Michael Öfele, durchaus auch bekannt als "Mike on Bike" ist immer noch per Fahrrad in der Welt unterwegs. Und nach wie vor unterrichtet er uns per E-Mail über die Erlebnisse auf seiner Tour:
Nach meiner Expedition zum Krater des Vulkans "Villarica" wurden mir in einer Erholungspause in Pucòn bei Tageslicht mein Schlaf- und Rucksack sowie ein großer Teil meiner Kleidung aus dem Zelt geklaut, sodass ich mit stark reduzierter Ausrüstung meine Fahrt fortsetzen musste.
Die in mir brodelnde Wut über diesen respektlosen Diebstahl legte sich erst Tage später beim Baden im idyllisch gelegenen "Lago Ranco", der von den Bergen der Anden umgeben ist, die sich im kristallklaren Wasser widerspiegeln.
Auf einer Asphaltstraße gelangte ich nach Puerto Montt, wo mir seit Langem mal wieder die frische Seeluft des Pazifischen Ozeans in die Nase stieg und mich so inspirierte, dass ich mich für eine spontane Schleife auf der "Isla Chiloe", einem 200 km langen Archipel entschied. Dort durchstreifte ich auf abgelegenen Schotterpisten das hügelige Gelände und passierte kleine Fischerdörfchen, die so friedlich wirkten, als würden sich dort Fuchs und Hase noch "Gute Nacht" sagen. In einer dieser kleinen Siedlungen wurde ich jedoch bald von der Realität eingeholt, als ich von vier Jugendlichen im Alter von 16 Jahren ein weiteres Mal bestohlen wurde. Weil ich mich zuvor mit dem Quartett während einer Fußballübertragung nett unterhalten hatte und alle dem Freundeskreis meines Gastgebers angehörten, fühlte ich mein Vertrauen nicht nur mit Füßen getreten, sondern gänzlich in den Boden gestampft, als am folgenden Morgen meine Kamera, weitere elektronische Utensilien sowie Devisen im Wert von 150 Dollar fehlten.
Dem geistesgegenwärtigen Handeln der chilenischen "Carabineros" habe ich es zu verdanken, dass die entwendeten Dinge wieder gefunden wurden. Mein Geld war allerdings wie "vom Winde verweht ..."!
In der Provinzhauptstadt "Castro", wo kleine Holzhäuschen (sog. "Palafitos") auf Holzpfählen im Wasser stehen, besuchte ich die Ostermesse in der beeindruckenden Kathedrale, die komplett aus massivem Holz gebaut ist. So machte ich mich mit Gottes Segen auf in den Nationalpark "Chiloe". Tags darauf kehrte ich auf demselben Weg zu meinem Ausgangspunkt zurück, um anschließend weiter zu radeln nach "Quellon", einer Hafenstadt am südlichen Ende der Insel. Von dort legte ich mit einer Fähre ab und war froh als ich nach zwölf Stunden Hin- und Hergeschaukle mit einem leichten Anflug von Seekrankheit wieder festen Boden unter den Laufrädern hatte.
Traumziel aufgegeben
Auf den schlichten Wald- und Wiesenwegen kam ich wegen des nasskalten Wetters und der spürbar kürzer werdenden Tage in der südlichen Hemisphäre so langsam voran, dass ich mein lange verfolgtes Traumziel "Feuerland" endgültig aufgab.
Obwohl mich der Winter mit dichtem Schneetreiben in Bariloche, der "Pforte Patagoniens", einholte, ließ ich mich von meinem Kurs in den Anden nicht abbringen. Als letztes "Highlight" meiner Rundfahrt in Nordpatagonien begab ich mich auf die circa 100 km lange "Ruta de los siete Lagos", eine zur Hälfte geschotterte Hügelstrecke, die an sieben Seen vorbeiführt. Mit vielen Ausblicken auf ein bezauberndes Bergpanorama erreichte ich bei brillantem Wetter wieder San Martin, wo kurz nach meiner Ankunft Dauerregen einsetzte. (pm)
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