Mittwoch, 22. Mai 2013

20. März 2012 17:13 Uhr

Synagoge in Toulouse

Neonazi-Spur in Frankreich nicht mehr im Vordergrund

Die Ermittler in Frankreich arbeiten fieberhaft an dem Profil des Serien-Mörders in Frankreich. Die Spur führte ins Regiment der getöteten Soldaten.

Die französische Polizei setzt nicht mehr vorrangig auf die Spur, die nach der Angriffsserie im südfranzösischen Toulouse zu mutmaßlichen Neonazis in der Armee führte. Die Spur zu Soldaten, die «mehr oder weniger» der Neonazi-Szene nahestanden, werde bei den Ermittlungen nicht mehr bevorzugt verfolgt, hieß es am Dienstag aus Polizeikreisen. Noch am Morgen hatte Innenminister Claude Guéant bei der Tätersuche von Soldaten mit Neonazi-Ansichten gesprochen, «die aus der Armee entlassen worden sein und Rachegedanken haben könnten».

Neonazi-Spur in Frankreich nicht mehr im Vordergrund

Das Magazin «Le Point» hatte über Neonazis im 17. Fallschirmjägerregiment berichtet, zu dem zwei Todesopfer des Attentäters gehörten. Die satirische Wochenzeitung «Canard enchaîné» veröffentlichte 2008 ein Foto von drei Soldaten des Regiments, die eine Hakenkreuzfahne halten und den Hitlergruß zeigen. Der Serienmörder hatte drei Soldaten nordafrikanischer Abstammung getötet und am Montag vor einer jüdischen Schule vier Menschen erschossen. Präsident Nicolas Sarkozy ging am Montagabend von einer anti-semitischen Gesinnung des Unbekannten aus.

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Täter bringt Kinder und Lehrer vor Synagoge in Toulouse um

Das mögliche Motiv und das psychologische Profil des Täters  rücken bei den Ermittlungen in den Vordergrund. Viele  Ermittler, die von «Profilern» der Polizei unterstützt werden, sind  sich darin einig, dass der Täter äußerst entschlossen, berechnend,  kaltblütig, sportlich und vertraut im Umgang mit Waffen ist. Zudem filmte der Unbekannte offenbar seine Taten: Ein Zeuge sah eine  kleine Kamera, die der Mörder «um seine Brust geschnallt hatte»,  wie Innenminister Claude Guéant am Dienstag berichtete.

Serienkiller von Frankreich: Berechnend und kaltblütig

Ein Phantombild des Täter gibt es bisher nicht, denn der  Unbekannte, der stets mit einem gestohlenen Motorroller flüchtete,  nahm seinen Helm nie ab. Trotz der Videoüberwachung in Toulouse und  im etwa 50 Kilometer entfernten Montauban konnten die Ermittler  daher bisher nur schemenhafte Umrisse des Mannes zeichnen, der  mittelgroß sein soll und dunkel gekleidet war. Eine Zeugin, die den  Täter aus der Nähe sehen konnte, will eine Tätowierung im Gesicht  erkannt haben. Weder Fingerabdrücke noch DNA-Spuren fanden die  Ermittler bisher.

Täter könnte ein Soldat oder Ex-Soldat sein

»Das riecht nach Militär, das ist ein Profi oder ein früherer  Profi», sagen Ermittler. Andere sehen auch in seiner «perfekten  Waffenkenntnis», seinem «Umgang» mit den Waffen und seiner  Selbstkontrolle einige Anzeichen dafür, dass der Schütze einen  militärischen Hintergrund haben könnte.

Auf einen rechtsextremen Hintergrund könnte zudem ein Vorfall  hindeuten, der sich im 17. Regiment von Montauban abspielte, dem  zwei der getöteten Soldaten angehörten. Laut dem Magazin «Le Point»  gab es Neonazis in der Einheit, die regelmäßig im Ausland zum  Einsatz kommt. 2008 wurde ein Foto von drei Soldaten publik, die  vor einer Hakenkreuzfahne den Hitlergruß zeigten.

Geprüft wird auch die Terrorismus-Spur. Doch nach Angaben aus  Ermittlerkreisen wird ein Terrorakt einer ausländischen Gruppe wie  Al-Kaida eher ausgeschlossen. Sollte es sich bei dem Täter um einen  Islamisten handeln, dann glauben die Ermittler eher an einen  radikalisierten Einzeltäter aus Frankreich. Auch ein Akt einer  linksextremen oder neonazistischen Terrorgruppe ist nicht die  Annahme, die im Vordergrund steht. Dass sich die für Terrorismus  zuständige Staatsanwaltschaft in Paris eingeschaltet hat, erklären  Justizkreise damit, dass durch die mörderische Serie «ein Klima der  Einschüchterung und des Terrors» entstanden sei.

Der Unbekannte schoss in allen Fällen mit einer Waffe vom  Kaliber 11,43 Millimeter, in der jüdischen Schule auch mit einer  zweiten, kleineren Pistole. Andere Ermittler weisen aber auch  darauf hin, dass es mit der Zielgenauigkeit des Täters nicht so  weit her sei. Trotz der geringen Distanz zu den Opfern seien einige  Schüsse daneben gegangen.

Opfer von Toulouse werden in Jerusalem beerdigt

Die vor der jüdischen Schule in Toulouse erschossenen Kinder  und ihr Lehrer werden am Mittwoch in Jerusalem beerdigt. Das kündigte das israelische Außenministerium am Dienstag an. Eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al mit den Särgen an Bord werde um 4.20 Uhr MEZ in Tel Aviv erwartet. Vom Flughafen Ben Gurion würden die Särge nach Jerusalem gebracht, wo um 8.00 Uhr die Beisetzung vorgesehen sei.

Nach israelischen Angaben handelt es sich bei den Opfern um Rabbi Jonathan Sandler und dessen Kinder Gabriel und Arieh sowie Miriam Monsonego. Nach Angaben des französischen Innenministeriums war der Lehrer, der die israelische und die französische Staatsbürgerschaft hatte,  30 Jahre alt. Zu den Kindern gibt es in Jerusalem und Paris unterschiedliche Altersangaben zwischen drei und sieben Jahren.  afp/dpa/AZ

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