29 austauschbare Schönheiten treffen auf die lebendig gewordene Selbstüberschätzung. Spannung ist am Donnerstag bei "Germanys Next Topmodel" dennoch kaum aufgekommen - trotz etlicher dramaturgischer Kunstgriffe der Regie. Von Niko Steeb Von Niko Steeb
Von Niko Steeb
Berlin (AZ) - Am Ende war alles wie bei vergleichbaren Castingshows à la Deutschland sucht den Superstar. Eine halbe Stunde lang versuchten verzweifelte Regisseure und eine Heidi Klum, die bei Dieter Bohlen abgeschaut hat, künstlich Spannung zu erzeugen.
Wer die Sendung halbwegs aufmerksam verfolgt hat, wusste am Ende unweigerlich, wer fliegt: Nämlich all die, über die, in der davor über fast zwei Stunden dahinplätschernden Sendung, kaum bis gar nicht berichtet wurde. Manche Gesichter tauchten bei ihrer Abwahl das erste Mal überhaupt auf. Wer erinnert sich noch an Britta, Melanie und Antonia? 15 der 30 Kandidatinnen blieben übrig. 15? Nein, vollkommen überraschend wurde eine Ausnahme gemacht, und es kamen 16 weiter!
Groß in Szene gesetzt wurde einmal mehr die über alle Selbstzweifel erhabene Tessa ("Ich bin einfach geil!"). Bereits beim ersten Ausscheidungskriterium, einem Fotoshooting in der Eiskammer, war sie angeblich so überragend, dass die drei Juroren völlig spontan in die Umkleide zu den anderen Damen stürmten und Tessa hochjubelten. Hauptsache es vertiefen sich bereits bestehende Gräben. Die Rivalinnen quittierten dies mit einem ebenso unerwartet gequälten Lächeln. Die zur Hauptkonkurrentin stilisierte Ira blieb diesmal im Hintergrund und kommentierte Tessas Auftritte zurückhaltend.
Der Name Ira bedeutet übrigens "Die Friedfertige", während Tessa die Bedeutung "Jägerin" zugeschrieben wird. Sicher nur Zufall, doch so wie sich Tessa in den Vordergrund spielt, könnte sie gewiss als zielstrebige Amazone verstanden werden. Alle anderen Konkurrentinnen haben laut ihr ohnehin "keine Ahnung von nichts". Ihre Siegesgewissheit beim Kandidaten-Rauswurf überrascht auch kaum, kann das Format "Germanys Next Topmodel" doch nicht die einzige Quotenbringerin absägen, egal wie fragwürdig deren Charakter ist. Oder eben gerade deshalb.
Zwischenzeitlich mussten die Models nach der Eiskammer noch über einen Laufsteg wackeln. "So einen kleinen Cat-Walk habe ich noch nie gesehen - kein Problem", prollte die selbstgekrönte Alleskönnerin Tessa übrigens heraus. Doch Hochmut kommt vor dem Fall und prompt stolpert der weibliche Hyperion vor großem Publikum und muss mit verstauchtem Knöchel ins Krankenhaus. Zuvor hatte sie noch angekündigt: "Klar freue ich mich, wenn andere stürzen."
Seltsam am Ende der Sendung: Waren auf dem ersten Laufsteg, laut Aussage der Jury, alle Models Paris- oder New York-tauglich, wirkten die Lauf-Auftritte beim finalen Live-Walk eher wie eine biedere Pampa-Veranstaltung. Da lag Tessa einmal richtig: "Hier sind zu viele Ausdruckslose."
Positiv hob sich die Sendung ab, indem die Verliererinnen ihr Ausscheiden größtenteils mit Fassung trugen und nicht wie in ähnlichen Formaten in Heulkrämpfe ausbrachen. Eine Tendenz zeichnet sich schon jetzt ab: Tessa wird immer wieder angeblich vom Ausscheiden bedroht sein, aber sehr lange im Rennen bleiben. Am Ende scheitert sie und wird die neue Gina Lisa. Hoffentlich bleibt da noch genug Spannung für treue Fans.
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