Mittwoch, 28. Juni 2017

10. März 2017 14:14 Uhr

Düsseldorf

Axt-Attacke am Hauptbahnhof: Täter ist wohl psychisch krank

Ein offensichtlich psychisch kranker Amokläufer greift im Düsseldorfer Hauptbahnhof mit einer Axt wahllos Menschen an. Vier der Opfer sind in Lebensgefahr.

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Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter festgenommen.
Foto: Federico Gambarini, dpa

Schwer bewaffnete Spezialkräfte mit Maschinenpistolen durchkämmen den Hauptbahnhof in Düsseldorf, darüber kreist ein Polizeihubschrauber. Der Vorplatz und die angrenzenden Straßen sind in Blaulicht getaucht. Feuerwehr und Polizei sind mit einem Großaufgebot vor Ort. Der Bahnhof ist abgesperrt, Hunderte Schaulustige und verhinderte Reisende warten hinter Absperrbändern.

Zehn Verletzte nach Axt-Attacke

Insgesamt zehn Verletzte, das ist die Bilanz der brutalen Attacke eines psychisch kranken Amokläufers, die in einer S-Bahn aus der Nachbarstadt Kaarst kommend beginnt. Als die Bahn im Hauptbahnhof hält, zückt einer der Reisenden eine große Axt und schlägt plötzlich und völlig überraschend um sich, wie Augenzeugen später berichten werden. Vier Opfer werden am Kopf getroffen und schweben zunächst in Lebensgefahr. 

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«Der Eingangsbereich des S-Bahn-Wagens ist blutverschmiert, ebenso ist Blut auf dem Bahnsteig, der Treppe und in der Bahnhofshalle», berichtet Polizeipräsident Norbert Wesseler, der an den Tatort geeilt war. 

Um 20.54 Uhr gehen am Donnerstagabend die ersten Notrufe ein. Eine Streife der Bundespolizei ist schnell am Tatort im Bereich der Bahnsteige zu den Gleisen 13 und 14. Die Landespolizei löst Amok-Alarm aus, schließt auch einen Terroranschlag zunächst nicht aus und mobilisiert fast 600 Polizisten. 

Der Angreifer flüchtet unterdessen von der Bahnhofshalle zurück auf den Bahnsteig, rennt in südliche Richtung, springt am Ende des Bahnsteigs ins Gleisbett und 240 Meter weiter von einer Brücke mehrere Meter in die Tiefe. Damit ist seine Flucht beendet: Beim Aufprall bricht er sich mehrere Knochen, bleibt bewegungsunfähig liegen und wird festgenommen. 

Den Polizisten sagt er noch, er habe damit gerechnet, von ihnen niedergeschossen zu werden. Am Freitag wird er operiert. Das jüngste Opfer ist ein 13 Jahre altes Mädchen, die übrigen sind 30 bis 50 Jahre alt. Überwachungskameras haben das grausame Geschehen festgehalten. 

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel sieht mitgenommen aus, als er am Hauptbahnhof mit den Einsatzleitern spricht: «Das ist ein Tag, wie man ihn sich nicht jeden Tag wünscht», sagt er. Wenige Stunden zuvor war die Landeshauptstadt durch eine Weltkriegsbombe in weiten Teilen lahmgelegt und nun dies.

Amokläufer fühte sich verfolgt

Der mutmaßliche Amokläufer ist ein 36-jähriger aus Wuppertal. Oben auf der Brücke, von der er springt, findet die Polizei die Axt. Er habe sie sich vor einer Woche gekauft, weil er sich verfolgt gefühlt habe, berichtet sein Bruder der Polizei. Er hat sich Sorgen gemacht und ihn bereits als vermisst gemeldet.  

Auf den Gleisen sitzen in Zügen mit verschlossenen Türen zahlreiche Reisende fest. Züge fallen reihenweise aus oder werden umgeleitet. Schwer bewaffnete Polizisten bringen die Reisenden in kleinen Gruppen aus dem Bahnhof. «Ich saß eineinhalb Stunden lang im Zug. Zweimal kam Polizei rein und hat nachgeschaut, und jetzt eben erst durften wir raus», berichtet Michael Hartmann aus Hilden. 

Der Hauptbahnhof ist nicht zum ersten Mal Schauplatz einer solchen Tat. Vor ein paar Jahren schoss ein geistig Verwirrter hier mit Pistolen um sich - bevor der Mann auf dem Vorplatz überwältigt werden konnte, hatte er noch versucht, einer Frau in den Kopf zu schießen. 

Noch in der Nacht durchsuchen Ermittler die Wohnung des Festgenommenen in Wuppertal. Sie finden ein Attest, das ihm eine «paranoide Schizophrenie» bescheinigt. Der Asylbewerber aus dem Kosovo kam 2009 nach Deutschland, hatte eine Aufenthaltsberechtigung aus humanitären Gründen, ist nicht vorbestraft. Nun wird ihm neunfacher versuchter Totschlag vorgeworfen. Er soll in eine Psychiatrie. 

Der Hauptbahnhof bleibt in der Nacht stundenlang gesperrt, ist am Morgen aber wieder geöffnet. Es herrscht Hochbetrieb, als wäre nichts geschehen. dpa

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