Die Ermittler in Frankreich arbeiten fieberhaft an dem Profil des Serien-Mörders in Frankreich. Die Spur führte ins Regiment der getöteten Soldaten.



Die französische Polizei setzt nicht mehr vorrangig auf die Spur, die nach der Angriffsserie im südfranzösischen Toulouse zu mutmaßlichen Neonazis in der Armee führte. Die Spur zu Soldaten, die «mehr oder weniger» der Neonazi-Szene nahestanden, werde bei den Ermittlungen nicht mehr bevorzugt verfolgt, hieß es am Dienstag aus Polizeikreisen. Noch am Morgen hatte Innenminister Claude Guéant bei der Tätersuche von Soldaten mit Neonazi-Ansichten gesprochen, «die aus der Armee entlassen worden sein und Rachegedanken haben könnten».
Das Magazin «Le Point» hatte über Neonazis im 17. Fallschirmjägerregiment berichtet, zu dem zwei Todesopfer des Attentäters gehörten. Die satirische Wochenzeitung «Canard enchaîné» veröffentlichte 2008 ein Foto von drei Soldaten des Regiments, die eine Hakenkreuzfahne halten und den Hitlergruß zeigen. Der Serienmörder hatte drei Soldaten nordafrikanischer Abstammung getötet und am Montag vor einer jüdischen Schule vier Menschen erschossen. Präsident Nicolas Sarkozy ging am Montagabend von einer anti-semitischen Gesinnung des Unbekannten aus.
Das mögliche Motiv und das psychologische Profil des Täters rücken bei den Ermittlungen in den Vordergrund. Viele Ermittler, die von «Profilern» der Polizei unterstützt werden, sind sich darin einig, dass der Täter äußerst entschlossen, berechnend, kaltblütig, sportlich und vertraut im Umgang mit Waffen ist. Zudem filmte der Unbekannte offenbar seine Taten: Ein Zeuge sah eine kleine Kamera, die der Mörder «um seine Brust geschnallt hatte», wie Innenminister Claude Guéant am Dienstag berichtete.
Ein Phantombild des Täter gibt es bisher nicht, denn der Unbekannte, der stets mit einem gestohlenen Motorroller flüchtete, nahm seinen Helm nie ab. Trotz der Videoüberwachung in Toulouse und im etwa 50 Kilometer entfernten Montauban konnten die Ermittler daher bisher nur schemenhafte Umrisse des Mannes zeichnen, der mittelgroß sein soll und dunkel gekleidet war. Eine Zeugin, die den Täter aus der Nähe sehen konnte, will eine Tätowierung im Gesicht erkannt haben. Weder Fingerabdrücke noch DNA-Spuren fanden die Ermittler bisher.
»Das riecht nach Militär, das ist ein Profi oder ein früherer Profi», sagen Ermittler. Andere sehen auch in seiner «perfekten Waffenkenntnis», seinem «Umgang» mit den Waffen und seiner Selbstkontrolle einige Anzeichen dafür, dass der Schütze einen militärischen Hintergrund haben könnte.
Auf einen rechtsextremen Hintergrund könnte zudem ein Vorfall hindeuten, der sich im 17. Regiment von Montauban abspielte, dem zwei der getöteten Soldaten angehörten. Laut dem Magazin «Le Point» gab es Neonazis in der Einheit, die regelmäßig im Ausland zum Einsatz kommt. 2008 wurde ein Foto von drei Soldaten publik, die vor einer Hakenkreuzfahne den Hitlergruß zeigten.
Geprüft wird auch die Terrorismus-Spur. Doch nach Angaben aus Ermittlerkreisen wird ein Terrorakt einer ausländischen Gruppe wie Al-Kaida eher ausgeschlossen. Sollte es sich bei dem Täter um einen Islamisten handeln, dann glauben die Ermittler eher an einen radikalisierten Einzeltäter aus Frankreich. Auch ein Akt einer linksextremen oder neonazistischen Terrorgruppe ist nicht die Annahme, die im Vordergrund steht. Dass sich die für Terrorismus zuständige Staatsanwaltschaft in Paris eingeschaltet hat, erklären Justizkreise damit, dass durch die mörderische Serie «ein Klima der Einschüchterung und des Terrors» entstanden sei.
Der Unbekannte schoss in allen Fällen mit einer Waffe vom Kaliber 11,43 Millimeter, in der jüdischen Schule auch mit einer zweiten, kleineren Pistole. Andere Ermittler weisen aber auch darauf hin, dass es mit der Zielgenauigkeit des Täters nicht so weit her sei. Trotz der geringen Distanz zu den Opfern seien einige Schüsse daneben gegangen.
Die vor der jüdischen Schule in Toulouse erschossenen Kinder und ihr Lehrer werden am Mittwoch in Jerusalem beerdigt. Das kündigte das israelische Außenministerium am Dienstag an. Eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al mit den Särgen an Bord werde um 4.20 Uhr MEZ in Tel Aviv erwartet. Vom Flughafen Ben Gurion würden die Särge nach Jerusalem gebracht, wo um 8.00 Uhr die Beisetzung vorgesehen sei.
Nach israelischen Angaben handelt es sich bei den Opfern um Rabbi Jonathan Sandler und dessen Kinder Gabriel und Arieh sowie Miriam Monsonego. Nach Angaben des französischen Innenministeriums war der Lehrer, der die israelische und die französische Staatsbürgerschaft hatte, 30 Jahre alt. Zu den Kindern gibt es in Jerusalem und Paris unterschiedliche Altersangaben zwischen drei und sieben Jahren. afp/dpa/AZ
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