Mittwoch, 23. August 2017

18. Juni 2017 19:04 Uhr

Portugal

Brände verwüsten Portugals Mitte

Tausende Menschen fliehen vor den Flammen, die sich in Portugal durch ganze Waldgebiete fressen. Die Regierung spricht von einem Horror-Szenario, die Ursache ist wohl schon klar.

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Einsatzkräfte, die sich ins Katastrophengebiet vorarbeiteten, stießen auf ausgebrannte Autos mit verkohlten Leichen. Über 60 Menschen sind bei dem Waldbrand gestorben.
Foto: Armando Franca, dpa

Erst im Laufe des Sonntags wird das ganze Ausmaß der Katastrophe klar. Die Feuerwehrmänner, die sich am Morgen zu den von Flammen eingeschlossenen portugiesischen Dörfern im Landesinneren durchkämpfen, sehen Schreckliches: Ausgebrannte Autowracks mit verkohlten Leichen auf den Zufahrtsstraßen; weinende und verletzte Menschen, die sich ihnen entgegen schleppen.

Feuer in Portugal: Mehr als 60 Tote

„Die Gewalt des Feuers war sehr groß“, berichtete Valdemar Alves, Bürgermeister des 2000-Seelen-Ortes Pedrógão Grande. „Für viele Menschen gab es keine Zeit zu entkommen.“ Der Wind sei sehr heftig gewesen, habe immer wieder gewechselt und die Flammenwände gleichzeitig in mehrere Richtungen getrieben. Einige Ortsteile seien „von den Flammen völlig eingekesselt“ worden. Zudem habe es der Zusammenbruch des Telefonnetzes erschwert, die Menschen zu warnen. Bis zum Sonntagabend fanden die Einsatzkräfte mehr als 60 Tote, unter ihnen auch mehrere Feuerwehrleute. Viele Bewohner, die ihre Häuser schützen wollten, erlitten Rauchvergiftungen. Tausende mussten Dörfer und Städte verlassen, viele entkamen dem Flammenmeer, weil sie Retter in Hubschraubern abholten. Am stärksten wütete das Feuer zwischen den drei Dörfern Castanheira de Pêra, Figueiró dos Vinhos und Pedrógão Grande.

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Es ist die größte Waldbrand-Katastrophe in Portugal seit Jahrzehnten – und vermutlich eine der schlimmsten Buschfeuer-Tragödien Europas. Ersten Ermittlungen zufolge wurde sie am Samstagmittag in der Nähe von Pedrógão Grande durch einen Blitzeinschlag in einen Baum ausgelöst. Dadurch sei vermutlich der umgebende Wald in Brand gesetzt worden, sagte Portugals Kripo-Chef. Portugals Innenstaatssekretär, der vor Ort die Rettungsarbeiten koordiniert, sprach von einem „Horror-Szenario“. Der sozialistische Regierungschef António Costa kündigte mehrtägige Staatstrauer an.

Mehr als tausend Einsatzkräfte und Soldaten aus dem ganzen Land kämpften auch am Sonntagabend noch gegen die Flammen an – an vier Feuerfronten, die sich durch die Hügellandschaft fraßen. In Portugal herrscht derzeit eine Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius im Schatten. Bereits im vergangenen Jahr gab es schwere Waldbrände im Land der Korkeichen und Eukalyptuswälder. Mehr als tausend Quadratkilometer brannten damals ab.

 

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Schlagworte

Portugal | Kripo

Ein Artikel von
Ralph Schulze

Augsburger Allgemeine
Ressort: Korrespondent Ausland

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