Mittwoch, 17. September 2014

18. Februar 2013 12:14 Uhr

Lebensmittel-Skandal

Pferdefleisch im Essen: Das müssen Sie jetzt wissen

Pferdefleisch im Essen: Wo wurde es gefunden? Ist es schädlich? Was macht die Politik? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum aktuellen Lebensmittel-Skandal.

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In einem Labor wird eine Frikadelle auf Pferdefleisch untersucht. Die EU setzt in dem Skandal jetzt auf Gentests.
Foto: Carsten Rehder, dpa

Der Pferdefleisch-Skandal um nicht deklariertes Fleisch in Fertigprodukten weitet sich aus. Immer mehr Händler ziehen Waren zurück, immer mehr Pferdefleisch wird in Lebensmitteln entdeckt, in die es nicht hinein gehört. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Pferdefleisch in Tiefkühlprodukten gesammelt.

Ist Pferdefleisch gefährlich oder ungesund?

Nein. Ganz im Gegenteil gilt Pferdefleisch als sehr gesund und in vielen Ländern eine Delikatesse. Problematisch ist, dass das illegal in Fertigprodukten verarbeitete Pferdeflesich belastet sein könnte. Die Arzneimittelkommission Deutscher Apothekeretwa  warnte vor dem Medikament Phenylbutazon, das in exportiertem Pferdefleisch aus Großbritannien entdeckt wurde. «Es ist ein stark wirksames Mittel gegen Entzündungen im Körper und keinesfalls total unproblematisch», sagte die Expertin Petra Zagermann-Muncke. Als Nebenwirkungen seien schwere allergische Reaktionen - Hautausschläge oder Asthma - oder Blutbildschäden möglich. Phenylbutazon wird bei Pferden als Dopingmittel verwendet.

Wie kam der Pferdefleisch-Skandal überhaupt auf?

Der Skandal hat vor etwa einem Monat in Großbritannien und Irland begonnen, wo Spuren von Pferdefleisch in Hamburgern in Supermärkten gefunden wurden. Später zeigten Tests, dass Rindfleisch-Lasagne bis zu 100 Prozent Pferdefleisch enthielt.

Wie kam das Pferdefleisch ins Essen?

Im Zentrum des europaweiten Skandals stehen mehrere Firmen  in Frankreich, Zypern, den Niederlanden und Rumänien. Demnach bezog die französische Firma Spanghero über sechs Monate verteilt in  25-Kilogramm-Packungen 750 Tonnen Pferdefleisch aus Rumänien. Das  Pferdefleisch war auf Zollpapieren auch als solches ausgezeichnet,  wie von dem zyprischen Zwischenhändler ausgestellte Rechnungen an  Spanghero zeigen. Von diesen 750 Tonnen Pferdefleisch verkaufte  Spanghero rund 200 Tonnen selbst, als Merguez-Würste und unter  einer Eigenmarke als Fertiggerichte.

Der Großteil des Fleisches - rund 550 Tonnen - wurde an eine  Fabrik des französischen Tiefkühlherstellers Comigel in Luxemburg  geliefert - ausgezeichnet als Rindfleisch aus der EU. Aus diesen  550 Tonnen fertigte Comigel schließlich mehr als 4,5 Millionen  falsch ausgezeichnete Fertigprodukte. Diese gingen an mindestens 28  Firmen in 13 europäischen Ländern.

Welche Lebensmittel sind in Deutschland betroffen?

Bei Aldi Süd wurden "Cucina Ravioli, Sorte Bolognese" (800g Dose) sowie "Omnimax Rindergulasch" (540g Dose) zurückgerufen. Edeka nahm die "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" aus dem Verkauf, Lidl die "Gusto Tortelloni Rindfleisch". Metro zog vorsorglich die "Lasagne Bolognese Capri 400g" zurück, Real hat in Stichproben der "TiP Lasagne Bolognese, 400g, tiefgekühlt" Spuren von Pferdefleisch entdeckt. Rewe zog vier Produkte vorsorglich zurück: "Mou Lasagne Bolognese" und "Mou Cannelloni Bolognese" der Marke Tulip sowie die Eigenmarken "Rewe Chili con Carne 350g" und "Rewe Spaghetti Bolognese 400g". Tengelmann nahm die "A&P Lasagne" aus dem Sortiment.

Von den Fertiggerichten mit Pferdefleisch aus Luxemburg sind nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel» knapp 144 Tonnen nach Deutschland gelangt. Das gehe aus einer internen Liste der Europäischen Kommission hervor. Laut «Spiegel» haben von den insgesamt 1596 Tonnen luxemburgischer Fertiggerichte zwischen November 2012 und Januar 2013 knapp zehn Prozent den Weg nach Deutschland gefunden.

Was ist der eigentliche Skandal?

Die Verbraucher-Täuschung. Wenn Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft wird, handelt es sich um Betrug.

Pferdefleisch im Essen: Was macht die Politik?

Als Folge des Pferdefleisch-Skandals will Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) die Kennzeichnung von Lebensmitteln erweitern. Ihr Ministerium legte am Sonntag einen Entwurf zu einem Nationalen Aktionsplan mit sieben Punkten vor. Dabei geht es unter anderem darum, bei Fleischgerichten die Herkunft der Zutaten aufzuführen. Am Montag wollen Bund und Länder in Berlin über die Konsequenzen aus dem europaweiten Skandal um falsch etikettiertes Pferdefleisch in Produkten wie Lasagne und Moussaka beraten. Viele Supermärkte und Discounter haben in den vergangenen Wochen verdächtige fleischhaltige Fertiggerichte aus den Regalen genommen. AZ, bo, dpa

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