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23. Dezember 2011 23:00 Uhr

Praktiken der Gen-Industrie

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Wemding Der Arbeitskreis Information über Agro-Gentechnik Donau Ries ließ in der Wallfahrtsgaststätte einen Vortrag über die „Praktiken der deutschen Agro-Gentechnik Industrie und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft“ halten.

Obwohl 2011 in Bayern kein Forschungsfeld mehr angepflanzt wurde – das umstrittene Versuchsfeld in Kaisheim wurde aufgegeben – gibt es aktuell deutschlandweit doch 18 Versuchsfelder, auf denen genmanipulierte Pflanzen zu Forschungszwecken freigesetzt werden. Dies ist der aktuelle Ansatzpunkt für den Umweltaktivisten und Buchautor Jörg Bergstedt: In seinen Augen ist die Freisetzung der transgenen Pflanzen ein unkalkulierbares Risiko für die Umwelt ohne Nutzen.

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In seinem Vortrag schilderte er den über 100 Anwesenden, in der Mehrzahl selbst Landwirte, warum Versuchsfelder in Deutschland genehmigt und vom Staat finanziell gefördert werden, obwohl sich in Umfragen 80 Prozent der Bevölkerung gegen gentechnisch manipulierte Lebensmittel aussprechen.

Hohe Fördergelder

Als Beispiel nannte der Referent das Jahr 2008: 165 Millionen Euro Fördergelder flossen in die Agro Gentechnik, nur sieben Millionen in die von den Verbrauchern deutlich favorisierte Forschung im Bereich ökologische Landwirtschaft. „Mafiöse Seilschaften“ in der Agro-Gentechnik-Industrie seien der Grund.

Er demonstrierte am Beispiel von drei Akteuren der deutschen Genforschung, dass die gleichen Personen in Personalunion Geschäftsführer von Biotech-Firmen, Betreiber von Versuchsfeldern, Lehrstuhlinhaber an Universitäten, Gremiumsmitglieder von den Genehmigungsstellen für Fördermittel und auch noch Mitglieder der Kontrollgremien für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Bundes- und EU-Ebene seien.

Nach Bergstedts Ausführungen wird die Agro-Genindustrie von wenigen globalen, auch deutschen Chemiegiganten gesteuert und dient nur einem Zweck, nämlich der totalen Saatgutkontrolle, dem Mehrverbrauch chemischer Pflanzengifte und damit der Profitmaximierung.

Außer Kontrolle

Ein System völlig außer Kontrolle meint der eloquente Bergstedt: da Staat und Regierungsstellen unkritisch förderten und bewilligten, helfe nur ziviler Widerstand. Er persönlich rupfe als „Feldbefreier“ schon mal transgene Pflanzen aus einem Forschungsfeld, um die Natur vor unvorhersehbaren Folgen der Freisetzung transgener Pollen zu schützen. Dafür musste er sogar schon einmal für sechs Monate hinter Gitter – viel Zeit um am Manuskript für sein Buch „Monsanto auf Deutsch“ zu arbeiten. (pm)

Bergstedt empfahl auch Möglichkeiten des Widerstandes: am 21. Januar die Berliner Großveranstaltung „Wir haben es satt – Bauernhöfe statt Agrarindustrie“. Hierzu organisiert Arbeitskreissprecher Peter Gramm, Megesheim, Telefon 09082/8655 eine Tagesbusfahrt.

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