Auf der britischen Insel Jersey geht die Polizei Hinweisen auf Jahre zurückliegende Morde an Kindern nach. Mehrere Kinder sollen in einem Kinderheim sexuell missbraucht und getötet worden sein. Schon 150 mutmaßliche Opfer haben sich gemeldet.
London (dpa) - Auf der britischen Kanalinsel Jersey geht die Polizei Hinweisen auf Jahre zurückliegende Morde an Kindern nach. Rund um ein früheres Heim wird nach Leichen gesucht.
Mehrere Kinder sollen von 1960 bis 1986 sexuell missbraucht und getötet worden sein. Einige damalige Mitarbeiter des seit 1986 geschlossenen Heims wurden festgenommen. Am Wochenende war eine erste Kinderleiche entdeckt worden. Inzwischen hätten sich 150 mutmaßliche Missbrauchsopfer sowie weitere Zeugen gemeldet, heißt es von der Polizei.
Nach der Entdeckung eines Kinderskeletts sucht die die Polizei auf der Kanalinsel Jersey nach mehreren Leichen von vermutlich sexuell missbrauchten und ermordeten Kindern.
Am Montag seien neue Hinweise auf derartige Verbrechen in einem früheren Kinderheim in der Ortschaft S. Martin eingegangen, teilte Jerseys stellvertretender Polizeichef Lenny Harper mit. Insgesamt hätten sich inzwischen 150 mutmaßliche Opfer von Kindesmissbrauch sowie weitere Zeugen gemeldet. Die Straftaten liegen teils bereits Jahrzehnte zurück.
Die großangelegte Suchaktion wurde nach der Entdeckung der stark verwesten und weitgehend nur noch aus Knochen bestehenden Kinderleiche am Wochenende auf nunmehr sieben potenzielle Fundstellen erweitert. «Wir müssen von schweren Verbrechen ausgehen», sagte Harper. Weitere Leichenfunde seien zu befürchten. Die Polizei habe die Namen von einer Reihe seinerzeit vermisster Kinder zusammengetragen.
Bei ihrer Suche in dem ehemaligen Kinderheim «Haut de la Garenne», das heute eine Jugendherberge ist, sowie in der Umgebung werden die Ermittler von Spürhunden unterstützt, die auch bei der Fahndung nach dem im Mai in Portugal verschwundenen britischen Mädchen Madeleine im Einsatz waren. Ihren Anfang hatte die Polizeiaktion im November 2007 genommen, als einstige Heimbewohner von systematischem Kindesmissbrauch berichteten.
Die Verbrechen sollen in der Zeit von 1960 bis zur Schließung des Kinderheims 1986 verübt worden sein. Die Polizei nahm inzwischen mehrere ehemalige Heimangestellte fest. Der Ex-Gesundheitsminister der Insel, Stuart Syvret, erklärte, ehemalige Heiminsassen hätten von furchtbaren Zuständen berichtet. So seien Auspeitschungen und Einzelarrest als Strafen an der Tagesordnung gewesen.
Dies sowie jahrelanger Kindesmissbrauch seien offenbar geheim gehalten und verschleiert worden. Jerseys Chefminister Frank Walker betonte, dass es für diese Vorwürfe bislang «keine echten Beweise» gebe.
Jersey ist die größte der fünf bewohnten Kanalinseln und mit 90.000 Bewohnern auch die bevölkerungsreichste. Die für schöne Strände und Klippen berühmte Insel liegt im Ärmelkanal 20 Kilometer vor der nordfranzösischen Küste. Die Kanalinseln gehören nicht direkt zu Großbritannien, sondern sind als Kronbesitz dem britischen Königshaus unterstellt. Obwohl nicht Mitglied der Europäischen Union gehören sie zum EU-Zollgebiet.
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