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Achensee: Millionär verloste Villa: Das Glück des Besitzlosen

Achensee

Millionär verloste Villa: Das Glück des Besitzlosen

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    Zufrieden auf einem Plastikstuhl auf der Terrasse einer Holzhütte in Tirol: Karl Rabeder. Bild: Manuela Mayr
    Zufrieden auf einem Plastikstuhl auf der Terrasse einer Holzhütte in Tirol: Karl Rabeder. Bild: Manuela Mayr

    Man könnte ihn für einen der Bergwanderer halten, die jetzt, im September, in der Achensee-Region die letzten warmen Tage genießen: kariertes Hemd, gebräuntes Gesicht, Bürstenhaarschnitt, Urlauberlächeln. Aber der Mann, der mit federndem Schritt in die Hotellobby geeilt ist, hat nicht einmal einen Rucksack dabei. Nur eine schmale Mappe mit Unterlagen und das Handy, das er demonstrativ ausschaltet. Ein paar Tage zuvor war er wieder im Fernsehen in einer Talkshow aufgetreten. „Und da kommen dann immer viele Anrufe und Seminaranmeldungen“, sagt er.

    Es scheint so, als sei er gut im Geschäft. Karl Rabeder, der vor mehr als einem Jahr mit seiner Wandlung vom Millionär zum Wohltäter Schlagzeilen gemacht hat, sucht wieder die Öffentlichkeit. Er hat seine Biografie veröffentlicht („Wer nichts hat, kann alles geben: Wie ich meine Reichtümer gegen den Sinn des Lebens eintauschte“, Ludwig-Verlag, 19,99 Euro) und veranstaltet Seminare für Glück-Sucher – solche, die lernen wollen, „die Stimmen ihres Herzens zu verstehen“. So wie Rabeder selbst, der seine Villa in Telfs in Tirol im Wert von mehr als 2,1 Millionen Euro verlost hat, um den Ertrag in die gemeinnützige Organisation „MyMicroCredit“ zu stecken. Diese hilft Existenzgründern in Entwicklungsländern mit Darlehen.

    Seine Wohnfläche habe sich von 325 Quadratmetern in seiner damaligen Villa auf 19 Quadratmeter in einer Berghütte reduziert, erzählt er: „Viele haben es nicht geglaubt.“ Aber dem Traumhaus, das eine Bioladen-Betreiberin aus Bayern für ein Los zum Preis von 99 Euro gewonnen hat, trauert er nicht nach. Jetzt lebe er so, wie er immer schon leben wollte: „Vor allem draußen.“

    Um zu unterstreichen, wie gut es ihm jetzt gehe, fordert er dazu auf, das Foto zu betrachten, das auf dem Einband seines Buches zu sehen ist. Es zeigt einen müden älteren Mann, der von einem Balkon aus sehnsüchtig Richtung Berge schaut. Das war Rabeder am Ende seiner Karriere als Geschäftsmann. Einer, der mit Mitte 30 mit seiner Firma für Wohnaccessoires schon so viel Geld gemacht hatte, dass er „von den Zinsen hätte leben können“, mit Ende 40 aber wusste, dass das, was ihm seine Großmutter in der Nachkriegszeit eingepflanzt hatte, falsch war. Dass sich nämlich der Wert eines Menschen nach dem bemisst, was er besitzt und sich leisten kann.

    Es geht um die Frage, wie will ich leben?

    Der Mann, der jetzt betont locker in der Hotellobby sitzt, sieht deutlich jünger und dynamischer aus als der auf dem alten Foto. Der 49-jährige Österreicher wirkt befreit. Aber es drängt ihn nicht, darüber zu berichten, in welchem Umfang aus dem Ertrag der Verlosung Hilfsprojekte finanziert werden konnten. In Lateinamerika, wo die Empfänger der Mikrokredite laut der Website der Organisation vor allem zu Hause sind, sei er nach dem Auszug aus der Villa nicht mehr gewesen. „Da war ich früher so oft. Das läuft“, sagt er.

    Stattdessen spricht er lieber von der Freude, die ihm seine Arbeit als „Coach“ bereitet. Sein zweiter Beruf habe ihn gefunden – der eines „Geburtshelfers“, der anderen Mut mache, „das Kind, das sie in sich tragen, tatsächlich auf die Welt zu bringen“. Mit dem Kind ist die Entscheidung gemeint, die jeder Mensch treffen müsse: „Die Entscheidung, wie will ich leben?“

    Der begeisterte Segelflieger hatte sein Talent, andere zu motivieren, schon von 1999 an als Trainer der österreichischen Segelflug-Nationalmannschaft eingesetzt. Noch heute trainiert er die Junioren – wenn er nicht gerade mit dem Gleitschirm über die Berge schwebt oder wandernd die Bergwelt genießt.

    Zu Fuß habe er auch die namibische Wüste erkundet, als ihm in seinem ersten Winter in der Berghütte das Wasser in der Leitung einfror. Dort entwickelte Rabeder, der Mathematik, Physik und Chemie fürs Lehramt studiert hat und danach Betriebswirtschaft, seine nächste Geschäftsidee für Existenzgründer: Unter dem Boden des heißen, trockenen Landes auf der Südhalbkugel könne man hervorragend Pilze züchten, erzählt er. Das sei ein weiteres Projekt von „MyMicroCredit“. In Afrika gebe es überhaupt noch sehr viel zu tun.

    Aber wie lebt er sonst? 1000 Euro im Monat fürs Private reichten ihm locker, trotz 250 Euro Miete für die Berghütte, versichert er. Und wie sieht die Hütte aus?

    Die Fahrt vom Seminarhotel geht bergauf. Rabeder hält mit seinem Audi – „ein Geschäftsauto“ – an einem Bauernhof. Auf der Wiese davor suchen Laufenten nach Schnecken und grasen Kaninchen. „Wie auf einer Alm“, schwärmt Rabeder. Dann allerdings wird es etwas ungemütlich. Auf der Terrasse des Holzhäuschens stehen kalte Plastikstühle an einem Plastiktisch. Hier sitze er oft und arbeite am Computer.

    Die Tür der Hütte, vor der Schuhe in verschiedenen Größen liegen, ist zugesperrt. Er habe das Quartier räumen müssen, weil es für ein paar Tage langjährigen Feriengästen versprochen war, erklärt Rabeder.

    Da kommt der Bauer auch schon und fordert Rabeder unwirsch auf, die Terrasse zu verlassen: „Die anderen können jeden Moment da sein.“ Die Besichtigung ist beendet. Er wohne zurzeit in einem Zimmer in einem anderen Bauernhaus, sagt Rabeder. Dann steigt er in seinen Audi ein und fährt hangaufwärts.

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