Freitag, 28. Juli 2017

13. Juli 2017 21:20 Uhr

Antarktis-Eisberg

Antarktis: Was bedeutet der Abgang des Riesen-Eisbergs?

In der Antarktis hat sich ein riesiger Eisberg vom Schelfeis gelöst. Wie oft so etwas vorkommt, was das für die Umwelt bedeutet und was mögliche Gründe für den Eisberg-Abbruch sind.

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In der Westantarktis hat sich ein gigantischer Eisberg vom Schelfeis gelöst. Das teilte das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung am Mittwoch mit. Der Koloss hat sich vom sogenannten Larsen-C-Schelfeis gelöst, dass sich im Nordwesten der Antarktis befindet. Der Eisberg treibt nun nach Norden und wird Experten zufolge wohl zwei, drei Jahre brauchen, bis er geschmolzen ist. Was ist eigentlich Schelfeis, welche Auswirkungen hat es, wenn ein so großer Eisberg abbricht, und wie groß ist der Koloss denn nun wirklich? Antworten auf diese Fragen lesen Sie hier:

Antarktis: Wie groß ist der Eisberg?

Der Eisberg wiegt über eine Billion Tonnen und mit 175 Kilometern Länge und einer Breite von bis zu 50 Kilometern einer der größten Eisgiganten, die Forscher in den vergangenen drei Jahrzehnten registriert haben. Er umfasst eine Fläche von etwa 5800 Quadratkilometer. Das ist fast sieben Mal so groß wie Berlin und doppelt so groß wie das Saarland. So groß ist Eisberg im Verhältnis zur Region:

Was ist das Larsen-C-Schelfeis?

Der nun abgebrochene Koloss war bislang ein Teil vom Larsen-C-Schelfeis. Schelfeis schwimmt auf dem Meer und wird von großen Gletschern gespeist. Es wächst somit immer weiter ins Meer und bricht regelmäßig ab. Das Larsen-C-Schelfeis liegt südlich von Südamerika fast an der Spitze der antarktischen Halbinsel. 

Nördlich dieses Schelfeises war das Gleichgewicht von Wachsen und Abbrechen vor einigen Jahren gestört. Ein komplettes Schelfeis sei dort zerfallen, schreibt AWI-Forscherin Daniela Jansen. Es spreche einiges dafür, dass auch das Larsen-C-Schelfeis in Gefahr sei, denn die vordere Kante habe sich noch nie so weit zurückgezogen wie derzeit. Zudem stehe die Eisplatte unter Spannung und könne zerfallen, falls an einer Schlüsselstelle ein Stück abbreche.

Das Larsen-C-Schelfeis ist nach AWI-Angaben mit fast 50.000 Quadratkilometern das viertgrößte Schelfeis der Antarktis. Am Übergang vom Festland ist es bis zu 700 Meter dick, an der Vorderkante zum freien Ozean rund 200 Meter. Dort bricht es regelmäßig ab.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Inwieweit der Klimawandel eine Rolle beim Abbruch des Eisberges gespielt hat, ist nach Forscherangaben unklar. Insgesamt gebe es jedoch seit rund 30 Jahren eine Serie ungewöhnlicher Zusammenbrüche von Eisschelfen in der Region, schreibt das US-Forschungszentrum für Schnee und Eis (NSIDC) in einem Faktenhintergrund. Nach Meinung vieler Forscher könne das mit der Erderwärmung zusammenhängen.

Nach Daten des Forschungsprogramms British Antarctic Survey ist die Eisfläche der Antarktischen Halbinsel - dem Teil der Antarktis, der sich Richtung Südamerika erstreckt - seit den 1950er Jahren um 28.000 Quadratkilometer zurückgegangen. Zum Rückgang habe der Temperaturanstieg beigetragen. Die Antarktische Halbinsel habe sich in den vergangen 50 Jahren um rund drei Grad erwärmt und zähle damit zu den Gebieten, in denen die Temperatur am schnellsten steige.

Wie ungewöhnlich ist es, dass derart große Eisberge abbrechen?

Immer wieder lösen sich gigantische Eisberge vom Schelfeis. Einige Beispiele:

  • Der größte durch Satellitenerkundung erfasste Koloss löste sich im März 2000 vom antarktischen Ross-Schelfeis. B15 - so der Name - war ursprünglich 11.600 Quadratkilometer groß. Das entspricht gut der vierfachen Größe des Saarlands. Vom ihm brach später der Eisberg B15A ab, der 2005 noch mehr als 2500 Quadratkilometer maß.
  • Ein anderer Gigant brach 2002 ebenfalls vom Ross-Schelfeis ab. Der C19 getaufte Eisberg war mehr als 6000 Quadratkilometer groß.
  • Im selben Jahr brach vom Thwaites-Gletscher in der Westantarktis ein riesiger Eisklotz ab. B22 bedeckte eine Fläche von etwa 5500 Quadratkilometern.
  • Anfang 2010 löste sich vom Mertz-Gletscher im australischen Antarktis-Gebiet der Eisberg C28 mit einer Fläche von mehr als 2500 Quadratkilometern. Zuvor war ein anderer Eisriese - ein Bruchstück des 1987 entstandenen, damals etwa 5400 Quadratkilometer großen B9 - gegen die Gletscherzunge gekracht.

Steigt jetzt der Meeresspiegel?

Das Schmelzen von Schelfeis und Eisberg erhöht den Meeresspiegel nicht, da sie auf dem Wasser schwimmen und Eis so viel Wasser verdrängt, wie es nach dem Schmelzen selbst ergibt. Allerdings führt der Verlust des Schelfeises dazu, dass die Gletscher direkt ins Meer münden und viel schneller abfließen können als vorher. Das könnte den Meeresspiegel eventuell erhöhen, allerdings nur im geringem Maße, schreibt das britische Forschungsprojekt zur Beobachtung der Antarktis (Midas).  AZ/dpa

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