Während Taucher nach Vermissten der Costa Concordia suchen, geht der Streit zwischen Kapitän Francesco Schettino und der Reederei weiter. Seine Aussage könnte Schettino entlasten.


Nach dem Schiffsunglück der "Costa Concordia" sind Aussagen des unter Hausarrest stehenden Kapitäns Francesco Schettino bekannt geworden, die ihn entlasten könnten. Nach übereinstimmenden Medienberichten vom Samstag sagte Schettino bei einer Anhörung vor Gericht, er habe unmittelbar nach der Kollision mit einem Felsen beim Kreuzfahrt-Unternehmen angerufen und sowohl ein Schlepperboot als auch Hubschrauber zur Rettung gefordert.
«Mir ist ein Malheur passiert», soll Schettino in dem Telefonat gesagt haben. Die Reederei wies die Darstellung zurück. «Er hat uns belogen und auch die Besatzung des Schiffes», betonte der Chef von Reederei «Costa Crociere», Pierluigi Foschi.
Ohne große Hoffnung haben Rettungskräfte am Samstag ihre Suche nach Überlebenden im Wrack des vor einer Woche havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia vor der westitalienischen Insel Giglio fortgesetzt. «Wir bräuchten schon ein Wunder», sagte der Sprecher der Küstenwache, Cosimo Nicastro. Auch wenn es in dem Wrack irgendwo noch Luft gebe, sei es wegen der niedrigen Temperaturen unter der Meeresoberfläche unwahrscheinlich, noch Überlebende zu bergen. Das Schiff, das zuletzt in tieferes Gewässer abzurutschen gedroht hatte, lag offiziellen Angaben zufolge weiter stabil vor Giglio.
Dort war es vor einer Woche am späten Freitag auf einen Felsen gelaufen und gekentert. Mindestens elf Menschen starben, 21 weitere werden noch vermisst. Die italienische Justiz ermittelt vor allem gegen den Kapitän des Schiffs, Francesco Schettino. Er soll zu nah an die Insel herangefahren sein und dadurch das Unglück provoziert haben. Zudem könnte er auf der Brücke von einer Frau abgelenkt worden sein. Die italienische Regierung hatte am Freitag den Notstand über die Region verhängt. Da sich in dem Schiffsrumpf tonnenweise Treibstoff und Schwermetalle, Putzmittel und Farbe befinden, droht eine Umweltkatastrophe.
Neben ihrer Suche nach Überlebenden versuchen die Rettungskräfte auch, ein solches Unglück zu verhindern. Taucher setzen seit Tagen unter anderem kleine Sprengladungen ein, um unter Wasser in bisher unzugängliche Teile des Wracks vordringen zu können. Mindestens zwei Explosionen waren am Samstagmorgen im Hafen der Mittelmeerinsel Giglio zu hören.



Auch Deutsche Politiker reagieren auf das tragische Schiffsunglück der Costa Concordia. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will neue Regeln für die Sicherheit großer Kreuzfahrtschiffe durchsetzen. Deutschland wolle die Evakuierungsrichtlinie der Internationalen Seeschifffahrts- Organisation an die Größenentwicklung der Schiffe anpassen, teilte Ramsauers Ministerium mit. Beim Weltverkehrsforum Anfang Mai in Leipzig werde Ramsauer dafür werben. Das Ministerium erhoffe sich dort, eine internationale Diskussion über die Fahrgastschifffahrt anstoßen zu können, zu der auch andere Staaten etwas beitragen. dpa, afp
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: