Neuer Lebensmittel-Skandal? Einer Stichprobe zufolge zufolge könnte ein großer Teil des in Deutschland verkauften Schweinefleischs mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet sein. Auf fünf von 20 Proben mit abgepacktem Schweinefleisch aus Frischetheken habe ein Fachlabor bei einer bundesweiten Stichprobe "mutierte Darmbakterien der Art Escherichia coli" nachgewiesen, berichtete das Magazin "Stern" am Mittwoch aus seiner neuen Ausgabe.
Bakterien machen Antibiotika unwirksam
Die Bakterien produzieren demnach das Enzym ESBL, das verschiedene Antibiotika unwirksam mache. Die Darmbakterien fielen "bei den üblichen Hygieneuntersuchungen von Lebensmitteln durchs Raster", weil nicht nach ihnen gesucht werde, berichtete die Zeitschrift.
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Infektionen haben "stark zugenommen"
Die Zahl der Infektionen von Menschen mit den Bakterien habe jedoch in den vergangenen fünf Jahren "stark zugenommen". Es gebe viele Hinweise darauf, dass ein massenhafter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ein wesentlicher Faktor für diesen Anstieg sei, sagte Elisabeth Meyer, Fachärztin für Hygiene an der Berliner Universitätsklinik Charité, dem "Stern".
Hähnchen stark belastet
Im November hatte in Deutschland eine Studie des BUND für Aufsehen gesorgt, nach der fast alle Hähnchen aus deutschen Mastbetrieben Antibiotika als Wachstums- oder Gesundheitsdoping erhalten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium kündigte daraufhin Gegenmaßnahmen an. (afp, AZ)
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Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung stark einschränken - und damit langfristig auch die Tierhaltung insgesamt verbessern. Erreichen will sie dies unter anderem mit Änderungen im Arzneimittelgesetz, denn der Einsatz von Antibiotika ist eine «Schlüsseltechnologie in der Tierhaltung», wie ihr Ministerialdirektor Bernhard Kühnle sagt. Folgendes soll passieren:
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INFORMATIONEN ÜBER BEHANDELTE TIERE: Tierarzt und Tierhalter müssen schon heute dokumentieren, welche Tiere welche Medikamente in welcher Dosis und Dauer bekommen. Künftig sollen die Behörden eines Bundeslandes die Tierärzte verpflichten können, diese Daten auch weiterzugeben, und zwar im Umfang und in Zeiträumen, welche die Behörde bestimmt. So sollen sich die Länderbehörden einen schnellen Überblick verschaffen können.
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INFORMATIONEN ÜBER EINGESETZTE MEDIKAMENTE: In rund sechs Monaten sollen erstmals genaue Daten über die Mengen der in Deutschland verabreichten Antibiotika veröffentlicht werden. Diese Daten werden zur Zeit erhoben. Anhand dieser Zahlen sollen die Behörden dann sehen, in welche Bezirke mit welcher Postleitzahl die Arzneimittelhersteller besonders viel Medikamente an die Tierärzte liefern - ein erster Anhaltspunkt für Kontrollen.
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NEUE VORSCHRIFTEN FÜR DIE ANTIBIOTIKA-BEHANDLUNG: Tierärzte dürfen derzeit entscheiden, welches Medikament sie welchem Tier wie oft verschreiben. Künftig dürfen sie fast gar keine Antibiotika mehr verschreiben, die eigentlich für Menschen gedacht sind. Sollen Tiere ein Medikament oder ein alternatives länger als sieben Tage bekommen, muss der Tierarzt den Krankheitserreger und die Wirksamkeit des Medikaments im Labor testen lassen - das kostet, und zwar den Tierhalter. Tierärzte sollen zudem nicht mehr von den Anwendungsbestimmungen abweichen können, die für eine Arznei vorgeschrieben sind.
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INFORMATIONEN FÜR DEN SCHLACHTBETRIEB: Der Tierhalter muss den Schlachtbetrieb künftig darüber informieren, welche Medikamente das Tier bekommen hat, und zwar sein ganzes Leben lang. Bisher galt diese Informationspflicht für die letzten sieben Tage vor der Schlachtung, in denen ein Tier gar keine Medikamente bekommen darf. Aigner hofft, dass Schlachtbetriebe und der Lebensmitteleinzelhandel das Fleisch von Tieren nicht nehmen, die viele Medikamente bekommen haben.
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EINSCHRÄNKUNG FÜR TIERÄRZTE: Das Ministerium prüft zur Zeit, ob Tierärzte das sogenannte Dispensierrecht behalten sollen: Sie dürfen Arzneimittel selber herstellen und auch verkaufen. Das bedeutet für manchen Tierarzt eine erhebliche Einnahmequelle. In diesem Punkt wie auch bei den neuen Regeln zum Verschreiben von Antibiotika rechnet das Ministerium mit großem Widerstand.
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KONTROLLEN DER LÄNDER: Kontrollieren und überwachen sollen die neuen Vorschriften die Bundesländer mit ihren Veterinär- und Lebensmittelkontrolleuren. Dafür brauchen die Länder mehr Personal; und das kostet. Auch hier ist also Widerstand gegen die geplanten Gesetzesänderungen zu erwarten.
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