Mittwoch, 13. Dezember 2017

20. März 2017 06:49 Uhr

Schlecker-Insolvenz

Wie ehemalige Schleckerfrauen den Prozess erleben

Anton Schlecker steht in Stuttgart vor Gericht. Die ehemaligen Mitarbeiterinnen des Drogeriemarkts verfolgen das Verfahren und erinnern sich. Viele waren vorübergehend arbeitslos.

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In Nördlingen gab es einst drei Schlecker-Märkte, wie diesen in der Kerschensteinerstraße. Die ehemaligen Mitarbeiterinnen erinnern sich an die letzten Tage des Unternehmens. Einige verfolgen den Prozess gegen Anton Schlecker.
Foto: Dieter Mack

Über 25000 Mitarbeiter. 1000 Filialen. Anton Schlecker trägt nicht umsonst den Beinamen Drogeriemarkt-König. Aber das war einmal. Im Juni 2012 schloss die letzte Filiale in Nördlingen in der Kerschensteinerstraße. Das einstige Drogeriemarkt-Imperium war Geschichte. Seit zwei Wochen steht Schlecker in Stuttgart vor dem Landesgericht. Der Vorwurf lautet, er habe vor der Insolvenz Geld beiseitegeschafft. „Es ist schwer für mich, meine Familie hier im Saal zu sehen. Ich hätte es ihr gerne erspart, wie ich auch gerne die Insolvenz vermieden hätte“, sagte er am zweiten Prozesstag. Da kämpfte er einen Moment mit den Tränen. Aber was ist mit den 25000 entlassenen Mitarbeitern? Den 1000 geschlossenen Filialen?

Viele ehemalige Schlecker-Mitarbeiter verfolgen Verhandlung

Allein in Nördlingen gab es drei Schlecker-Märkte, in Wallerstein einen und in Oettingen drei. Viele der ehemaligen Mitarbeiter verfolgen die Verhandlung genau. Was sie über die Insolvenz sagen und wie es bei ihnen weiterging? Babara Mayer aus Wemding hat zehn Jahre für den Konzern gearbeitet. „Es waren einfach zu viele Filialen. Herr Schlecker war größenwahnsinnig“, sagt sie. Ihrer Meinung nach hat er das Unternehmen absichtlich gegen die Wand gefahren. Zum Ende hin sei der Druck enorm geworden.

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Teilweise war die Mitarbeiterin ganz allein im Laden. „Wenn ich aufs Klo wollte, musste ich sicher sein, dass niemand mehr im Laden ist“, sagt sie. Waren seien nicht mehr gekommen. Nur noch die Eigenprodukte. Teilweise hatte sie zuhause in ihrer Freizeit noch arbeiten müssen. „Ich sagte irgendwann, jetzt reicht es.“ Mayer ist im November 2011 gegangen. In ihrer Filiale waren fünf Angestellte beschäftigt, alle haben nach der Insolvenz ihren Job verloren. Heute seien alle wieder in einem Beruf. Barbara Meyer selbst arbeitet als Verkäuferin in einem Modegeschäft. „Mir macht der Job Spaß und auch beim Schlecker war das Team super.“ Trotzdem sei sie froh gewesen, damals gegangen zu sein.

Viele Schlecker-Mitarbeiter waren arbeitslos

Hannelore Pernitzky war in Wallerstein Filialleiterin. Sie verfolgt die Verhandlung nur am Rande. „Ich habe damit abgeschlossen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Zwei Jahre bezog sie Arbeitslosengeld, danach ging Pernitzky in Rente. Dafür sei es für einige der jüngeren Kollegen schwerer gewesen. „Es gab mehrere alleinerziehende Mütter“, erinnert sich Pernitzky. Eine weitere Angestellte, die unbekannt bleiben möchte, arbeitete vier Jahre in Nördlingen. Ihr habe die Arbeit gefallen. Die Bezahlung sei ordentlich gewesen und die Arbeitszeiten konnte sie sich gut einteilen. Doch auch sie sei vorzeitig gegangen, weil sie „etwas gerochen habe“. Die ehemalige Angestellte verfolgt die Verhandlung so gut es geht.

Petra Maurer hat rund 17 Jahre bei Schlecker gearbeitet, davon eine lange Zeit als Bezirksleiterin. Als das Insolvenzverfahren begann, wurden die Bezirke vergrößert und Bezirksleiter herabgestuft zu Verkaufsstellenleitern. Bis zuletzt war Petra Maurer für die Filiale in der Kerschensteinerstraße in Nördlingen zuständig. Nachdem der Laden geschlossen wurde, war sie ein Jahr lang arbeitslos. „Ich war, seit ich 17 Jahre alt bin, immer vollbeschäftigt“, sagt sie. Das habe sie anfangs getroffen. Heute ist Petra Maurer wieder berufstätig. Mit den ehemaligen Kollegen treffe sie sich ab und zu. Über Anton Schlecker sagt sie: „Er hat alle getäuscht.“ Ihr tat es besonders für die vielen armen Frauen leid. Einige seien in ein tiefes Loch gefallen.

Am Montag folgt der nächste Prozesstag in Stuttgart am Landgericht. Schlecker drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

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Ein Artikel von
Denis Dworatschek

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