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13. Dezember 2009 20:50 Uhr

Schauspielerin

Gabourey Sibide: neuer Medien-Liebling in den USA

Sie entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal. Doch die übergewichtige Gabourey Sibide ist neuer Medien-Liebling in den USA. Von Joachim Rogge

Gabourey Sibide.

Dass sie alles andere als eine Schönheit nach landläufigen Vorstellungen ist, weiß Gabourey Sibide selbst am besten. Doch mit ihrer warmen Ausstrahlung, ihrem Mutterwitz und der quirligen Lebendigkeit, die sich auf stattliche 168 Kilogramm Körperfülle verteilen, rührt sie seit einigen Wochen die Herzen Amerikas.


Die New York Times widmete der Schwarzen aus Harlem die Titelgeschichte ihres Wochenendmagazins. Und in den Talkshows der US-Sender ist die Filmentdeckung des Jahres mittlerweile Dauergast. Gabourey, die alle Welt nur Gabby nennt, fliegen die Herzen nur so zu. Und das hat die 26-jährige New Yorkerin einem Film zu verdanken, der tatsächlich alles andere als vergnügliche Kost ist. "Precious", Kostbar, heißt der Streifen des afroamerikanischen Regisseurs Lee Daniels. Erzählt wird die abgrundtief traurige Geschichte einer 16-Jährigen, deren Leben ein einziges Martyrium ist. Von der Mutter verprügelt, vom Vater missbraucht, als Teenager schon Mutter zweier Kinder, dazu noch Analphabetin und HIV-positiv: "Precious" - schon der Titel klingt wie Hohn.

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Precious wird gehänselt und gequält, bis eine alternative Schule sie aufnimmt, die den Ausgegrenzten eine Chance bietet. Dass Amerika bereit ist, sich auf eine solche Geschichte aus dem Elend der Schwarzengettos einzulassen, zeigt die Wandlung des Landes in der Obama-Ära. Inzwischen gelten Precious und Sibide sogar als heiße Anwärter für den nächsten Oscar.

Von einer Filmkarriere hat die Tochter eines senegalesischen Taxifahrers und einer Sonderschullehrerin freilich nie geträumt. Rollen für eine Frau ihres körperlichen Formats sind rar. Und Gabourey ist so tiefschwarz, wie Hollywood es eigentlich nicht gern sieht. In einem Telefon-Callcenter verdiente sie ihr Geld, das sie für ein Psychologiestudium sparen wollte, als sie per Zufall und von ihrer Mutter ermuntert an einem offenen Casting für die Precious-Hauptrolle teilnahm. Regisseur Daniels, der schon mit "Monster's Ball" ein Oscar-gekröntes Sozialdrama mit Halle Berry in der Hauptrolle schuf, suchte ein übergewichtiges schwarzes Mädchen ohne jede Schauspielerfahrung. Vom Fleck weg wurde Gabourey nach ihrem Vorsprechen unter 400 Kandidatinnen engagiert. "Sie haute mich um", sagt Daniels.

Seit "Precious" auf diversen Festivals gezeigt wurde, wird der Film mit Preisen überhäuft. Und als Co-Produzentin für den acht Millionen Dollar teuren Film hatte Daniels Amerikas Talk-Ikone Oprah Winfrey gewinnen können, die als Kind selbst missbraucht wurde. Bei den großen Hollywood-Studios war Daniels mit seinem Filmprojekt zuvor noch auf Betonwände gestoßen. Seit Oprah wiederum die Werbetrommel für Precious rührte, ist der Film auch in den US-Kinos ein Kassenschlager. In einer Nebenrolle glänzt überdies ungeschminkt Pop-Diva Mariah Carey.

Bei ihrem Filmdebüt freilich spielt Gabby mit ihrer beeindruckenden Präsenz alle an die Wand. Im Funkeln ihrer Augen spiegeln sich ihre Seelenzustände. Gabby ist ein Naturtalent, das ein Stück weit jetzt darunter leidet, derart mit der Filmfigur identifiziert zu werden, dass ihre Fans sie überall mit Precious anreden. Für viele Ausgegrenzte ist sie buchstäblich über Nacht ein Hoffnungsträger geworden, der sich von schlimmsten Widrigkeiten des Lebens nicht unterkriegen lässt. Joachim Rogge

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