Nachdem der Skandal um gefährliche französische Brustimplantate bekannt wurde, versuchen die deutschen Landesbehörden nun zu erfassen, wieviele deutsche Frauen betroffen sind.
Die minderwertigen Implantate des französischen Herstellers PIP wurden auch in Deutschland verwendet. Ein Sprecher des Landesversorgungsamtes in Stuttgart sagte, in Baden-Württemberg seien «nach erstem Wissenstand» rund zehn Kliniken betroffen. Wie viele Patientinnen die Implantate bekamen, sei noch nicht klar. Der Anwalt von PIP-Gründer Jean-Claude Mas, Yves Haddad, dementierte nach französischen Medienangaben vom Dienstag Vorwürfe, der Inhalt der Brustimplantate bestehe aus industriellen Komponenten.
«Diese Enthüllungen machen keinen Sinn, es handelt sich um Lebensmittelprodukte, wie sie auch für die Zusammensetzung von Schönheitsprodukten benutzt werden», erklärte Haddad der Zeitung Libération. Gegenüber des Le Parisien betonte er, das Unternehmen Poly Implant Prothèse (PIP) habe seine Produkte selbst hergestellt, aus Zutaten, die von pharmazeutischen Unternehmen gekauft wurden und die beispielsweise auch bei Lippenstiften zum Einsatz kämen.
Nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit wurden in Berlin drei Arztpraxen und ein Krankenhaus mit den Billig-Brustimplantaten aus Frankreich beliefert. Sie seien nur bei wenigen Frauen verwendet worden, sagte Sprecherin Regina Kneiding. Allerdings lagen keine genauen Zahlen vor. Es werde von Einzelfällen ausgegangen, sagte eine Sprecherin des hessischen Sozialministeriums am Dienstag in Wiesbaden. Noch liefen die Befragungen der Regierungspräsidien und Arztpraxen, bis Mitte Januar werde es einen konkreten Überblick geben.
Anlässlich eines Vertriebsverbots in Frankreich durften die PIP-Implantate in Rheinland-Pfalz bereits seit 2010 nicht mehr verwendet werden, so das Gesundheistministerium. In Niedersachsen gibt es noch keine konkrete Aufstellung, die Gewerbeaufsichtsämter sind aber beauftragt, die Daten zusammenzutragen. Ein Sprecher des saarländischen Gesundheitsministeriums sagte, beim zuständigen Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz, das den Rückruf von Medizinprodukten überwache, werde auf eine Stellungnahme der Ärzte und Händler gewartet.
Bis Ende des Jahres waren in Frankreich 20 Frauen an Krebs erkrankt, welche die Billig-Implantate von PIP eingesetzt bekommen hatten. Ein Zusammenhang ist noch nicht erwiesen, wird allerdings befürchtet. Zwischen 400.000 und 500.000 Frauen sollen weltweit die minderwertigen Silikonkissen des Herstellers tragen.
Bei mindestens drei Frauen aus Belgien wurden die Gelbeutel im Körper sogar undicht, wie die Zeitung Het Nieuwsblad am Dienstag berichtete. Der staatlichen belgischen Agentur für Medikamente und Gesundheitsprodukte seien 2011 drei Fälle undichter Implantate gemeldet worden, zitiert die Zeitung eine Sprecherin. Eine weitere Patientin habe die Implantate vorsorglich entfernen lassen.
In Deutschland gibt es bisher 19 Fälle von gerissenen PIP-Implantaten. Eine Krebserkrankung durch die Billig-Implantate ist noch nicht bekannt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät Frauen mit Silikonbusen, sich «zur individuellen Risikoabwägung» mit ihrem Arzt zu beraten. dpa
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