Mittwoch, 24. Mai 2017

22. November 2013 14:37 Uhr

Komet 2013

Komet Ison: Advents-Komet im gefährlichen Anflug auf die Sonne

Komet Ison rast auf die Sonne zu. In der ersten Dezember-Woche könnte er ein schönes Himmelsschauspiel bieten - wenn der Komet denn sein Rendezvous mit der heißen Sonne überlebt.

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Der Komet Ison wird immer besser sichtbar.
Foto: ESO (dpa)

Komet Ison ist Millionen, vielleicht sogar Milliarden Jahre weit draußen durchs All gezogen, nun stattet Ison uns einen Besuch ab. Der Advents-Komet rast auf die Sonne zu und könnte in der ersten Dezember-Woche ein schönes Himmelsschauspiel bieten. Denn weil der Schweifstern der Sonne sehr nahe kommt, dürfte er heller als die meisten seiner Artgenossen an unserem Himmel erstrahlen - wenn er denn sein Rendezvous mit der heißen Sonne überlebt und nicht komplett auseinanderbricht.

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Ison: Komet ist kein Meteorit

Schon seit Wochen beobachten Forscher auf der ganzen Welt den Anflug von Ison auf die Sonne. Am kommenden Donnerstag wird der Komet mit der wissenschaftlichen Bezeichnung C/2012 S1 unserem  Zentralgestirn am nächsten kommen: In einer Entfernung von nur  einem Sonnen-Durchmesser wird Isonden glühenden Gasball im Zentrum des Sonnensystems umkurven - und sich dabei auf 1500 bis 2000 Grad Celsius aufheizen. Das sind gigantische Temperaturen für einen Brocken, der größtenteils aus gefrorenem Wasser und tiefgekühlten Gasen besteht.

Oft werden die Begriffe Komet, Meteorit und Asteroid durcheinander gebracht. Ein Komet oder Schweifstern entwickelt zumindest in den sonnennahen Teilen seiner Bahn meist einen leuchtenden Schweif. Asteroiden bewegen sich in Umlaufbahnen um die Sonne. Im Gegensatz zu Kometen gasen sie in Sonnennähe nicht aus Sie sind größer als Meteoroiden, aber kleiner als Zwergplaneten. Ein Meteorit ist ein Festkörper kosmischen Ursprungs, der die Erdatmosphäre bereits durchquert und den Erdboden erreicht hat.

Komet Ison könnte Sonnenpassage überleben

Komet Ison wird nicht auf der Erde landen, sondern auf die Sonne zusteuern. "Die Aussicht besteht, dass er die Sonnenpassage überlebt", sagt der Kometenforscher Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. "Aber wie er dann aussieht, kann man nicht sagen." Bereits im Anflug auf die Sonne dürften sich nach Experten-Einschätzungen zuletzt kleinere Teile vom mehrere Kilometer großen Kometenkern abgespalten haben. Darauf deuten Beobachtungen nach zwei Helligkeitsausbrüchen hin, die seit dem 7. November bei Ison registriert wurden.

Ison wird an den ersten Dezember-Tagen am Hellsten

Sollte der Schweifstern seine gefährliche Reise um die Sonne überstehen, könnte er besonders an den ersten Dezember-Tagen ein spektakuläres Bild bieten. Ison wird dann mit bloßem Auge zu sehen sein, und zwar am Morgenhimmel vor Sonnenaufgang in Horizontnähe. Auf seiner Reise weg von der Sonne wird der Komet allerdings auch schnell an Helligkeit verlieren. Zu Weihnachten dürfte Ison nur noch durch ein Fernglas zu erspähen sein, auch wenn er dann in  guter Beobachtungsposition hoch am Nachthimmel steht.

Ison kommt aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems

Wie seine Artgenossen ist Ison ein Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden  Jahren. Sie werden oft mit schmutzigen Riesen-Schneebällen  verglichen. Wenn diese Brocken sich auf ihrer Reise durchs All der  Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus. Zwar  ziehen häufig Kometen an der Sonne vorbei, doch die meisten sind  nur in Fernrohren zu sehen. Selten sind aber die hellen Schweifsterne wie zum Beispiel die prächtigen Kometen Hale-Bopp und Hyakutake aus den 1990er Jahren.

Komet Ison: Jahrhundertelang galten Kometen als Unglücksboten

Ob Ison mit diesen prächtigen Kometen konkurrieren kann, bleibt  abzuwarten. Entdeckt wurde der Advents-Komet schon vor mehr als  einem Jahr: Zwei Amateurastronomen spürten ihn am 21. September  2012 mit einem Teleskop des "International Scientific Optical  Network" (ISON) auf. Seither fiebern Astronomen und  Hobby-Sterngucker seiner Stippvisite bei der Sonne entgegen - doch  nicht immer sahen die Menschen im Auftauchen eines Schweifsterns  nur ein prächtiges Naturschauspiel. Denn jahrhundertelang galten Kometen als Unglücksboten, die Hungersnöte, Krieg und Seuchen  ankündigen.

Der Einschlag eines Kometen auf der Erde würde Katastrophe auslösen

Zu den alten Mythen gesellt sich eine zwar sehr unwahrscheinliche,  aber dennoch reale Gefahr: Der Einschlag eines Kometen auf der Erde würde tatsächlich eine globale Katastrophe auslösen. Von ISON  hingegen droht unserem Planeten kein Ungemach. Wenn der Komet am  Zweiten Weihnachtstag der Erde am nächsten kommt, wird er immer  noch einen respektvollen Abstand von deutlich mehr als 60 Millionen  Kilometern einhalten. (AZ/AFP)

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