Sonntag, 26. Mai 2013

29. September 2011 14:59 Uhr

Michael Jackson Prozess

Die Sache mit der Sahne

Was geschah an Michael Jacksons Todestag? Und welche Rolle spielt Leibarzt Conrad Murray? Ein Gericht begibt sich auf Spurensuche. Von Frank Herrmann

Washington Als Alberto Alvarez, der Bodyguard von Michael Jackson, am 25. Juni 2009 in dessen Schlafzimmer rannte, konnte er nicht sagen, ob der Sänger schon tot war oder noch atmete. Er sah einen reglosen Körper mit abgespreizten Armen und einen Arzt, der versuchte, ihn durch Stöße auf die Brust wiederzubeleben. Allerdings nur mit einer Hand, mit der linken. Aus irgendeinem Grund legte der Doktor großen Wert darauf, schnell ein paar Ampullen verschwinden zu lassen, so sagt es Alvarez, Fläschchen mit einem Betäubungsmittel. Conrad Murray ließ sie in eine Plastiktasche gleiten, die Alvarez in eine Papiertüte stecken musste. Warum?

Seit drei Tagen versucht ein Gericht in Los Angeles kleine Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzuschieben – es geht um den Todestag von Michael Jackson, es geht darum, was an diesem Tag wirklich geschehen ist. Die Skizze, die sichtbar wird, zeigt einen zumindest arg überforderten Arzt. Er ließ seinen berühmten Patienten gewähren, obwohl er gewusst haben musste, dass Jackson ein gefährliches Spiel mit seiner Gesundheit spielte. Folgt man Alvarez, dann wollte Murray etwas vertuschen.

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Vor dem Bodyguard war es bereits Jacksons persönlicher Assistent, der dem Herzspezialisten ein versuchtes Täuschungsmanöver vorwarf. Nachdem der Popstar in einer Klinik für tot erklärt worden war, sollte Amir Williams mit Murray zurück in die teuer gemietete Villa fahren, um Spuren zu verwischen. Es gebe da diese Sahne im Schlafzimmer, soll ihm der Doktor anvertraut haben: Michael hätte sicher nicht gewollt, dass die Welt davon erfährt. Gemeint war offenbar Propofol, ein Narkosemittel, das wegen seiner cremigen Konsistenz an Kaffeesahne denken lässt. Williams spielte nicht mit. Er informierte Faheem Muhammad, den Chef der Sicherheitstruppe des verstorbenen Sängers. Der Doktor, beschlossen die beiden, dürfe keinen Fuß mehr in Jacksons Haus setzen.

Vor Richter Michael Pastor geht es um die Dramen, die sich am Todestag Jacksons in dessen Anwesen in Holmby Hills abspielten. Paris und Prince, die beiden älteren Kinder des Sängers, stürmten herbei, als sie die Unruhe im Haus mitbekamen. Sie mussten alles mit ansehen.

Noch ist unklar, warum Murray als Erstes Jacksons Bodyguard alarmierte, statt sofort den Notruf zu wählen. David Walgren, der Chefankläger, porträtiert den Mann als eine Art Glücksritter, der mit Jacko eine Goldader entdeckt zu haben glaubte und sich weigerte, ihn in professionelle Hände zu geben. Nach Darstellung Paul Gongawares, eines Managers des Tournee-Veranstalters AEG Live, hatte er fünf Millionen Dollar Jahressalär verlangt, um Jackson für dessen Londoner Konzertmarathon fit zu machen. Kommt nicht in Frage, will Gongaware geantwortet haben, bevor er Murray auf 150000 Dollar pro Monat herunterhandelte.

Die Verteidigung dagegen skizziert einen ganz anderen Conrad Murray, einen Heilkundigen, der im Grunde machtlos war. Als er angeheuert wurde, habe Jackson ohne seinen verhängnisvollen Medikamentencocktail nicht leben wollen. Der Hautarzt Arnold Klein habe ihn abhängig werden lassen von Demerol, einem starken Schmerzmittel, das wie Opium wirkt. Demerol, sagt der Anwalt Ed Chernoff, habe Jacksons Tod verursacht. Doktor Murray könne nichts dafür.

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