welches einen der fundamentalsten Prozesse im Sonnensystem - die Kollision von Asteroiden und Kometen mit den Planeten und deren Satelliten - am Beispiel des Impaktkraters „Nördlinger Ries“ veranschaulicht. In diesem Sinne und mit seiner umfangreichen Ausstattung ist das Rieskratermuseum weltweit einzigartig. Allerdings ist dabei Folgendes zu beachten: Seit 1990 wurden fast 40 Raumfahrtmissionen im gesamten Planetensystem durchgeführt, die faszinierende Aufnahmen sowohl von Impaktkratern auf zahlreichen planetaren Körpern als auch von den Einschlagskörpern (Asteroiden, Kometen) geliefert haben, die in Qualität und Vielfalt weit über dem liegen, was 1990 bei der Ausstattung des Museums zur Verfügung stand. Unser Verständnis der Körper des Sonnensystems und ihrer zeitlichen Entwicklung ist in diesen vergangenen 22 Jahren weit fortgeschritten. Dies betrifft vor allem die Ausstellung im Raum B, aber auch andere Bereiche des Museums. Außerdem sind die neuen Erkenntnisse über die Entwicklung der Lebensbedingungen im und um den Ries-See nach der Kraterbildung hervorzuheben (Raum E), die bisher keinen Eingang in die Ausstellungen gefunden haben. Eine Erneuerung und Modernisierung des Rieskratermuseums ist überfällig! Diese wichtige Aufgabe hätte in den vergangenen 20 Jahren in gewissen zeitlichen Abständen immer wieder erfolgen müssen.

Die nach außen nicht immer deutlich wahrnehmbaren Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten, die das Rieskratermuseum belasten, haben tiefere Wurzeln. So kann nicht verschwiegen werden, dass es keine wirksamen Initiativen seitens der Museumsleitung seit 1990 gab, die bei Museen dieses Typs erforderlichen, dem Erkenntnisfortschritt angemessenen Erneuerungen durchzuführen. Die einzige Erneuerung erfolgte 2005/2006 durch die vollständige Neugestaltung eines der 6 Räume (Raum F, eröffnet am 19.7.2006), die aber ausschließlich von Personen außerhalb des Museums initiiert wurde.

Wenn man das Museum auf dem aktuellsten Stand halten und damit den gerade in den letzten Jahren stark rückläufigen Besucherzahlen entgegenwirken will, dann braucht man eine(n) neue(n) Leiter(in), der (die) sich auch dieser Aufgabe mit Tatkraft widmet und der (die) daher über höchste fachwissenschaftliche und soziale Kompetenz sowie unermüdliche Initiative und Organisationstalent verfügen muss. Der Museumsleitung obliegt es auch, bei der Beschaffung der finanziellen Mittel für die Erneuerung des Museums (z.B. aus dem Sponsoren- und Drittmittelbereich) mitzuwirken und sich aktiv an der Forschung im Ries und an der dringlichen Verbesserung der Aktivitäten des Geoparks Ries zu beteiligen. Auch dies ist bisher nicht immer in ausreichendem Maß geschehen. Es würde der Stadt Nördlingen, der Generaldirektion der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen in München, dem Geopark Ries und der gesamten Region ein schlechter Dienst erwiesen werden, wenn man bei der personellen Ausstattung des Rieskratermuseums auf die oben genannten unabdingbaren Kriterien verzichten würde. Es sind also jetzt Konzepte und Persönlichkeiten gefragt, die die notwendigen Änderungen einleiten und das Rieskratermuseum weiterentwickeln können. Dies macht unseres Erachtens eine Neuausschreibung der Stelle des(der) Museumsleiters(in) erforderlich, wie sie wohl von der Generaldirektion in München auch vorgesehen und von der Stadt Nördlingen gewünscht ist.

Wir bitten die für das Rieskratermuseum verantwortlichen Amtsträger und Organisationen, alles zu tun, um dem Rieskratermuseum eine progressive Zukunft zu sichern und sich weiter dessen bewusst zu bleiben, dass sie ein Kleinod von höchster internationaler Bedeutung und Reputation zu behüten haben, welches der stetigen Fürsorge und damit einer höchst professionellen Leitung bedarf.

Museum für Naturkunde zu Berlin
Prof. Dr. em. Dieter Stöffler, ehemaliger Vorsitzender des Museumsbeirats des Rieskratermuseums
Prof. Dr. Wolf Uwe Reimold, Vorsitzender des Museumsbeirats des Rieskratermuseums

Institut für Geowissenschaften der Universität Freiburg
Prof. Dr. Thomas Kenkmann, Leiter des Bereichs Geologie

Naturhistorisches Museum Wien
Prof. Dr. Christian Koeberl, Generaldirektor

Institut für Planetologie der Universität Münster
Prof. Dr. Harald Hiesinger
, geschäftsführender Direktor
Prof. Dr. Tilman Spohn

Institut für Geowissenschaften, Universität Jena
Prof. Dr. Falko Langenhorst

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