Rundum gelungener „Riaser Obad“ in Bühl

Bühl Ein Fest für alle Sinne hatten sich die Rieser Brauchtumsfreunde Appetshofen-Lierheim vorgenommen, als sie für die Rieser Kulturtage unter dem Motto „Musikanta mei Leba, Musikanta mei Fräd“ ins voll besetzte Dorfzentrum Bühl einluden. Und fürwahr – alle Sinne kamen zu ihrem Recht: Für die Ohren gab’s schwäbische Volksmusik vom Feinsten, die Augen freuten sich über ein Dutzend fesche Musikanten und zwei bildhübsche Musikantinnen, Gaumen und Nase durften sich entscheiden zwischen „Kreafloisch“ oder „Ochsamaulsalot“, danach „a Schal Kaffä und a siaßa Bretzg“. Und auch der Tastsinn kam beim Tanz wohl nicht zu kurz. Dazu für die Lachmuskeln die neckischen Sprüche auf der „Speiskart“ wie: „D’Hauptsach bei dr Musik: Ma fangt mitnandr a ond ma höart mitnandr auf!“
Dabei war dieser Hinweis gar nicht nötig, hatten sich doch zu diesem Abend durchweg nur erstklassige Musikanten angesagt: Der achtköpfige „Daitinger Blechhaufen“, die vier „Schwäbischen Wirtshausmusikanten“ und als Überraschungsgäste das württembergische Duo Rüdiger (Akkordeon) und Detlev mit seiner über hundert Jahre alten „Blechklarinette“ aus Amerika, die er über ebay gekauft hat.
Die einen wie die anderen spielten technisch blitzsaubere Volksmusik, teilweise sogar virtuos, aber immer auf volksnahem Boden. Und Uwe Rachuth hatte alles in der Hand. Ob Klarinettenspieler, Moderator, Animateur oder Geschichtenerzähler, er ordnete und bündelte die dargebotene musikalische Energie. Einmal lehrte er die Gäste das Ebermergener Trinklied „Prosit ihr Brüderlein“, dann zeigte er sich als Klarinettist in blendender Spiellaune und brachte den Saal mit dem gemeinsam gesungenen „Heut scheint der Mond so hell“ zum Dampfen, um kurz danach dem Daitinger Löffler Hans einen mucksmäuschenstillen Saal für sein hauchzartes Ziehharmonikasolo zu schaffen.
Heinz und Karl, zwei „Ableger“ der Alerheimer Flegeldrescher, haben sich den Erhalt alter Wirtshauslieder auf die Fahnen geschrieben und sich zu einem sangesfreudigen Duett zusammengetan. „Zu Haus gedenkt man meiner nicht“ und „Wie spät isch auf dr Wirtshausuhr“ sind aber auch Lieder, die in ihrer schelmischen, teilweise rotzfrechen Grundstimmung wohl bewahrt werden sollten. Passend dazu ihre augenzwinkernd erzählten Geschichten wie von dem angebieselten Lebkuchenherz auf der Nördlinger Messe und die Witze, allesamt Brüller.
„Etz sing mer no aweng durchs Dorf“ hieß es früher zur wirtshäuslichen Sperrstunde bei den ledigen Burschen, wusste Elisabeth Voack zu berichten. Von ihr erfuhr man auch, was hinter dem Forheimer „Kiachlestupfa“ steckt. Vom „anno 24“ gekauften Grammophon, „dem Groaßvatr sei Heiligtum“, erzählte der Grosselfinger Fritz Schneider. Zweimal pro Jahr war es im Einsatz, an Weihnachten – und „noch’m Sauschlachta“.
Gerda Schupp-Schied erinnerte an den Werde- und Niedergang der 1922 in der Möttinger Bahnhofsrestauration gegründeten „Rieser Heimatkapelle“. Typisch rieserisch auch ihr Abschiedsgruß nach gut drei wie im Flug vergangenen Stunden: „Legat se guat na!“ (wk)
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