Donnerstag, 24. April 2014

29. Juni 2013 16:04 Uhr

Berlin

Polizist erschießt nackten Mann an Brunnen: Empörung über Video

Ein Polizist erschießt in Berlin einen nackten Mann. Prompt taucht ein Video der Erschießung bei Facebook und Youtube auf. Politiker sind entsetzt.

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Polizeibeamte untersuchen den Tatort am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus in Berlin.
Foto: Kay Nietfeld (dpa)

Ein nackter Mann im Neptunbrunnen in Berlin wird von einem Polizisten erschossen. Der Nackte war mit einem Messer bewaffnet, der Polizeibeamte spricht von Notwehr. Der Beamte wollte den Mann nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst beruhigen und aus dem Brunnen holen. Die Mordkommission des Berliner Landeskriminalamts ermittelt nun gegen den Polizisten wegen Totschlags.

Berlin: Video von Todesschuss veröffentlicht

Schon kurz nach dem tödlichen Schuss auf den nackten und möglicherweise verwirrten Mann tauchte im Internet - etwa bei Youtube und bei Facebook- ein Videoclip des Vorfalls auf. Das hat Kritik ausgelöst. «So etwas darf nicht gepostet werden. Wenn es etwas gibt, wo Facebook sofort reagieren muss, damit die Bilder aus dem Netz genommen werden, dann sind das solche Fälle», sagte der CDU-Medienexperte und Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer dem Nachrichtenmagazin «Focus». Die Bilder des auf Facebook zigfach geteilten youtube-Videos seien «menschenverachtend».

Ähnlich äußerte sich dem Magazin zufolge auch ein Sprecher von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU): «Offenbar reichen die technischen Instrumente und die Teams, die Inhalte der Seiten angeblich rund um die Uhr prüfen, nicht aus.»

Nackter Mann erschossen: "Vorgehen angemessen"

Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft Berlin, Bodo Pfalzgraf, war das Vorgehen des Beamten angemessen, auch der Schuss auf den Brustkorb. Es sei nicht möglich, alle Berliner Beamten zu Scharfschützen auszubilden, die in solchen Situationen in Arme oder Beine schießen, sagte der im Inforadio des RBB.

«Wenn am Ende jemand mit der Waffe auf einen losgeht, dann ist auch das staatliche Gewaltmonopol gefragt, weil man nicht alle Konflikte dieser Welt sprachlich lösen kann», sagte Pfalzgraf. Kein Polizist mache es sich leicht, auf einen anderen Menschen zu schießen. Bei Notwehr sei zudem der ganze Körper die Trefferfläche, erklärte Pfalzgraf. «Man muss diesen lebensbedrohlichen Angriff abwehren. Da wird nicht trainiert, auf Arme und Beine zu schießen.»

Innensenator nach tödlichem Schuss für Elektroschock-Pistolen

Berlins Innensenator Frank Henkel hat sich für Elektroschock-Pistolen für Polizisten ausgesprochen. Hintergrund ist der tödliche Schuss eines Polizisten auf einen 31-Jährigen im Neptunbrunnen gestern. Diese Art von Waffe sei trotz Risiken ein vergleichsweise mildes Mittel, sagte Henkel der «B.Z. am Sonntag». Es sei ratsam, wieder darüber zu reden. Das Vorgehen des Polizisten, das ein Youtube-Video dokumentiert, verteidigte Henkel. Es spreche vieles dafür, dass der Beamte in Berlin in Notwehr gehandelt habe.

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