Donnerstag, 23. Mai 2013

19. März 2010 21:15 Uhr

Zwei Kindergräber aus der Zeit der Kelten

Harburg-Großsorheim Der Bereich des südlichen Rieses um die beiden Harburger Stadtteile Großsorheim und Hoppingen stellt für Archäologen eine wahre Fundgrube dar. Auf dem weithin sichtbaren Rollenberg legten zum Beispiel Menschen bereits vor ungefähr 3000 Jahren einen Ringwall an und auf den umliegenden Fluren kreuzten sich gleich mehrere Römerstraßen. Nun haben Experten mitten in Großsorheim einen weiteren für die Wissenschaft und die Heimatgeschichte gleichermaßen interessanten Fund gemacht. Auf einer Fläche, auf der ein alter Stadel stand, kamen zwei keltische Kindergräber zum Vorschein. "Es gibt nicht allzu viele Funde dieser Art im Landkreis Donau-Ries", erklärt Dr. Wolfgang Czysz, Leiter der Dienststelle Thierhaupten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege.

Auf dem Grundstück nahe der Kirche soll ein neues Wohnhaus gebaut werden. Dazu wurde der Stadel abgerissen. Weil in der Nachbarschaft bereits in den 1930er Jahren ein mittelalterlicher Töpferofen entdeckt wurde, beinhaltete die Baugenehmigung die Auflage, wonach vor dem Start der Arbeiten der Oberboden unter Aufsicht eines Fachmanns abgezogen werden muss.

Heutzutage wird laut Czysz in der Hoffnung auf historische Funde nicht mehr nur in Städten, sondern auch in Dorfkernen bei baulichen Veränderungen genauer nachgeschaut. "In diesem Fall hat das gut geklappt", freut sich der Archäologe. An der Stelle, an der die Scheune gestanden hatte, fielen dem anwesenden Grabungstechniker des Landesamts zwei dunkle Verfärbungen im steinigen Erdreich auf. Bei genauerem Hinschauen sei rasch klar geworden, dass es sich um sehr alte Grabstätten handelt, so Czysz.

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Die Überraschung: In ihnen lagen die sterblichen Überreste von Kleinkindern. Neben entsprechend winzigen Knochen stießen die Beteiligten auch auf diverse Beigaben: ein halbes Dutzend Keramikgefäße, zwei Spinnwirtel (damit wurde Schafwolle gesponnen) sowie Eisen- und Glasfragmente.

Allerdings holten die Experten nur aus einem der Gräber in mühsamer und akribischer Handarbeit die Fundstücke gleich heraus. Bei der Bergung des Skeletts und des kompletten anderen Grabes machten sich die Archäologen das kalte Wetter - nachts hatte es annähernd minus zehn Grad - zunutze. Sie bewässerten den Boden intensiv, brachen - nachdem er gefroren war - die Gräber samt dem Erdreich drum herum heraus und nahmen die Blöcke mit nach Thierhaupten.

In einer großen Tiefkühltruhe

Dort lagern sie im Moment noch in einer großen Tiefkühltruhe - und die Mitarbeiter der Behörde können in den kommenden Monaten alles, was sich in den Gräbern befindet, aufspüren und auswerten. "So können wir zum Beispiel auch millimetergroße Reste von pflanzlichen Beigaben wie Blumen oder Getreide finden. Im Gelände könnte man das gar nicht sehen", erläutert Czysz.

Dass ein vorzeitliches Grab so fachmännisch geborgen werden könne, komme selten vor. Daher habe man die Chance, vielleicht so manche neue Erkenntnis über die Menschen in dieser Zeit in der Region zu gewinnen. Aufgrund der Form der Gefäße geht Czysz davon aus, dass die Kinder vor etwa 2100 bis 2300 Jahren starben und bestattet wurden.

Die Funde stammen demnach aus der Spätphase der sogenannten Latène-Zeit (circa 300 bis 50 vor Christus). "Das war, bevor die Römer kamen", so Czysz. Die Gräber deuten dem Archäologen zufolge daraufhin, dass es im Bereich des heutigen Großsorheimer Ortszentrums eine keltische Siedlung gab. "Bislang kennen wir da nichts", berichtet Czysz.

Abrupt verschwunden

In jener Epoche hätten Kelten die Gegend bewohnt, seien dann aber abrupt "verschwunden", möglicherweise abgewandert. "Zwischen Kelten und Römern klaffen gut 100 Jahre. Deshalb sind neue Funde immer wichtig", merkt der Vertreter des Landesamts an.

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