Die Münchner Polizei fand bei Durchsuchungsaktion in Dominastudios große Mengen des Betäubungsmittel Procain. Es wird in der SM-Szene für besonders harte Praktiken verwendet.


Ein Tipp führte die Münchener Polizei in Dominastudios. Dort vermuteten die Beamten das Betäubungsmittel Procain. Sie wurden fündig. Offenbar wird in der sogenannten „SM-Szene“ und speziell in Dominastudios Sitzungen unter Verwendung von Procain durchgeführt. Eigentlich wird Procain primär als Lokalanästhetikum in der Zahnmedizin und der Krebstherapie eingesetzt. Im Sadomasobereich hat es einen anderen Zweck: Es geht darum, härtere Praktiken erträglich und damit erst möglich zu machen.
Am gestrigen Montag durchsuchten Polizeibeamte verschiedene Dominastudios und Wohnungen. Dabei wurden bei sieben Personen, im Alter von 33 bis 47 Jahren, Flaschen und Ampullen mit Procain gefunden. Die Mengen sind zum Teil erheblich: Eine 34- Jährige hatte insgesamt 100 Procain-Flaschen in ihrem Bestand. Bei einer 42-Jährigen wurden insgesamt 145 Procaineinheiten festgestellt. Insgesamt wurde bei der Durchsuchung ein hoher fünfstelliger Geldbetrag sichergestellt und es wurde eine geringe Menge Canabis gefunden. Außerdem vermutet die Polizei, dass die Medikamente vor dem Konsum verändert wurden. Ein Gutachten soll hierüber genaue Aufklärung geben.
Die sieben Beschuldigten wurden nach den Vernehmungen wieder entlassen. Die Ermittlungen bewegen sich hier im Bereich der gefährlichen Körperverletzung und Verstößen nach dem Arzneimittelgesetz und nach der Heilpraktikerverordnung. Injektionen dürfen nur von ausgebildeten Heilpraktikern oder approbierten Ärzten durchgeführt werden. Eine Ausbildung zur Krankenschwester oder Arzthelferin reicht hier nicht aus, da diese nur auf ausdrückliche Anweisung eines Arztes Injektionen verabreichen dürfen. Wird ein Medikament nicht entsprechend seiner Bestimmung verabreicht, im Fall von Procain heißt dies unter beziehungsweise in die Haut, stellt dies eine gefährliche Körperverletzung dar.
Die bestimmungsgemäße Anwendung ist auf den Flaschen vermerkt. Wird Procain gestreckt, verwässert oder der Inhalt auf irgendeine Weise verändert, wird hier ein Vergehen gegen das Arzneimittelgesetz angezeigt. Außerdem kann das Verabreichen laut Polizei die Konsumenten stark gefährden. Neben erheblichen gesundheitlichen und psychischen Folgen kann Procain süchtig machen. Die Polizei spricht von dem Fall eines 45-Jährigen, der mehrere zehntausend Euro brauchte, um seine Sucht zu finanzieren. Hierfür musste er unter anderem sein Auto verkaufen und Kredite aufnehmen. AZ
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