Sonntag, 19. Mai 2013

15. Februar 2011 17:45 Uhr

Gesundheitsreport

Die Deutschen unter 30: Sorglos, optimistisch - und gestresst

Viel Alkohl und wenig Sport, das sind die Risiken, die junge Leute in Deutschland nach einer aktuellen DAK-Studie bedrohen.

Viele Deutschen unter 30 sind im Job überlastet.

Der typische Deutsche unter 30 Jahren "neigt zu einer risikobehafteten Lebensführung in allem, was er tut", sagt Herbert Rebscher. Der 56-jährige DAK-Chef hat gegen solche Sorglosigkeit bei den meisten nicht einmal etwas einzuwenden, denn Sorgen um die  Zukunft, Scheu vor jedem Risiko und seelische Lasten machen krank. Doch prekäre oder unliebsame Jobs und unklare Zukunftsaussichten werden für eine starke Minderheit schon früh zum schweren Gepäck fürs weiter Leben.

3000 junge Leute, die bereits einen Job gefunden haben, ließ die DAK für ihren aktuellen Gesundheitsreport befragen. Immerhin arbeiten fast drei Viertel in ihrem Wunschberuf - einer von vier aber nicht. Ein gutes Viertel leistet auch Schichtarbeit, 13 Prozent müssen regelmäßig Bereitschaftsdienste absolvieren, mehr als ein Drittel häufig Sonntagsarbeit. «Bei jungen Leuten nimmt die Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse zu», sagt Rebscher. Nur 28 Prozent bewerten ihren Arbeitsalltag als locker.

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Insgesamt sind aber 43 Prozent mit ihrer Arbeit auch voll und ganz zufrieden - das Bild ist also durchaus gemischt, viele gehen ihren Job mit Elan und Engagement an. «Im Grunde blicken sie sehr zuversichtlich in ihre berufliche Zukunft», sagt Studienautor Hans-Dieter Nolting. Das gilt für die Mehrheit. Doch immerhin 17 Prozent der Jüngeren blicken pessimistisch in ihre wirtschaftliche Zukunft. 27 Prozent empfinden Arbeits- und Zeitdruck als zu hoch. Der Stress nagt auch am seelischen Gleichgewicht. So stellt zeitgleich auch die Techniker Krankenkasse einen deutlichen Anstieg von Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen bei den Jüngeren fest.

Zuviel Belastung im Job ist das eine - zu wenig Anforderungen das andere. Fast zwei von drei meinen, sie könnten mehr leisten. Auch andauernde Unterforderung kann aber Stress mit sich bringen.

Gesund leben wollen die meisten - doch viele schieben es auf später auf. 38 Prozent finden es anstrengend, neben dem Job auch noch für Bewegung oder gesunde Ernährung zu sorgen. 37 Prozent meinen, sie müssten an ihrem Verhalten in dieser Hinsicht einiges oder viel verbessern.

Immer Lust auf Bier, Wein oder Schnaps beim Ausgehen hat jeder dritte junge Mann und eine von fünf Frauen - für sie gehört das dann dazu. Alkohol bleibt mit mindestens einem Suff pro Monat bei jedem dritten jungen Arbeitnehmer ein Dauerbrenner bei den Gesundheitsrisiken. Und jeweils sechs Prozent haben Fettsucht oder Bluthochdruck.

Was tun angesichts der Risiken, die im Berufsleben zutage treten? Der Hamburger Psychiatrie-Chefarzt Hans-Peter Unger sieht die Arbeitnehmer gefordert. Zur Gesundheitsbedrohung wird der Beruf, wenn die Arbeitnehmer wenig Einfluss auf die Arbeit haben, sich nicht mit ihr identifizieren, ihren Job als unsicher empfinden. Chefs müssen Feedback geben. Und wenn es mit Kontrolle und zumindest längerem Pausieren beim Alkohol oder dem Verzicht auf Tabak nicht klappt, sollte niemand den jungen Leuten mit dem Schreckensbild späterer Krankheiten kommen. Lieber sollte man auf die Suche gehen nach Ersatz im Jetzt, rät die Psychologin Hanna Permien: «Was kann ich heute tun, was auch Spaß macht?» dpa

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