Mittwoch, 23. August 2017

07. August 2013 07:11 Uhr

Partnerbörsen

Online-Dating: Münchner Ghostwriter flirten für Singles

Die Partnersuche im Netz nimmt viel Zeit in Anspruch. Die Geschäftsidee zweier Münchner: Sie übernehmen als Ghostwriter die Vorarbeit. Nur zum ersten Date kommen sie nicht mit.

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Der Name klingt vielversprechend: "Suredate". Seit gut einem Jahr garantiert die Münchner Agentur von Andreas Laufer und Ingo Möbius Verabredungen. Gegen Bezahlung schlüpfen sogenannte Ghostwriter online in die Rolle ihrer Kunden. Das heißt: Wer nicht will, muss auf den unzähligen Singlebörsen im Netz weder sein eigenes Dating-Profil erstellen noch mit potentiellen Partnern flirten. Das Chatten übernehmen stattdessen die Flirt-Experten. Ob sie deswegen moralische Bedenken haben? "Selbstverständlich nicht", sagt Geschäftsführer Ingo Möbius im Interview mit AZ Online.

Herr Möbius, wer ist der typische Suredate-Kunde?

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Den typischen Kunden gibt es bei uns nicht. Angefangen beim 25-jährigen Unternehmer, über die 45-jährige Ärztin bis hin zum 70-jährigen ehemaligen Investment-Banker sind bei uns fast alle Altersstufen vertreten. Gemeinsam ist allen eine erstklassige Ausbildung und ein hohes Einkommen. Außerdem eine gesunde Portion Neugier, Dinge abseits der ausgetretenen Pfade auszuprobieren.

Fragen Männer und Frauen das Angebot gleich stark nach?

Das Verhältnis von Männern und Frauen ist ziemlich genau 40 zu 60 Prozent. Männer müssen im Internet zu 90 Prozent den aktiven Part übernehmen. Aber der Erstkontakt per Mail auf einer der vielen Plattformen ist alles andere als einfach. Online-Dating ist zeitintensiv, anstrengend und teilweise auch frustrierend. Die Idee war es, den Kunden diese aufwendige Vorarbeit einfach abzunehmen.

Bei unseren weiblichen Kunden haben wir festgestellt, dass sie schnell vom Online-Dating frustriert sind, weil sie zu viele unseriöse Anfragen bekommen oder von Männern angeschrieben werden, die sie im wahren Leben nie ansprechen würden. Die Folge: Sie melden sich wieder ab oder lassen ihr Profil ein Dasein als Karteileiche fristen. Für unsere Kunden schreiben sowohl männliche als auch weibliche Ghostwriter - wobei es übrigens völlig egal ist, ob ein Mann oder eine Frau fürs jeweilige Geschlecht schreibt.

Es könnte also sein, dass ein Mann eine attraktive junge Frau vermutet, sich aber in Wirklichkeit mit einem Mann in seinem Alter unterhält? Mal ehrlich: Hatten Sie wegen ihrer Arbeit noch nie moralische Bedenken? 

Selbstverständlich nicht. Hat die Sekretärin, die den Geschäftsbrief des Chefs unterschreibt oder der Ghostwriter, der die Promi-Biographie geschrieben hat, moralische Bedenken? Wir spiegeln nichts vor, was es nicht gibt. Im Gegenteil - zu den vielen Fake-Profilen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen auf den Online-Dating-Plattformen tummeln, sind die Profile unserer Kunden real. Und dass sich jemand ins geschriebene Wort verliebt, ist ein Mythos, der nichts mit der Realität zu tun hat. Die meisten Menschen sprechen anders als sie schreiben. Das "Kennenlernen" fängt mit dem realen Treffen an.

Und Ihre Kunden? Verraten die in der Regel irgendwann, dass die virtuellen Liebesschwüre nicht von ihnen stammen?

Von einem Kunden wissen wir, dass er es beim ersten Date gestanden hat. Sie hat es wohl eher belustigt aufgenommen. Aber generell raten wir unseren Kunden, nicht gleich beim ersten Treffen damit herauszurücken sondern, wenn es denn unbedingt kommuniziert werden muss, zu warten, bis die Beziehung gefestigt ist.

Kann man schriftliches Flirten eigentlich lernen?

Schreiben kann man nur bedingt lernen. Natürlich gibt es beim ersten Anschreiben gewisse Regeln, wie zum Beispiel sich einen bestimmten Aufhänger im Profil des Gegenübers zu suchen und diesen dann, kombiniert mit einer Prise Witz, anzusprechen. Das signalisiert Interesse am anderen und zeigt, dass man Humor hat. Aber vielen fehlt das Talent dazu, das entsprechend schriftlich zu formulieren. Und nach dem Erstkontakt muss die Konversation ja weitergeführt werden. Es muss improvisiert werden. Die Antworten können nicht vorgefertigt werden. Und dabei hilft Suredate.

Zum ersten Date aber muss der Kunde selbst. Wie besteht er dort? Gibt es ein ausführliches Briefing?

Die Männer und auch die Frauen bekommen den Mail-Verlauf vor dem Date zugeschickt und können sich entsprechend vorbereiten. Uns geht es darum, so schnell wie möglich zum Date zu kommen, um nicht unnötige Erwartungen aufzubauen. Deswegen hat bisher noch niemand bemerkt, dass Ghostwriter am Werk waren. Wenn es sich tatsächlich um eine schüchterne Person handelt, bieten wir auch ein Telefon-Coaching fürs Date an, indem wir Verhaltens-Tipps geben. Das wird aber relativ selten nachgefragt.

Wissen Sie, ob dank Ihrer Flirthilfe bereits glückliche Beziehungen entstanden sind? Gab es vielleicht sogar schon eine Hochzeit?

Bisher sind drei bis vier Beziehungen daraus entstanden. Auf die Hochzeit warten wir noch. Beim Online-Dating ist es aber wie im richtigen Leben: Man muss einige Frösche küssen, bis sich der Prinz oder die Prinzessin zeigt. Die Chance, gleich beim ersten Date den Traumpartner zu finden, ist sehr gering.

Bestand eigentlich schon einmal die Gefahr, sich selbst in einen virtuellen Flirtpartner zu verlieben?

Definitiv nicht. Verlieben kann man sich erst, wenn man sich real getroffen hat. Man kann ein Foto oder ein Profil toll finden, genauso, wie man einen Schauspieler in einem Film toll findet. Es handelt sich um eine virtuelle Welt, die erst durch das Date auf die reale Ebene gehoben wird.

Und was sagt Ihre Partnerin zu Ihrer Arbeit?

Unsere Partnerinnen waren beide anfangs skeptisch, haben dann aber schnell gemerkt, dass wir den Kunden mit unserer Arbeit zu einem erfüllteren Leben verhelfen und noch dazu Geld damit verdienen können.

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Schlagworte

München

Ein Artikel von
Daniela Fischer

Augsburger Allgemeine
Ressort: Online-Redaktion

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