Was war das für ein Hype um den Kinofilm "New Moon - Biss zur Mittagsstunde". Und jetzt das: Die Darsteller der Vampirromanze sind für die Goldene Himbeere nominiert - wie andere Stars auch.

Berlin (ddp). Um diese Auszeichnung reißt sich niemand in Hollywood. Während sich die Filmbranche in der derzeit laufenden und in den Oscars gipfelnden Preissaison meist selbst feiert, gehen die Goldenen Himbeeren unbeirrt den entgegengesetzten Weg.
Seit 1981 kürt die Golden Rasperry Award Stiftung die schlechtesten Leistungen des vergangenen Kinojahres. 2010 feiern die Anti-Preise der Filmmetropole ihre 30. Ausgabe. Chancen auf einen Preis können sich in diesem Jahr die Hauptdarsteller der Vampirromanze «New Moon - Biss zur Mittagsstunde» machen: Sowohl Robert Pattinson als auch Kristen Stewart und Taylor Lautner wurden am Montagabend als Kandidaten für eine Goldene Himbeere bekanntgegeben.
Wie die Golden Rasperry Award Stiftung mitteilte, ist Teenieschwarm Pattinson, der in den «Twilight»-Bestsellerverfilmungen den Vampir Edward spielt, für eine Himbeere als schlechtester Nebendarsteller nominiert. Stewart (als Bella Swan) wurde alternativ mit Lautner (als Werwolf Jacob) oder Pattinson für eines der schlechtesten Leinwandpaare 2009 befunden.
Als schlechteste Hauptdarstellerin könnte Sandra Bullock eine Goldene Himbeere erhalten - und das kurioserweise einen Tag, bevor sie möglicherweise mit einem Oscar ausgezeichnet wird. Bullock gilt mit dem Sportlerdrama «Blind Side» als eine aussichtsreiche Anwärterin auf die wichtigste Filmtrophäe der Welt. Die Goldene Himbeere für ihre Rolle in der Komödie «Verrückt nach Steve» könnte sie einen Tag vor der Oscar-Gala, also am 6. März, mit nach Hause nehmen.
Die Mitglieder der Stiftung haben als schlechteste Hauptdarstellerinnen außerdem Sarah Jessica Parker («Haben Sie das von den Morgans gehört?»), Beyoncé («Obsessed»), Miley Cyrus («Hannah Montana - Der Film») und Megan Fox («Jennifer's Body» und «Transformers») nominiert.
Bei den Herren fällt die Entscheidung zwischen dem Moderator der diesjährigen Oscar-Verleihung, Steve Martin («Der Rosarote Panther 2»), John Travolta («Old Dogs - Daddy oder Deal»), Will Ferrell («Die fast vergessene Welt»), Eddie Murphy («Zuhause ist der Zauber los») und den Jonas Brothers («Jonas Brothers: The 3-D Concert Experience»).
Mit jeweils sieben Nominierungen sind die beiden Filme «Transformers - Die Rache» von Regisseur Michael Bay und «Die fast vergessene Welt» von Brad Silberling Favoriten auf den Anti-Preis.
Im Gegensatz zum Auflauf bei renommierten Preisverleihungen bleiben Prominente der Himbeer-Gala naturgemäß meist fern. Filmemacher Paul Verhoeven wagte1996 den Anfang, als seine mittlerweile in den Kultstatus erhobenen «Showgirls» die Rekordzahl von 13 Nominierungen und 7 «Gewinnen» verbuchten. Verhoeven nahm die mit Goldfarbe besprühte Trophäe im Wert von 4,79 US-Dollar für den schlechtesten Regisseur und den schlechtesten Film entgegen.
Den gefeiertsten Auftritt legte aber die mit offenbar viel Selbstironie gesegnete Halle Berry hin. 2002 war die Schauspielerin noch für das Drama «Monster's Ball» als erste Afroamerikanerin mit dem Oscar für die beste Hauptdarstellerin geehrt worden. Nur zwei Jahre später erntete sie für «Catwoman» Spott, Häme und eben auch eine Goldene Himbeere.
Berry nahm es mit Humor und parodierte bei der Entgegennahme des Preises ihre tränenreiche Oscar-Rede. Mit der Billig-Beere in der rechten und ihrem Academy Award in der linken Hand dankte sie dem Filmstudio, für die Rolle in diesem «Stück Scheiße» und den vielen miesen Schauspielern, die ihre eigene schlimme Leistung erst ermöglicht hätten.
Der Anti-Preis ist eine Erfindung von John Wilson. Der freischaffende Texter für Filmtrailer hatte auf seinen Oscar-Partys aus Jux die schlechtesten Leistungen des Kinojahrs küren lassen und 1981 in seinem Wohnzimmer die ersten jährlichen Razzie Awards verliehen. Der Name leitet sich vom englischen Ausdruck «to blow a raspberry», verächtlich prusten, her.
Independentfilmer sind vor der Himbeere weitgehend sicher, auch wenn der als angeblich schlechtester Regisseur der Welt geschmähte Uwe Boll schon «ausgezeichnet» wurde. Generell sollen sich die Razzies nach dem Willen ihres Erfinders aber auf die großen Projekte und Namen konzentrieren - die hätten schließlich keine Entschuldigung, derart mies zu sein.
Dass die Branche den Nestbeschmutzer weitgehend mit Nichtachtung straft, sieht Wilson gelassen. Hollywood wolle die Himbeeren wie einen «Furz in der Kirche» ignorieren, hat er dem «Guardian» gesagt. Dabei wollten die Razzies niemandem etwas Böses. Die Preise seien eher die Bananenschale auf dem Boden als der Schlag ins Gesicht. «Wir sind lustig, nicht gemein», sagte Wilson.
Außerdem hat Hollywood nach Ansicht des Razzie-Gründers durchaus Grund zur Dankbarkeit. Das «Showgirls»-Studio habe auf Plakaten mit dem Gewinn von sieben Goldenen Himbeeren geworben und einer der «Catwoman»-Drehbuchautoren habe sich für das Ankurbeln der DVD-Verkäufe bedankt.
Über die Nominierungen der 30. Razzie Awards werden wieder die rund 650 Mitglieder der Stiftung in 19 Ländern abstimmen. Darunter sollen auch Prominente sein, deren Anonymität gewahrt bleibt. Mitgliedschaft und Stimmrecht steht jedermann für einen Jahresbeitrag ab 20 Dollar frei.
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