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17. Dezember 2008 15:22 Uhr

Der Schuhwerfer von Bagdad ist Kult

«Jeder Mensch kann für 15 Minuten ein Star sein», philosophierte einst Popkünstler Andy Warhol. Der irakische Journalist Montasser al-Saidi brauchte für seinen Weg zum Ruhm gerade einmal fünf Sekunden und wird seine Popularität sicher noch etwas länger ausdehnen können.

Denn obwohl viele Kommentatoren das «unzivilisierte und unprofessionelle» Verhalten des Fernsehreporters gerügt haben, der am vergangenen Sonntag seine Schuhe auf US-Präsident George W. Bush geworfen hat: «Montasser und die Schuhe der Freiheit» sind jetzt schon Kult.

Im Internet kann, wer an primitiven Späßen Freude hat, verschiedene Computerspiele mit Namen wie «Sock and Awe» (Socke und Schrecken) oder «The Bush-Game» finden, bei denen es darum geht, einer tänzelnden Bush-Figur einen Schuh an den Kopf zu werfen. Auf der Website des Netzwerkes Facebook haben sich schon Hunderte Menschen von der Türkei bis Bangladesch als «Fans» von Al-Saidi registrieren lassen.

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Doch auch Bush-Gegner erklären in den Internet-Foren: «Hut ab vor der sportlichen Leistung des US-Präsidenten, der den pfeilschnell heransausenden Schuhen des Irakers geschickt ausgewichen ist.»

Die anti-amerikanische irakische Nachrichtenagentur INA veröffentlichte am Mittwoch gleich mehrere arabische Heldengedichte über Al-Saidi, die in den vergangenen Tagen im Jemen, in Saudi-Arabien, Ägypten und im Irak geschrieben wurden. In einem Gedicht, dass den Titel «Wirf Deine Schuhe!» trägt, heißt es: «Jede Frau wünscht sich, Montasser in ihrer Gebärmutter getragen zu haben.»

Einer der vielen Schuhwerfer-Witze, die seit Sonntag entstanden sind, lautet: Welche drei Schuhe haben Geschichte geschrieben? Der Schuh von Cinderella, der Schuh von Nikita Chruschtschow (mit dem der sowjetische Partei- und Regierungschef 1960 während einer Rede bei den Vereinten Nationen auf den Tisch schlug) und der Schuh von Montasser. Auch die Karikaturisten hat die Schuh-Attacke von Bagdad inspiriert. Eine arabische Karikatur zeigt Bush, der mit ernster Miene fordert: «Der Irak muss alle Programme zur Herstellung von Massenvernichtungsschuhen offenlegen.»

Andere arabische Humoristen stellen unter der Überschrift «Wegducken in Bagdad» eine Parallele zwischen Bushs erfolgreichem Ausweichmanöver und dem Bagdad-Besuch von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon her. Der UN-Chef war während einer Pressekonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki in Bagdad im März 2007 kurz auf Tauchstation gegangen, als in der Nähe eine Mörsergranate einschlug. Al-Maliki hatte damals - genau wie auch während des Angriffs von Schuhwerfer Al-Saidi - ungerührt und stoisch neben seinem ausländischen Gast gestanden.

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