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15. Oktober 2008 17:29 Uhr

East Side Gallery wird erneuert

Die East Side Gallery hat schon bessere Zeiten gesehen: Graffitis,wohin das Auge reicht, abblätternde Farbe und Kritzeleien, mit denenBesucher ihren Berlin-Aufenthalt verewigen, prägen heute das Bild. Künstler sollen die bemalten Mauerüberreste jetzt verschönern.

Sanierung der East Side Gallery beginnt
Foto: DPA

Berlin (ddp). Die East Side Gallery hat schon bessere Zeiten gesehen: Graffitis, wohin das Auge reicht, abblätternde Farbe und Kritzeleien, mit denen Besucher ihren Berlin-Aufenthalt verewigen, prägen heute das Bild.

Von den ursprünglichen Kunstwerken, die 118 internationale Künstler Ende 1990 auf die Mauer gemalt haben, ist kaum etwas übrig geblieben. Und das obwohl die East Side Gallery seit 1991 unter Denkmalschutz steht. Viele Berlin-Touristen sind enttäuscht: «Wir kannten die Bilder der Mauer aus dem Fernsehen und haben schöne Kunstwerke erwartet. Jetzt sind wir hier und sehen nur noch heruntergekommene Mauerteile», sagt Valdemar Duus aus Dänemark. Eine andere Touristin fühlt sich an die DDR-Zeit erinnert: «Heute sieht die Mauer so grau und hässlich aus wie zu Ostzeiten», sagt Christine Raser.

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Der derzeitige Zustand der Mauer ärgert auch Kani Alavi von der Künstlerinitiative East Side Gallery: «Wer die Mauer verschandelt, hat die Mauer noch im Kopf», sagte der gebürtige Perser. Alavi setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die East Side Gallery erneuert wird. Jetzt ist es soweit. Am Mittwoch begann in Berlin die umfangreiche Sanierung: Bis zum nächsten Herbst soll jedes Bild vom jeweiligen Künstler originalgetreu übermalt werden.

Susanne Kunjappu-Jellinek ist eine der Malerinnen: «Damals bedeutete die Kunstaktion die geistige Überwindung der Mauer. Ich freue mich darauf, die Mauer noch einmal zu bemalen, auch wenn es schwer ist, sich selbst zu kopieren.» Auch Künstlerin Kipka beteiligt sich wieder gerne an dem Gesamtkunstwerk: «1990 war es etwas Außergewöhnliches, die Mauer berühren und bemalen zu dürfen. Auch heute ist es noch etwas Besonderes.»

Doch bevor die Künstler den Pinsel anlegen können, müssen die Betonteile saniert werden. Die ursprünglichen Werke werden erst mit Hochdruckwasserstrahl- oder bei besonders hartnäckigen Fällen mittels Trockensandstrahlverfahren entfernt. Harald Klausch von der Baufirma Scadock & Hofmann ergänzt: «Die Eisenstäbe im Beton sind stark verrostet, der Rost sprengt den Beton. Deswegen werden die Stäbe abgestrahlt und mit Korrosionsschutz behandelt.» Für die Erneuerung der Mauer stehen rund 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. Finanziert wird die Sanierung mit Bundes- und Landesmitteln sowie mit Geldern des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und der Deutschen Klassenlotterie Berlin.

Beim symbolischen Spatenstich am Mittwoch in Berlin erinnerte Berlins Staatssekretär für Kultur, André Schmitz, an die rund 75 000 Menschen, die während der DDR-Zeit bei Fluchtversuchen am Mauerstreifen verhaftet wurden. Die Mauer diene daher als wichtige Gedenklandschaft. «Ich bin froh, dass die East Side Gallery wieder einen würdigen Zustand bekommt», sagte Schmitz. Nach Angaben des Bürgermeisters von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz, besuchen rund 800 000 Touristen jährlich die Open-Air-Galerie: «Ich hoffe, dass die East Side Gallery ein Objekt der Erinnerung bleibt und weiterhin viele Touristen die Bilder sehen können.» Bis zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im Herbst 2009 sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein.

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