Dienstag, 2. September 2014

14. Dezember 2012 09:27 Uhr

Bad Kreuznach

Oma soll Enkelin Kehle aufgeschnitten haben

Vor Gericht sagt die 56-Jährige, sie habe ihre Enkel geliebt. Und dennoch soll die Oma ihrer zweijährigen Enkelin die Kehle aufgeschnitten haben.

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Das Foto zeigt ein Mehrfamilienhaus in Niederwörresbach (Kreis Birkenfeld), in dem eine Großmutter ihre zwei Jahre alte Enkelin getötet haben soll.
Foto: Thomas Frey dpa

Über ihr Gesicht huscht ein Lächeln, zum ersten Mal an diesem Tag. Es geht um ihre eigene Mutter, damals vor mehr als 30 Jahren. Die habe trotz eines Schlaganfalls immer auf ihre  Enkel aufgepasst, gebügelt und gekocht. Das erzählt die 56 Jahre alte Frau, die ihre eigene Enkelin umgebracht haben soll. Nur wenige Minuten später wird sie von heftigen Weinkrämpfen geschüttelt, als sie die Namen ihrer sieben Enkel aufsagen soll. «Die Enkel waren für mich der Sinn meines Lebens», sagt sie am Donnerstag vor dem Landgericht Bad Kreuznach.

Der Enkelin die Kehle aufgeschnitten

Doch eine Enkelin ist nun tot. Vor einem halben Jahr soll die Großmutterder Kleinen im Hunsrück-Dorf Niederwörresbach die Kehle aufgeschnitten haben. Der Opa fand das verletzte Mädchen, aber jede Hilfe kam zu spät. Die Großmutter war laut Gericht betrunken - 2,91 Promille wurden kurz nach der Bluttat bei ihr gemessen. Jetzt ist sie wegen Totschlags angeklagt, könnte aber auch wegen Mordes verurteilt werden.

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Großmutter hatte viel getrunken

Was genau geschah, nachdem sich die Großmutter mit den Mädchen ins  Bett gelegt hatte, versucht nun das Gericht aufzuarbeiten. Gegen Abend habe sie zunächst vier Gläschen Wodka mit ihrem Mann in einer Abstellkammer getrunken, damit die Enkelinnen es nicht sehen, sagt die Angeklagte aus. Später noch mal Wodka aus einem Wasserglas, zum Einschlafen. «Ich war niemals bei einem Suchtberater, das war wohl mein Fehler», sagt sie im Rückblick.

Laut Anklage wollte die zweijährige Enkelin noch nicht schlafen. Da habe die Großmutter die fünfjährige Schwester irgendwann aufgefordert, ein Küchenmesser zu holen. Damit habe sie dann die Kleine umgebracht.

Fall stellt Experten vor Rätsel

An die Geschehnisse jener Nacht könne sie sich kaum erinnern, gibt  die Angeklagte mit rot unterlaufenen Augen zu Protokoll und umklammert dabei ein Taschentuch. Nur an die Stunden bis zu Bettruhe. Ihre Tochter und der Schwiegersohn hätten einen Angelausflug gemacht und die beiden Enkelinnen über Nacht bei den Großeltern gelassen - wie zuvor schon oft. «Wenn sie mich zwei Wochen nicht zu Gesicht bekamen, haben sie geweint», beschreibt die Frau die Beziehung zu ihren beiden Enkelinnen.

Der Fall gibt auch Experten Rätsel auf. Die Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen, Theresia Höynck, hält es für äußerst selten, dass Großeltern einen kleinen Enkel töten. «Das ist völlig atypisch», sagt sie.

«Ich bin eine Oma, aber auch ein Monster», berichtet die Angeklagte über ihre Schuldgefühle. Sie spricht russisch, eine Dolmetscherin übersetzt. Vor knapp 15 Jahren sei sie aus Sibirien nach Deutschland eingewandert - nach eigenen Angaben, um ihre Kinder vor Kriminalität zu schützen. Mit ihnen habe sie nun in der Haft nur noch per Post Kontakt. «Ich will, dass sie mich vergessen», sagt die 56-Jährige. dpa/AZ

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