Mittwoch, 22. November 2017

03. November 2017 00:36 Uhr

Musik

Rock und Reformation

Volles Haus beim „Luther goes Rock“-Projekt der Band „Gut drauf“ in Oettingen. Wie die Pfarrerband bekannte Welthits von Queen und Elvis einsetzte, Luthers Leben zu erzählen Von Peter Urban

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Die Gitarrensoli von Tomasz Swat aus Hainsfarth waren beim Konzert der Band „Gut drauf“ in Oettingen allererste Sahne.
Foto: Urban

Sie haben es in bester Tradition von Martin Luther getan: Sie haben zu bekannten Songs christliche Texte geschrieben, in diesem Falle Luthers Leben populär nacherzählt und damit die christliche Gemeinde begeistert. So geschehen am Reformationstag in der Oettinger St.-Jakobs-Kirche. Berstend volles Haus, wie es wohl sonst nur zu den ganz großen Feiertagen der Fall ist.

Der Oettinger Pfarrer Ulrich Tauber, der alle Songs ausgesucht, alle Texte geschrieben und die gesamte Rock-Oper initiiert hat, hat den Versuch gewagt, nicht einfach die Reformation nachzuerzählen, sondern zu zeigen, was sie für Luther bedeutete. Mit den Worten und den Klängen unserer heutigen Zeit. Dass er dabei mit mächtig viel Pathos arbeitet, sei der Wichtigkeit des Ereignisses und dem Feuereifer der Musiker, die ja allesamt evangelische Pfarrer sind, geschuldet.

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„Heute auf den Tag genau vor 500 Jahren, vielleicht sogar zu dieser Stunde“, begann Ulrich Tauber den Abend, „hat Martin Luther nicht nur die Welt, sondern auch die Kirchenmusik verändert“. Und dann legten sie los, die Rock-Pfarrer von „Gut drauf“ und starteten gleich mit „Born in the USA“ von Bruce Springsteen, aus dem sie ihr „Geboren in Eisleben“ machten, um gleich danach anhand von „Let’s have a Party“ die Studentenzeit von Luther in Erfurt musikalisch zu illustrieren.

Gleich mit den ersten Takten ließ sich das Publikum mühelos zum Mitklatschen animieren. Es war nicht zu überhören, dass die Rock-Pop-Gassenhauer exakt nach den Stationen im Leben Luthers ausgesucht wurden, so zum Beispiel „Flash“ von Queen für die Gewitter-Nacht, in der Luther sein Mönchs-Gelübde ablegte oder „In the Ghetto“ von Elvis Presley für seine Zeit „im Kloster“. Die Texte wurden jeweils hinter den Musikern auf eine große Leinwand projiziert, und so war die Botschaft auch optisch gut zu erfassen.

Dass diese dann doch bisweilen etwas platt daherkamen, „Money Money Money“ (Abba) für die Schilderung des Ablasshandels, „If I had a Hammer“ für das Anschlagen der Thesen oder „Words don’t come easy“ für die Schwierigkeiten beim Übersetzen der Bibel auf der Wartburg – geschenkt – dem Publikum hat es gefallen und der Sinn hinter dem Tun kam mehr als gut an.

Dekan Diener: „Wir wollen, dass die Menschen einen schönen Abend miteinander erleben und anschließend vielleicht noch ins Gespräch kommen.“ In ihrer Euphorie sind die Texter manchmal ganz schön weit gegangen „Ich find’ die neue Botschaft geil“, weil es sich so gut auf „Heil“ reimt oder „Was soll ich tun mit dem wilden Luther“ auf die Melodie von „What shall we do with the drunken Sailor“.

Die steile These, dass das Problem der von ihm ausgelösten Flucht zahlreicher Nonnen aus Klöstern von Luther dadurch abgemildert werden könne, dass die „halt einfach Pfarrer heiraten sollten und aus den verlotterten Gestalten brave Ehemänner machen“, löste ein veritables Raunen im Publikum aus, genauso wie der Satz: „Gelegentlich kommt es vor, dass Frauen Männern gut tun“.

Die Gitarrensoli von Tomasz Swat aus Hainsfarth zu „Locomotive Breath“ und „Knockin’ on Heavens Door“ waren allererste Sahne. Titel- und folgerichtig war Letzteres auch das letzte Stück (zu Luthers Tod in Eisleben) des begeisternden Konzertes, das mit stehenden Ovationen und einer Zugabe eben dieses Stückes endete, in dem die rockenden Pfarrer dann wiederholt für die Ökumene warben: „Zwei große Kirchen, die dürfen sich nicht verlier’n“ – wie sie schon vorher nach Udo Lindenbergs „Hinter dem Horizont geht’s weiter“ intoniert hatten.

Gute Botschaft.

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