Freitag, 23. Juni 2017

21. März 2017 00:35 Uhr

Studie

Hier wohnt das Glück

Die Vereinten Nationen untersuchen regelmäßig, wo die glücklichsten Menschen leben. Die skandinavischen Länder führen die Rangliste an. Was ein Norweger dazu sagt

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Die glücklichsten Menschen leben in Norwegen. So steht es zumindest im neuen Weltglücksreport der Vereinten Nationen. Damit ist das skandinavische Land erstmals auf Platz eins der Rangliste. Schlusslicht ist die Zentralafrikanische Republik.
Foto: Niels Jörgensen/Innovation Norway/dpa

Der Norweger Christian Hoiberg sitzt in Kongsberg, etwa eine Stunde südwestlich von Oslo, in seinem Büro und überlegt. Eine Erklärung, warum die Norweger das glücklichste Volk der Welt sind, hat er aber schnell gefunden: „Es ist die Natur. Norweger verbringen viel Zeit in der Natur“, sagt er am Telefon. Für einen Landschaftsfotografen eigentlich ein naheliegender Schluss.

Gestern, am Welttag des Glücks, haben die Vereinten Nationen den Weltglücksreport für 2017 veröffentlicht. Der Studie zufolge leben die glücklichsten Menschen in Norwegen, gefolgt von Dänemark, Island, der Schweiz und Finnland. Im Ranking landet Deutschland auf Platz 16 und scheint somit eine weit weniger zufriedene Nation zu sein als die skandinavischen Nachbarn.

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Seit 2012 untersuchen Forscher für die Vereinten Nationen, in welchem Land es sich am besten lebt. Was nach einer Menge Spaß klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn die Forscher untersuchen nicht nur, wer gut lebt, sondern auch, warum die Menschen in manchen Ländern besonders glücklich sind. Im Idealfall fließen die Ergebnisse in die Politik der weniger zufriedenen Staaten ein.

Der Studie zufolge mangelt es gerade Afrikanern stark an „Lebensqualität“. Neben Bürgerkriegsländern wie Syrien, der Ukraine oder Jemen liegen die meisten der unglücklichen Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Schlusslicht der Studie ist die Zentralafrikanische Republik. Auf Platz 155.

Hoiberg, weit oben im Norden, klingt jedenfalls wie ein typischer Norweger. Für das Telefonat gestern wurde er zufällig ausgewählt. Er lacht viel und plaudert einfach drauflos. Geht es um die norwegische Natur, gerät er regelrecht ins Schwärmen. „Wir Norweger brauchen keinen Grund, um rauszugehen. Die Amerikaner verstehen immer nicht, dass wir, nur um ein bisschen frische Luft zu schnappen, in den Wald gehen. Bei ihnen muss es immer gleich eine Wanderung sein. Wir sind da entspannter.“

Die Grundlage für die Rangliste sind nicht nur das Pro-Kopf-Einkommen, sondern auch Großzügigkeit, Solidarität, Freiheit für eigene Lebensentscheidungen oder der Grad der Korruption in der Gesellschaft. Die skandinavischen Länder schneiden besonders gut ab – die Bürger führen ein relativ sorgenfreies Leben. „Wir arbeiten hart, aber das Leben in Norwegen ist leicht“, bringt es Hoiberg auf den Punkt.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Rang Deutschlands nicht verändert – Platz 16. Die Deutschen sind auch nach einer anderen kürzlich veröffentlichten Studie am zufriedensten seit der Wende.

Wer selbst herausfinden möchte, wie glücklich er ist, kann die folgenden Fragen der Meinungsforscher von Gallup beantworten, die diese regelmäßig Menschen in aller Welt stellen: „Haben Sie sich gestern ausgeruht gefühlt? Sind sie den ganzen Tag über mit Respekt behandelt worden? Haben Sie gestern viel gelacht? Haben Sie etwas Interessantes gelernt oder erlebt? Hatten Sie viel Spaß?“ Christian Hoiberg übrigens kann alle fünf Fragen mit „Ja“ beantworten. Aber er lebt ja auch in Norwegen.

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Schlagworte

Norwegen | UN | Oslo | Dänemark | Island | Schweiz | Finnland

Ein Artikel von
Orla Finegan

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin

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