Samstag, 18. Mai 2013

08. Mai 2012 07:14 Uhr

Beuteltierplage

Neuseeland: 20 Mal so viele Possums wie Einwohner - zur Freude der Pelzindustrie

Niedlich sieht das Possum aus, doch in Neuseeland ist es verhasst. Die Tiere ruinieren Vorgärten und vergreifen sich an den Eiern des Kiwi. Jäger wollen damit nun Schluss machen.

In Neuseeland ist das possierlich wirkende Beuteltier Fuchskusus landesweit verhasst. Die «Possum» genannten Kletterer ruinieren Vorgärten. Sie zerstören Bäume. Und vor allem vergreifen sie sich an den Eiern des vielgeliebten Wappenvogels, des Kiwi.
Foto: AFP

70 Millionen Possums soll es mittlerweile in Neuseeland geben - das wären 20  Mal so viele Beuteltiere wie Einwohner. Einige Jäger haben sich jetzt  darangemacht, dem Possum den Garaus zu machen. Neuseelands Pelzindustrie sieht das mit Freude.

Possums haben keine natürlichen Feinde

»Das ist ein ziemlich hartes Leben, dafür eignet sich nicht  jeder», sagt Stu Flett, während er Possum-Kadaver an seiner Wäscheleine auf der neuseeländischen Nordinsel aufreiht. Er  trocknet so ihr Fell, bevor er es weiterverarbeitet und dann  verkauft. Die Possums, die in ihrer Heimat Australien sogar unter  Schutz stehen, gelangten im 19. Jahrhundert nach Neuseeland: Hier  haben die nachtaktiven Säugetiere keine natürlichen Feinde, weshalb  sie sich in kurzer Zeit geradezu explosiv vermehrten.

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»Possums gelten als echte Plagegeister, Autofahrer halten auf  der Straße auf sie zu, um sie zu erlegen», sagt Possumjäger Jake  McLean: «Das sind richtig fiese kleine Biester, wenn man in ihre  Nähe kommt.» Während viele Neuseeländer sich mit der Jagd auf die  Possums nur ein bisschen Extrageld für den Kneipenbesuch verdienen,  zieht eine kleine Gruppe Jäger regelmäßig in den Busch, um den  Lebensunterhalt mit der Jagd auf die Fuchskusus, wie die Possums auch genannte werden,  zu verdienen.

Ein Kilo Fell  bringt rund 100 neuseeländische Dollar 

Ein Kilogramm Kusufell bringt etwa 100 neuseeländische Dollar (knapp 62 Euro) ein, «doch wer ernsthaft jagt, kann pro Jahr auch  40.000 bis 50.000 neuseeländische Dollar machen», sagt McLean. Allerdings, betont er, «ein angenehmes Leben ist das nicht gerade». Die meisten hauptberuflichen Possumjäger erledigten diesen Job nur vier oder fünf Jahre, um sich dann ein Haus von dem Geld zu kaufen.

Aus Possumfell werden Pullover, Schals und Handschuhe gefertigt

McLean selbst ging bis zum vergangenen Jahr im Auftrag der Stadt  Masterton selbst professionell auf Possumjagd - immer wieder für zehntägige Einsätze. Schließlich wurde es ihm zu viel, heute  arbeitet er in einem Jagdgeschäft in Masterton und kauft die  Possumfelle auf, die ihm seine ehemaligen Jägerkollegen anbieten.

Die Possumfelle werden an Unternehmen verkauft, die daraus  luxuriöse Pullover, Schals und Handschuhe fertigen. Das Fell ist  sehr gefragt, weil die Haare - wie beim Eisbären - hohl sind und  dadurch sehr warm halten. Gemischt mit Merinowolle lässt sich aus  den Possumfellen eine weiche, leichte Faser gewinnen. Greg Howard  zufolge, der aus Possumleder Golfhandschuhe produziert, kommen in  Neuseeland jährlich zwei Millionen Possumhäute auf den Markt. Nach  Howards Einschätzung ließe sich diese Zahl enorm steigern, wenn die  Qualitäten der Beuteltierhaut im Ausland ausreichend beworben  würden.

Ethische Bedenken haben die Jäger nicht

Howard hat keinerlei ethische Bedenken, was die Jagd auf den  Beuteltierpelz angeht - schließlich seien die Tiere in Neuseeland  eine richtige Landplage, die der Umwelt großen Schaden zufüge. Die  Jagd helfe also beim Naturschutz, meint er. Jetzt sei nur noch die  Unterstützung der Regierung gefragt, um den Possumfellmarkt richtig  in Schwung zu bringen.

Umweltschützer kritisieren den Handel mit dem Fell

Der neuseeländische Zweig der Umweltschutzorganisation WWF mahnt  dagegen, so sehr auch der WWF für das Dezimieren der Possums sei,  so fragwürdig sei es, darauf gleich einen ganzen Pelzmarkt  aufzubauen. «Der WWF unterstützt den kommerziellen Handel mit  Possumfellen nicht», erklären die Umweltschützer: «Es ist nämlich  nicht auszuschließen, dass Unternehmen, die vom Possumfell-Verkauf  profitieren, ein Interesse am Fortbestand dieser Plagegeister haben.« afp, AZ

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Neuseeland | Tiere