Mittwoch, 22. Mai 2013

10. Mai 2012 18:41 Uhr

Musik

Großer Soul von Joan As Police Woman

Mit vierzig hat Joan Wasser alias Joan As Police Woman Hoffnung, Euphorie und Lebenslust für sich entdeckt - bislang nicht gerade ihre bevorzugten Themen.

Joan Wasser alias Joan As Police Woman kann auch fröhlich sein. (Bild: Thatcher Keats) dpa

«Ich habe entschieden, dass ich nicht auf dieser Welt bin, um andauernd trübsinnig zu sein», sagt die New Yorker Rock- und Soul-Sängerin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa und lacht dazu ihr ansteckend gutturales, selbstbewusstes Lachen. «Irgendwann wollte ich mich mit all den schlechten Erfahrungen in meinem Gepäck nicht mehr abquälen.»

So schön die zutiefst melancholischen Vorgänger-Platten «Real Life» und «To Survive» waren - der neue Optimismus steht Joan Wasser und ihrer Musik gut. «The Deep Field» ist das bislang rockigste, groovigste Album in der verschlungenen Karriere einer typischen Spätstarterin geworden.

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Ungewohnt fröhliche Songs («Human Condition», «Chemmie») stehen neben dramatischen Balladen («Forever And A Year»), Gospel-Pop («Run For Love», «I Was Everyone») und ganz viel Songwriter-Soul. Das von einem Grummel-Bass und sanften Holzbläsern getragene «Flash» entfaltet seine Magie über sieben Minuten. Auch andere Lieder nehmen sich viel Zeit und sind doch keine Sekunde zu lang.

Über all dem schwebt Wassers faszinierende, verletzliche Stimme. Kurzum: Dieses außerdem noch fantastisch produzierte Album sollte Joan As Police Woman den längst verdienten Durchbruch jenseits vom Mainstream-Soulpop einer Adele, Duffy oder Amy Winehouse bringen.

Im Gegensatz zu diesen jungen Hüpfern ist Joan Wasser bereits 20 Jahre im Geschäft. Zunächst klassisch geschult als Orchester-Violinistin in Boston, zog es sie schon bald Richtung Rockmusik. «Ich wollte Spaß in einer Band haben und richtig laute, verzerrte Sachen machen», erzählt sie über ihre musikalischen Anfänge. Der entscheidende Lebenseinschnitt kam mit dem Unfalltod ihres Freundes Jeff Buckley - der hochtalentierte Rocksänger ertrank 1997 in einem Nebenfluss des Mississippi. Es dauerte Jahre, bis sich die junge Künstlerin von diesem Schicksalsschlag erholte.

Heute blickt Wasser auf «schwere Zeiten in meinen Mittzwanzigern» zurück, die sie immerhin dazu brachten, im Rock-Business ihren Weg zu finden: «Ich musste mich ins Feuer werfen.» Sie versuchte sich nun auch an Gitarre und Klavier - und entdeckte nach großen Selbstzweifeln ihre Gesangsstimme.

Vor acht Jahren musste dann ein Bandname her, für den sie schließlich auf einen Scherz zurückgriff: «Ich war berüchtigt für meine auffällige Kleidung, und irgendwann sagte ein Freund: Joan, in diesen Klamotten siehst Du aus wie die Schauspielerin Angie Dickinson in der Fernsehserie 'Police Woman'. Da war der Name geboren.»

Es erforderte noch einige beeindruckende Auftritte neben Indiepop-Kultfiguren wie Rufus Wainwright oder Antony Hegarty (Antony And The Johnsons), ehe Joan Wasser auch als Solokünstlerin so richtig ins Rampenlicht treten konnte. Nach dem von der Kritik bejubelten Debüt «Real Life» (2006) verarbeitete sie mit dem Nachfolge-Album «To Survive» (2008) auf sehr berührende Weise den Tod ihrer Mutter.

«Meine Songs sind alle sehr persönlich und ehrlich, oft traurig», sagt die 40-Jährige heute. «Auf dem neuen Album wollte ich aber auch andere, positivere Gefühle glaubwürdig ausdrücken, so wie Stevie Wonder das immer wieder hinkriegt.» Mit «The Deep Field» hat sich Joan Wasser erfolgreich neu erfunden.

Deutschland-Konzerte von Joan As Police Woman: Hamburg 26.2., Berlin 27.2., Frankfurt/Main 28.2. (dpa)

www.joanaspolicewoman.com

www.pias.com/de

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Musik | Pop



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