Fürst Albert von Monaco und Charlene Wittstock haben sich das Jawort gegeben. Und ein ganz kleines Land ist im ganz großen Ausnahmezustand. Von Birgit Holzer



Als sie dann endlich gemeinsam am Fenster des Fürstenpalais erschienen und sich küssten, kurz und diskret, aber herzlich, strahlten alle: die Sonne am Himmel, die Schaulustigen vor den Großleinwänden in Monte Carlo, der Bräutigam Albert II. von Monaco und auch seine Braut Charlene, in einem eleganten grauen Kostüm. Da hatte die fürstliche Karabiner-Fanfare gerade die zu ihren Ehren komponierte „Hymne an Fürstin Charlene“ gespielt, und aus „Mademoiselle Wittstock“ war durch ein standesamtliches „Oui“ Monacos neue Fürstin geworden. Anschließend kam das Paar zu 7618 geladenen Monegassen auf den Platz vor das Palais zum Aperitif mit Champagner und zu Spezialitäten aus Südafrika, der Heimat der 33-jährigen Braut.
Die dunklen Wolken, die am Morgen noch um den Felsen hingen, waren da längst verschwunden. Und das andere Unwetter, ein nicht sichtbares, aber hör- und spürbares, schien auch vorbeigezogen. Aufgebracht hatten es Berichte, nach denen Charlene überstürzt in ihre Heimat aufbrechen wollte, fliehen vor der so nahe bevorstehenden Ehe mit einem Mann, dessen Leben „doch nicht so beispielhaft war, wie sie es sich vorstellte“.
Ein Goldregen und rote Rosen
Stéphane Bern, Hofberichterstatter und Vertrauter des Paares, tat die „untergründigen Gerüchte“ gestern erneut als haltlos ab. Charlene und Albert seien sehr verliebt, sie hätten denselben diskret-angelsächsischen Humor, beide kochten leidenschaftlich gerne, inklusive Abwasch. Ein Leben „fast wie jedermann“ würden sie führen, versichert Bern. Er scheint es selbst zu glauben. Und strahlt. „Was für ein hässliches Gerücht“, schnaubte auch eine Monegassin am Morgen des großen Tages. Keinen Moment könne sie das glauben.
Der volksnah auftretende Albert gilt als beliebt in dem Ministaat, in dem in diesen Tagen neben dem offiziellen Verlobungsbild die patriotischen rot-weißen Fahnen allgegenwärtig sind: Sie schmücken Busse, Schaufensterpuppen, ragen beim Bäcker zwischen belegten Baguettes hervor. Selbst die rot-weißen Barrieren der vielen Baustellen scheinen ein Signal der Hochzeitsstimmung auszusenden.
So wenig der Fürstenpalast das private Liebes-Glück Alberts mit der ehemaligen Weltklasse-Schwimmerin Charlene infrage stellen will, so sehr nutzt er die Vermählung als Chance, Monaco zu bewerben. Mit rund 200000 Touristen wird in diesen Feiertagen gerechnet.
Die heute 500 Gäste bei der kirchlichen Trauung, darunter Adlige, Staats- und Regierungschefs und Prominente aus Sport, Wirtschaft und Show-Business, erwartet ein umweltbewusstes dreigängiges Menü auf Basis von Obst- und Gemüse aus Alberts eigenem Garten und vor Monacos Küste gefischten Fischen. Selbst das Riesen-Feuerwerk am Ende soll möglichst aus biologisch abbaubaren Materialien bestehen: ein Goldregen, 1001 rote Rosen, ein finaler Sprühregen in Monacos Nationalfarben Rot und Silber, und all das zur Musik „Parlez-moi d’Amour“ – „Sprich mit mir über Liebe“. Wenn das nicht auch die letzte dunkle Wolke vertreibt.
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